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Regierungskritiker des Tages: Herbert Grönemeyer

Foto: IMAGO/Panama Pictures
Nicht die »Zeitenwende« also, die der ­Verfasser von »Tanzen« mehr oder weniger antizipiert hat, macht uns zu schaffen, sondern dass Scholz es bei Worten beließ (Köln, 27.10.2023)

Droste wusste es früh: Grönemeyer kann nicht tanzen. Was den Mann, der ganze Sätze in einer Silbe zusammenziehen konnte, nicht davon abhielt, eines seiner Lieder »Tanzen« zu nennen. 1986 erschienen auf der LP »Sprünge«, die neben Rillensprüngen auch einige Gedankensprünge bereithielt. Der Song zeichnet ein finsteres Deutschland. Bissl schlicht und irgendwie auch bissl drüber, scheint der Text heute fast aus dem Leben gegriffen: »Mit unsren Waffen könn sich Völker ausradieren«, »wir atmen auf, es stirbt der Wald«, »Asylanten weisen wir vor unsere Schranken«, »Wir singen wieder unsere Hymne, unsere Lieder, die Fahne flattert frei im Wind«, »Wir wollen uns trennen von denen, die nur pennen«, »Wir wollen unsere Herren loben«. Die da oben loben? Nicht mit Herbert. So hat er die Regierung jetzt tüchtig kritisiert. Bei der Entgegennahme des Nationalpreises jener Nation, die ihm 1986 noch die allerübelste war. Vom einen Quatsch in den anderen fallen, das Los des engagierten Deutschrockers.

Nicht, was die Regierung tue, was sie nicht tue, sei das Problem. Nicht, was die Kanzler sagen, was sie nicht sagen. Die Regierung komme kaum zu Ergebnissen. Dabei ist deren Trägheit doch mit Rücksicht auf Merz’ Agenda das wenige, was für sie spricht. Hochpoetisch zieht Herbert Parallelen zu Scholz. Der »sprach kurz von der ›Zeitenwende‹ und verfiel dann wieder ins Stumme«. Nicht die Zeitenwende also, die der ­Verfasser von »Tanzen« mehr oder weniger antizipiert hatte, mache uns zu schaffen, sondern dass Scholz es bei Worten belassen habe.

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Etwas Licht sieht Grönemeyer in der Zivilgesellschaft. Der Nmecha und der Pavlović, Gegner in der Liga, spielen zusammen für Deutschland auf der Doppelsechs. Nmecha, der evangelikale Hammelkopp, der Homosexualität als Werk des Teufels bezeichnet hat. Mach doch mal den Scholz, Herbert, verfall ins Stumme.

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.06.2026, Seite 3, Ansichten

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