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Aus: Ausgabe vom 07.06.2024, Seite 1 / Ausland
Gazakrieg

Bomben auf »Hamas«

Israels Luftwaffe bombardiert UN-Schule und tötet allein 14 Kinder. Razzien in Westbank. Spanien schließt sich IGH-Klage an
Von Jakob Reimann
Verletzter Junge nach israelischem Angriff auf UNRWA-Schule im Flüchtlingslager Al-Nuseirat bei Deir Al-Balah am Donnerstag
Blutige Realität eines asymmetrischen Krieges: Nach dem israelischen Angriff auf die UNRWA-Schule (Flüchtlingslager Al-Nuseirat bei Deir Al-Balah, 6.6.2024)
Palästinenser begutachten die Schäden nach einem israelischen Angriff auf eine vom UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA betriebene Schule im Flüchtlingslager Al-Nuseirat (6.6.2024)

Bei einem Luftangriff auf eine Schule des Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) in einem Geflüchtetenlager im Gazastreifen sind am Donnerstag mindestens 40 Menschen getötet und über 70 weitere zum Teil schwer verletzt worden. Das teilten palästinensische Behörden zunächst der Nachrichtenagentur Reuters mit. Unter den Toten seien 14 Kinder und neun Frauen. Die Getöteten hatten zusammen mit 6.000 weiteren Vertriebenen in der Al-Sardi-Schule Zuflucht gesucht, schrieb der Generalsekretär des Palästinenserflüchtlingswerks, Philippe Lazzarini, am selben Tag auf X.

»Eliminiert: mehrere Terroristen der Hamas und des Islamischen Dschihad, die sich in einer UNRWA-Schule verschanzt hatten«, meldeten dagegen die israelischen Streitkräfte auf X. Kampfjets führten demnach »einen präzisen Schlag gegen einen Hamas-Komplex in der Schule« durch. »Diese Terroristen« seien »am Massaker vom 7. Oktober beteiligt« gewesen. Bei dem Angriff auf die Schule seien »umfangreiche Vorkehrungen getroffen worden, um den Schaden für Zivilisten« zu minimieren, schrieb die Onlinezeitung Times of Israel unter Berufung auf das Militär. Das behauptet weiter, dass sich »20 bis 30 Terroristen« in drei Klassenräumen der Schule aufgehalten haben sollen. Belege für auch nur eine seiner Anschuldigungen legte das israelische Militär freilich nicht vor. Palästinensische Behörden sprechen von einem »schrecklichen Massaker«.

Seit Kriegsbeginn am 7. Oktober vergangenen Jahres wurden 180 UNRWA-Schulen und andere Einrichtungen der UN-Organisation angegriffen, so Lazzarini. Hierbei seien mindestens 450 Personen getötet worden. Trotz fortgesetzter Bemühungen um eine Waffenstillstandsvereinbarung intensivierte das israelische Militär seine Offensiven und bombardierte mit Bureij und Maghazi auch mindestens zwei weitere Geflüchtetenlager in Zentralgaza. Ein vor Ort befindlicher Reporter von Al-Dschasira berichtete, dass in den 24 Stunden vor dem Angriff auf die Al-Sardi-Schule mindestens 102 Menschen in Gaza vom israelischen Militär getötet worden seien. Die Organisation »Ärzte ohne Grenzen« (Médecins Sans Frontières, MSF) bezeichnete die Situation in den Krankenhäusern in Zentralgaza am Mittwoch als »apokalyptisch«. Allein im Al-Aqsa-Hospital seien seit Dienstag mindestens 70 Tote und mehr als 300 Verletzte aufgenommen worden, die meisten davon Frauen und Kinder. »Der Geruch von Blut in der Notaufnahme des Krankenhauses war heute morgen unerträglich«, so MSF-Mitarbeiterin Karin Huster gegenüber Al-Dschasira. Die »wahnsinnige Eskalation der Gewalt« sowie die Schließung des Grenzübergangs Rafah habe das Gesundheitssystem in der abgeriegelten Enklave an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.

Unterdessen sind bei israelischen Razzien im besetzten Westjordanland 60 Palästinenser festgenommen worden. Die Festnahmen fanden nach Angaben von Al-Dschasira vor allem in den Bezirken Qalqilya und Jerusalem statt. Laut der palästinensischen Gefangenorganisation waren die Razzien die größten seit Anfang des Jahres.

Am Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass sich Spanien nach Irland als zweites europäisches Land dem von Südafrika angestrengten Völkermordverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) gegen Israel angeschlossen hat. Grund für die Entscheidung Spaniens sei die Furcht vor einer weiteren Eskalation, so Außenminister José Manuel Albares.

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