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Essen

Mettigel heißt jetzt Matt Eagle: Deutsche Küche

Foto: photothek/IMAGO
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: Die gute Grobe

Petra lädt Holger zum Geburtstag ein und schlägt vor, er könne doch eine Bolognese machen. Als die Gäste an dem Abend langsam hungrig werden, stellt Holger sie in einer Reihe auf, mit sich selbst an der Spitze, legt sich die Hände seines Hintermannes auf die Schulter und singt »Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse …« Bolognese, Polonaise, kann man schon mal verwechseln.

Oder eigentlich nicht. Deutsche Kinder wachsen mit Pizza und Bolo auf, können mehr Pasta- als Kohlsorten unterscheiden. Auch wenn wir den erwachsenen Schatz fragen, was sollen wir essen, ist die Antwort meistens »italienisch«. Die ersten hundert Wörter der schönen Sprache lernen wir sämtlich aus der Speisekarte. Beim Fleisch kennen wir den Unterschied zwischen Gyros und Döner. Dieser kommt von »dönmek«, also sich drehen, jener von »να γυρίζει«, sich drehen. Gelüstet es uns nach Exotischerem und wünschen wir uns »asiatisch«, weist die Feinschmeckerin oder der Korinthenkacker garantiert darauf hin, dass knapp 60 Prozent der Weltbevölkerung durchaus mehrere erkennbare Kochstile ausdifferenziert haben, aber auch das ist ja heute leidlich bekannt.

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Man isst so selbstverständlich beim Vietnamesen, Japaner, Chinesen, Inder, wie umgekehrt keiner von denen zum Deutschen oder gar zu »seinem Lieblingsdeutschen« geht. Dabei ist deutsches Essen sehr viel mehr als das bisher Angeführte, zum Beispiel Currywurst, Falafel, Schnipo Schranke und auf Partys auch gerne Nudelsalat oder Quiche Lorraine. Der gute alte Mettigel ist ausgestorben und wird, wenn einmal das Gespräch auf ihn kommt, von den Jüngeren für einen amerikanischen Actiondarsteller gehalten (Matt Eagle). Allenfalls der Kartoffelsalat ist noch praktizierte deutsche Küche im engeren Sinne. Zwei Dinge sind tröstlich. Die jW vom 16. Juni schreibt, dass das Deutsche Archiv der Kulinarik Tausende Rezepte für deutsches Essen aufbewahrt, falls Sie oder Menschen der Nachwelt mal etwas wirklich ­Ausgefallenes speisen wollen. Und Petra ist froh, dass sie Holger nicht gebeten hat, ein Moussaka anzurichten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.06.2026, Seite 11, Feuilleton

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