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Sudan

Immer mehr Tote durch Drohnen

Sudan: Nahezu täglich zivile Opfer, Paramilitärs weiten Offensive aus

Foto: El Tayeb Siddig /REUTERS
Drohnenangriff überlebt: Ein Kind muss in Atbara im Krankenhaus versorgt werden (25.4.2025)

Im Sudan reißt die tödliche Gewalt nicht ab: Vergangenen Mittwoch traf eine mit Sprengstoff beladene Drohne eine Sekundarschule sowie ein Gesundheitszentrum im Dorf Schukeiri, Bundesstaat Weißer Nil. 17 Menschen – überwiegend Schulkinder – wurden getötet, mindestens zehn weitere Personen teils schwer verletzt. Für das Kriegsverbrechen werden die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) verantwortlich gemacht. Jene kämpfen, militärisch unterstützt und diplomatisch gedeckt durch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die USA und Israel, unter General Mohammed Hamdan Daglo (»Hemedti«) gegen die Sudanese Armed Forces (SAF) unter de-facto-Staatschef General Abd Al-Fattah Al-Burhan. Internationale Medien berichten übereinstimmend – unter Bezugnahme auf das Sudanesische Ärztenetzwerk –, dass im Ort keinerlei militärischen Einrichtungen existieren. Der Bundesstaat Weißer Nil liegt im unter Regierungskontrolle stehenden Osten des faktisch geteilten Südens des Landes und war bislang vielmehr als Zufluchtsort für Innlandsvertriebene mit katastrophalen humanitären Bedingungen bekannt – nicht als direktes Frontgebiet.

Einen Tag später erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk, dass sein Büro seit dem 4. März Berichte über mehr als 200 zivile Todesopfer durch Drohnenangriffe erhalten habe. Allein an jenem Tag sollen in Al-Muglad (Westkordofan) bei einem Drohnenbeschuss auf das örtliche Krankenhaus und den Markt der Stadt mindestens 50 Personen getötet worden sein. Türk sprach von »erschütternden« Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung und forderte das sofortige Ende dieser Angriffe, die gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Sie werden jedoch unvermindert fortgesetzt. Am Freitag erklärte die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen«, dass sie mehr als 20 Menschen – darunter sieben Kinder – wegen Verletzungen behandelt habe, nachdem ein Drohnenangriff im Westen des Landes Treibstoffvorräte in Brand gesetzt und dabei elf Menschen getötet hatte. Dass Kampfdrohnen in dem seit April 2023 laufenden Krieg für beide Seiten zu einer wichtigen Waffe geworden sind, zeigen auch Zahlen der unabhängigen internationalen Beobachtungsstelle »Armed Conflict Location & Event Data«, die in den ersten beiden Monaten dieses Jahres mindestens 198 Drohnenangriffe im Sudan dokumentiert hat – von beiden Konfliktparteien durchgeführt. Bei mindestens 52 davon gab es zivile Opfer, 478 Menschen wurden getötet.

Vor rund einem Jahr war es zum bisherigen Scheitelpunkt im Krieg gekommen: Mit der Rückeroberung der Hauptstadt Khartum durch die SAF wendete sich das Kriegsgeschehen. Bessere Versorgungslinien, Luftüberlegenheit sowie die gezielte Unterstützung internationaler Partner (Ägypten, Saudi-Arabien, Russland, Katar und die Türkei) sicherten die systematische Rückeroberung seit 2023 verlorener Gebiete. Im Laufe des Jahres konsolidierten sich die RSF jedoch in den südwestlichen Bundesstaaten und belagerten Städte wie die norddarfurische Hauptstadt Al-Fascher, die dann im Oktober 2025, begleitet von Massakern mit Hunderten Toten, eingenommen wurde.

Angesichts des US-amerikanisch-israelischen Kriegs gegen Iran und dessen Vergeltungsschlägen gegen die Golfstaaten und den RSF-Unterstützer VAE mehren sich Berichte, die eine dadurch bedingte Schwächung der Paramilitärs vermuten. Demgegenüber berichtete die Sudan Tribune am Montag von einer Ausweitung der RSF-Offensive auf die (nord)westlichen und zentralen Regionen des Landes. So konnten die Truppen die strategisch wichtigte Stadt Bara in Nordkordofan einnehmen, die erst zehn Tage zuvor von den SAF zurückerobert worden war. Lokalen Quellen zufolge setzte die RSF bei dem Angriff Dutzende von Kampffahrzeugen, Drohnen und Artillerie ein. Laut nicht verifizierten Angaben der Gruppe seien 500 Soldaten getötet und 45 Fahrzeuge erbeutet worden. In Norddarfur wurde wiederum die Grenzstadt Karnoi von den RSF eingenommen. Sie gilt als einer der letzten Stützpunkte des Militärs und seiner Verbündeten in diesem Teil des Bundesstaats. Eine Attacke auf die südkordofanische Stadt Dilling, die bis Januar unter jahrelanger Belagerung der RSF gestanden hatte und nun von den Regierungstruppen kontrolliert wird, konnte demnach jedoch abgewehrt werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 6, Ausland

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