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Werden die Gewehre auch im Sudan-Krieg eingesetzt?
Hauptversammlung von Heckler & Koch: Trotz Strafzahlung klingelt die Kasse beim Waffenhersteller, sagt Tilman Massa
Anfang Juli fand die Hauptversammlung der Heckler & Koch AG virtuell statt. Auf mehrmalige Nachfrage gab der Konzern zu, eine Strafzahlung in Höhe von 3,7 Millionen Euro getätigt zu haben. Worum ging es dabei?
Es ging um eine eigentlich schon längst abgeschlossene Sache, die Heckler & Koch aber immer noch juristisch hinauszuzögern versuchte: die Strafzahlung infolge illegaler Exporte nach Mexiko. Das waren über 4.000 Gewehre vom Typ G36 in den Jahren 2006 bis 2009. Und die gelangten entgegen den Vereinbarungen auch in Bundesstaaten in Mexiko, für die keine Exportgenehmigung vorlag. Das war nachweislich illegal – und daher auch diese Strafzahlung, nämlich genau in Höhe der gemachten Erlöse mit diesen Geschäften.
Die Zahlung von 3,7 Millionen Euro ging in die deutsche Staatskasse. Wird das Geld für die Ausstattung der Bundeswehr mit dem neuen Standardsturmgewehr von Heckler & Koch direkt zurücküberwiesen?
Das könnte tatsächlich so in etwa passieren. Wir haben die klare Forderung, dass das Geld für friedenspolitische Maßnahmen, für Gewaltprävention, vor allem aber auch im Sinne der Opfer und Hinterbliebenen der durch die illegalen Waffenexporte in Mexiko getöteten Menschen verwendet wird. Das zeigt die Krux des damaligen Verfahrens. Hier wurden Hinterbliebene und Betroffene der Gewalttaten in Mexiko gar nicht erst für eine Nebenklage zugelassen. Dementsprechend gibt es jetzt auch keine konkreten formaljuristischen Entschädigungsanforderungen, die sich aus dieser Strafzahlung ergeben könnten. Nun geht das Geld in die allgemeine Staatskasse im Land Baden-Württemberg. Dass der deutsche Staat aktuell groß aufrüstet, ist ja kein Geheimnis.
Die Aktionäre feierten den Anstieg des Jahresumsatzes 2025 um satte 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,4 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr peilt der Konzern sechs Milliarden Euro Umsatz an. Wo töten die Waffen besonders häufig?
Vor allem in den USA. Gerade der Zivilmarkt ist dort ein immer wichtiger werdendes Standbein und das Rückgrat der steigenden Gewinne von Heckler & Koch. Hinzu kommen Investitionen infolge der »Zeitenwende«, Großaufträge der Bundeswehr sowie Waffenlieferungen an weitere größere Armeen. Dazu gehört auch die Ukraine. Für uns war eine neue Erkenntnis der diesjährigen Hauptversammlung, dass Katar als »grünes Land« eingestuft wurde, also als Staat, an den bedenkenlos Waffen geliefert werden können.
Davon abgesehen ist es weiterhin so: Wenn die Produkte von Heckler & Koch einmal in die Welt gesetzt sind, kommen sie für Jahrzehnte in allen möglichen Kriegen zum Einsatz. Momentan auch im Sudan.
Auf die Kategorie »USA zivil« fielen im vergangenen Jahr rund ein Viertel des Konzernumsatzes. In der Pressemitteilung zu den Jahreszahlen 2025 liest man davon jedoch nichts.
Warum auch? Öffentlich möchte sich Heckler & Koch gerne als Partner von Sicherheitsdiensten und Armeen der westlichen Staaten präsentieren, vielleicht sogar besonders von der US-Armee, deren Einsatzkräften und Polizeieinheiten. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache.
Gerade wenn wir uns dann mal die Werbemaßnahmen der Heckler-&-Koch-Tochter in den USA ansehen, buhlt diese um die Aufmerksamkeit von Privatpersonen. Mit der völlig falschen Hypothese, dass mehr Waffen in privaten Händen für mehr Sicherheit sorgen würden. Das Gegenteil ist der Fall: Es kommt zu sehr vielen Gewalttaten, die mit einer restriktiven Waffenpolitik verhindert werden könnten. Heckler & Koch profitiert stark von den laxen Waffengesetzen in den USA.
Welche Folgen hat das für die Menschen in den USA?
Angefangen bei Suiziden bis hin zu Unfällen, aber eben auch größeren Gewalttaten und Amokläufen: Besonders der Vertrieb dieser halbautomatischen Gewehre trägt zu einer Kultur der Aufrüstung im privaten Bereich bei. Sowohl Waffenkult als auch die Ängste in der US-Zivilbevölkerung spielen dabei eine Rolle.
Sie haben eben erwähnt, dass Waffen von Heckler & Koch auch im Sudan-Krieg eingesetzt werden?
Es gibt schon seit vergangenem Jahr Hinweise, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Heckler-&-Koch-Waffen im Sudan-Krieg auch heute im Einsatz sind. Es ist unklar, wie genau sie dahin gekommen sind. Auf Nachfrage sagte Heckler & Koch, sie hätten Bildmaterial geprüft, könnten die Seriennummern aber nicht erkennen. Von daher sehen sie jetzt keine direkte Verantwortung und können angeblich nichts weiter machen.
Sie spielen uns dann den Ball zurück: Wenn wir als Gesellschaft oder auch als kritische Aktionäre Bilder hätten, auf denen Seriennummern erkennbar wären, dann könnten wir immer auf das Rüstungsunternehmen zukommen, und die würden das dann entsprechend prüfen. Das ist aber bei vielen Bildmaterialien und Quellen zumindest nicht so ohne weiteres möglich. Wir finden, die Verantwortung liegt beim Waffenhersteller, das zu untersuchen.
Tilman Massa ist Kogeschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
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