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Den Staat im Rücken
NGO-Bericht über Besatzung des Westjordanlands: Schwere Menschenrechtsverletzungen angeprangert. BRD mache sich mit schuldig
Was im von Israel besetzten Westjordanland geschehe, sei »die Auslöschung von Menschen, Bäumen und Steinen, und allem Palästinensischen durch Siedler mit Unterstützung des Militärs«. Mit diesem Zitat eines Dorfbewohners beginnt der Bericht über die Lage in den vom zionistischen Staat besetzten Gebieten, den Amnesty International (AI) und Amnesty Deutschland am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. »Es kann kein ›Business as usual‹ mit Israel geben, bis die Apartheid und die rechtswidrige Besatzung beendet sind«, sagte Agnès Callamard, Generalsekretärin von AI – auch mit Blick auf das Verhalten der BRD.
Der Bericht befasst sich mit der Lage von palästinensischen Hirten und Beduinen, die im sogenannten C-Gebiet des Osloer Abkommens leben. AI stützt sich dabei auf mehrere Dutzend Gespräche mit Menschen vor Ort sowie über 400 Videoaufnahmen. Das »C-Gebiet« umfasst mehr als 60 Prozent des besetzten Westjordanlandes und steht unter militärischer und administrativer Kontrolle Israels. Zionistische Siedler dringen seit Jahrzehnten immer weiter in die Region vor.
Wobei sie sich auf den israelischen Staat verlassen können, wie AI darlegt. Im Jahr 2023 wurde unter Finanzminister Bezalel Smotrich eine Stelle für die Verwaltung der Siedlungen eingerichtet. In der Folge ist laut AI der Rückbau illegaler, von Siedlern errichteter Gebäude »praktisch zum Stillstand gekommen«. Zwischen Januar 2023 und April 2026 hätten israelische Behörden 3.407 palästinensische Gebäude abreißen lassen. Seit Amtsantritt der aktuellen Regierung vor drei Jahren seien von Siedlern mindestens 212 »Außenposten« errichtet worden – in den fast 30 Jahren von 1996 bis 2023 waren es insgesamt »nur« 153, so die NGO. Gezielt würden die Lebensgrundlagen der Hirten angegriffen. Bei einem von AI dokumentierten Fall stahlen Siedler etwa 200 Schafe, bevor sie in die Herde schossen und etwa 120 der Tiere töteten.
Die Recherchen belegten »eindeutig, dass die israelischen Behörden im Rahmen der rechtswidrigen Besatzung (…) schwere Verletzungen internationaler Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts begehen«, schließt der Report. Er zeige zudem, dass »dieses Vorgehen nicht auf das eigenmächtige Vorgehen einzelner Siedler, Siedlerorganisationen oder extremistischer Minister« zurückzuführen, »sondern grundlegender Bestandteil einer organisierten staatlichen Politik« sei.
Die »Kampagne der ethnischen Säuberung«, so Callamard, »ist keine Anomalie. Sie ist verwurzelt in Israels langjährigem System der Apartheid, einem Verbrechen gegen die Menschheit«. Sie erhob schwere Vorwürfe Richtung BRD: »Wir präsentieren unseren Bericht in Berlin, um deutlich zu machen, dass die internationale Gemeinschaft, und insbesondere Deutschland, neben einigen anderen EU-Staaten, Israels Politik der ethnischen Säuberung ermöglicht hat.«
Die BRD habe Israels Vorgehen in der Westbank zwar wahrgenommen, jedoch keinerlei adäquate Schritte folgen lassen. Auf EU-Ebene blockiere Berlin maßgeblich die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen dem Staatenblock und Israel, die AI fordert. Die NGO befürwortet ferner das Verbot von Handelsaktivitäten, die die israelische Besatzung des Westjordanlandes unterstützen.
Auf jW-Nachfrage, ob die Antwort auf die israelischen Verbrechen – angesichts ihrer offenkundigen Verwurzelung in der staatlichen Politik – nicht härter ausfallen müsste als das Aussetzen einiger Handelsbeziehungen, antwortete Callamard, dass zwar nach internationalem Recht tatsächlich der Abbruch sämtlicher ökonomischer Aktivitäten notwendig sei. »Aber bisher ist gar nichts geschehen.« Es gehe daher darum, dass westliche Staaten überhaupt ein Signal aussenden würden, dass »zu viele rote Linien überschritten wurden«.
Dass das ganz sicher nicht geschehen wird, stellte die Bundesregierung unverzüglich klar: Kurz nach der Sitzung sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU), er sei der Auffassung, »dass unsere Stimme in Israel gehört wird und dass andere Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht geboten sind«.
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Wilfried Schubert aus Güstrow 11. Juni 2026 um 11:10 UhrDie Enttäuschung der deutschen Regierung, keinen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erhalten, ist groß. 104 Stimmen reichten nicht annähernd. Ein Grund dafür ist, die lange andauernde Unterstützung für Israels menschenfeindliche Politik gegen die Palästinenser. Die Bundesrepublik und das geeinte Deutschland negieren die UN-Resolution 181 (II) von 1947 über die Bildung der Staaten Israel und Palästina. Sie akzeptierten die widerrechtliche Besetzung palästinensischer Gebiete, wie des Westjordanlandes, Ostjerusalems, des Gazastreifens und der Golan-Höhen bis heute. Deutschland ist einer der größten Unterstützer Israels, einschließlich militärischer Mittel. Jeder Protest gegen die israelische Politik läuft Gefahr, von der Bundesregierung als antisemitisch verfolgt zu werden. Deutschland wäre in der Welt weit mehr anerkannt, wenn es auch die Interessen der Palästinenser vertritt, so die längst überfällige Bildung eines eigenen Staates Palästina.
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Marie-Dominique Vernhes aus Hamburg 10. Juni 2026 um 20:36 UhrDanke für den Artikel insbesondere für die Beschreibung der Politik der deutschen Regierung. Jedoch vermisse ich einen Hinweis eben auf eine Möglichkeit, gegen diese Politik seine Stimme zu erheben: Die Beteiligung an der europäischen Bürgerinitiative »Vollständige Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel!« durch Unterschrift und durch Werbung für diese EBI. Bisher sind über 1,2 Millionen Unterschriften in der gesamten EU zustandegekommen, in Deutschland nur 67 000. https://citizens-initiative.europa.eu/initiatives/details/2025/000005_de Weitere Infos hier: - Deutsch-Palästinensische Gesellschaft: Rundbrief von Januar 2026 https://dpg-netz.de/wp-content/uploads/2026/02/DPG-Rundbrief-1-2026.pdf - Deutscher Ko-kreis Palästina-Israel https://www.kopi-online.de/wordpress/?p=5640 - https://bip-jetzt.de/2026/06/08/bip-aktuell-399-das-assoziierungsabkommen-mit-der-eu-ist-fuer-israel-von-enormer-bedeutung/ - ‚Sand im Getriebe‘ https://www.sand-im-getriebe.org/artikel/ebi-2026
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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