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Israels Standbein am Horn von Afrika
Nach der diplomatischen Anerkennung Somalilands werden die Beziehungen rasch weiter ausgebaut
Es ist eine kalkulierte Annäherung: Die Beziehungen zwischen Israel und dem international nicht anerkannten Somaliland haben sich innerhalb weniger Monate von informellen Kontakten zu einer der geopolitisch brisantesten Partnerschaften in Afrika entwickelt. Vorläufiger Höhepunkt waren ein Staatsbesuch sowie gegenseitige Botschaftseröffnungen. Zuvor war Ende Dezember öffentlich geworden, worüber bis dahin nur spekuliert worden war: Israel erkannte Somaliland als erstes Land überhaupt formal als unabhängigen Staat an.
Die Reaktion folgte prompt: Somalia, von dem sich das frühere britische Protektorat Somaliland einseitig 1991 abgespalten hatte, die Afrikanische Union, zahlreiche arabische Staaten einschließlich der jemenitischen Ansarollah verbreiteten eine gemeinsame Stellungnahme – auch die Türkei und der Iran schlossen sich an. Die Kritik konzentrierte sich auf drei Punkte: Israel agiere als expansiver Akteur, schaffe einen Präzedenzfall für die Abspaltung von Staatsteilen und untergrabe Somalias territoriale Integrität. Im Schlussabsatz der Erklärung findet sich ein weiterer brisanter Punkt: Die Anerkennung erfolge im Zusammenhang mit israelischen Plänen zur Vertreibung der Palästinenser.
Die nächsten Schritte fanden in der breiten Öffentlichkeit kaum Beachtung: Im Mai kündigte Somaliland offiziell an, eine Botschaft in Israel zu eröffnen – und zwar in Jerusalem. Damit reiht sich das abtrünnige Gebiet in die kleine Gruppe von Staaten ein, die Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen: neben den USA auch politisch marginale Akteure wie Fidschi, Papua-Neuguinea, Kosovo oder Honduras. Israels Außenminister Gideon Saar erklärte die Botschaftseröffnung zum wichtigen Schritt bei der Vertiefung der wechselseitigen Beziehungen. Für die unter Druck stehende Netanjahu-Regierung ist eine afrikanische Fürsprache – wie unbedeutend und marginal auch immer – ein diplomatischer Punktgewinn.
Im Gegenzug kündigte Israel die Eröffnung einer Botschaft in Somalilands »Hauptstadt« Hargeisa an. Als ersten Botschafter berief Tel Aviv Michael Lotem, einen afrikaerfahrenen Karrierediplomaten, der in den vergangenen rund drei Jahrzehnten unter anderem in Eswatini, Kenia und im russischsprachigen Raum im Einsatz war. Eine seiner ersten Amtshandlungen dürfte die Vorbereitung eines historischen Besuchs gewesen sein: Somalilands »Präsident« Abdirahman Mohammed Abdullahi reiste vergangenen Sonntag erstmals offiziell nach Israel. Er traf seinen »Amtskollegen« Isaac Herzog, Premier Benjamin Netanjahu, Außenminister Gideon Saar sowie Wirtschaftsvertreter und unterzeichnete strategische Kooperationsabkommen. Israelische Medien hatten mehrfach durchgestochen, dass Abdullahi Israel bereits mehrfach verdeckt besucht habe, um die Normalisierung vorzubereiten.
Kern des somit ersten offiziösen Besuchs war neben der offiziellen Botschaftseröffnung ein Sicherheitsabkommen. Der somaliländische »Verteidigungsminister« Mohammed Yusuf Ali erklärte dazu, dass Israel bereits Polizei und Militär des Landes trainiere – die Ausbildungsprogramme sollen nun verstetigt werden. Gleichzeitig bemühte sich Ali ungefragt, kursierende Gerüchte über eine israelische Luftwaffenbasis oder weitreichende Geheimdienstabkommen zu zerstreuen. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass bereits eine Ausbildungskooperation erhebliche Folgen hat und es eine offizielle Basis kaum bräuchte: Somaliland kontrolliert die Küste nahe der Meerenge Bab Al-Mandab – eine Schlüsselpassage zwischen Suezkanal und Indischem Ozean. Eine maritime Überwachungskooperation könnte en passant israelische Geheimdienstaktivitäten einschließen.
Für Israel ist Somaliland aus mehreren Gründen attraktiv: Die geographische Lage erlaubt eine effektivere Überwachung der Ansarollah im Jemen und iranischer Aktivitäten im Roten Meer. Somaliland kursiert zudem – noch ohne konkretes Programm – als möglicher Aufnahmeort für vertriebene Palästinenser aus Gaza. Netanjahu sah die Anerkennung Somalilands ausdrücklich als Schritt »im Geist der Abraham-Abkommen« – hin zu einer »Nakba 2.0« und Vertreibung gen Afrika? Ein weiterer, oft übersehener Faktor: Die Türkei ist heute Somalias wichtigster Partner – und in Israels strategischen Planungen bleibt ein Konflikt mit Ankara möglich. Somaliland könnte so zum Hebel in einem größeren regionalen Machtspiel werden, dessen Folgen für den Iran, die Türkei und Palästina schwerwiegend sein könnten.
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