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Wie wurde auf den Marsch reagiert?
Eine »Mütterkarawane« reist in Solidarität mit Rojava durch die BRD und will Frauen ermutigen, erklärt Dörte Simon-Rihn
Eine »Mütterkarawane« zieht seit Sonnabend durch die BRD und demonstriert entlang der hunderte Kilometer langen Route für die Frauenbefreiung in Solidarität mit Rojava, dem Selbstverwaltungsprojekt in Nordostsyrien. Die Karawane geht auf die Initiative des Vereins »Familien für den Frieden« zurück, eine Abschlusskundgebung ist für kommenden Sonnabend in Berlin geplant. Was ist Ihr Ziel?
Wir starteten jeweils vom Süden von Heilbronn sowie vom Norden Hamburgs aus mit dem Marsch durch die BRD und folgen damit dem Beispiel der »Peoples Caravan«, die im Januar in Richtung Kobanê zog, um Aufmerksamkeit für die Angriffe auf die Selbstverwaltung in Rojava zu lenken. Sie wurde damals in der Türkei gestoppt. Einen Schwerpunkt legen wir auf die Perspektive von Müttern in Deutschland. Viele Frauen sagen, demonstrieren nütze nichts. Von Rojava haben wir gelernt, dass es Hoffnung bringt, wenn wir uns selbst ermächtigen und unsere Forderungen öffentlich stellen – für unsere Kinder, unser Leben und unseren Zusammenhalt. Schon bei den Vorbereitungen merkten wir, dass gemeinsame Aktivität neues Lebensgefühl bringt.
Wir sind nicht allein mit unseren Befürchtungen, dass wir gegen die Militarisierung in unserer Gesellschaft nichts machen können, wenn zugleich Kitas schließen, miese Zustände an Schulen und Pflegenotstand herrschen.
Was bewegt Frauen mit Kindern hierzulande, wenn sie auch auf die eigene prekäre Lage verweisen?
Oberflächlich scheint es, als seien wir gleichberechtigt. Kommt man etwa mit Frauen auf dem Land ins Gespräch, wird es immer stiller. Es darf aber nicht sein, dass es zum Mutter- und Frauentag Blümchen gibt, und das war es dann. Wir müssen nein sagen, wenn man unsere Kinder in die Wehrpflicht schicken will. Menschenrechte dürfen nicht hinten anstehen. Hierzulande müssen wir wieder lernen, Rechte laut einzufordern.
Wie ist die aktuelle Lage in Nordsyrien für Frauen mit Kindern unter dem Einfluss des dschihadistischen syrischen Übergangspräsidenten Ahmed Al-Scharaa, der sich als staatsmännischer und gemäßigter Partner des NATO-Westens gibt?
Unser Verein hat Kontakte mit Rojava geknüpft, unter anderem mit der »Stiftung der freien Frau« in Syrien, der Weqfa Jina Azad a Sûrî. Wir unterstützen das Kinderhaus in Kamischli, wo Kinder unterkommen, deren Leben von Krieg und Gewalt geprägt war. Uns ist nicht egal, was Menschen dort passiert. Wir haben Empathie und sind motiviert, die unter Druck geratene Selbstverwaltung zu unterstützen, damit das Regime in Damaskus Frauenprojekten und fortschrittlichen Institutionen dort, denen jeweils eine Frau und ein Mann vorstehen, nicht etwa signalisiert, dass sie künftig keine Rolle mehr spielen sollen. Es geht um viel: Die Frauenselbstverteidigungseinheiten sollen aufgelöst werden. Sie wollen aber nicht zurückfallen in alte, erzpatriarchale Zeiten, in denen der IS auf dem Vormarsch war.
Wie waren die ersten Reaktionen auf den Marsch? Wurden sie häufiger auf die Perspektive für Mütter in der BRD oder die in Rojava angesprochen?
Es kommt darauf an, welche Vereine und Initiativen bereits vor Ort aktiv sind und was ihnen wichtig ist. Darüber wollen wir den Diskurs eröffnen und auch zuhören. Die Kurdinnen sind oft sehr aktiv. Uns erreichen berührende Nachrichten, etwa von einer Frau aus Mannheim, die ihre beiden Kinder durch Kriegseinsätze in Nordsyrien verloren hat. »Ich bin so froh, dass es euch gibt«, sagte sie. Wir sind aber ebenso interessiert am Austausch mit Landfrauen oder Nachbarschaftsinitiativen, die eigene Anliegen haben. So werden wir in Neuruppin mit Jugendlichen ins Gespräch gehen. Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der es allen gut geht und andere Gruppen nicht ausgegrenzt werden.
Die mögliche Integration Rojavas in den syrischen Staat gefährdet die Frauenbefreiung dort. Wie bewerten Sie die politische Haltung der Bundesregierung dazu?
Hat sie eine? Man lädt Al-Scharaa nach Berlin ein, knüpft Wirtschaftsbeziehungen. Wir aber fordern eine zivilgesellschaftliche Verknüpfung von Universitäten und Frauenprojekten hier und in Rojava. Um voneinander lernen zu können, müssen Menschen aus der Selbstverwaltung in die BRD einreisen können. Dass Frauen und Mütter sich hier nicht mehr eingebunden fühlen, darf nicht sein.
Dörte Simon-Rihn ist Sprecherin der »Mütterkarawane«
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