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13.03.2026
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Gerry Adams vor Gericht
Dem irischen Republikaner wird Terror vorgeworfen
Die Geschichte ist fast so alt wie der Nordirlandkonflikt selbst: 1972 war der damals junge Belfaster Republikaner Gerry Adams Teil einer Delegation der Untergrundorganisation IRA, die zu Verhandlungen mit der britischen Regierung nach London reiste. Und seither versuchen die Gegner des späteren Präsidenten der republikanischen Partei Sinn Féin (SF), ihn wegen seiner IRA-Mitgliedschaft vor Gericht zu zerren. Adams leugnet, Mitglied der IRA gewesen zu sein – was selbst seine engsten Unterstützer nicht ernst nehmen. Alle Versuche, Adams mit IRA-Anschlägen in Verbindung zu bringen, sind jedoch bisher vor Gericht gescheitert.
In London läuft seit Anfang der Woche ein neuer Versuch. Ziel des Zivilprozesses ist ein Gerichtsurteil, das ihn als führendes Mitglied der Provisional IRA persönlich für Anschläge verantwortlich macht. Adams wird von John Clark, Jonathan Ganesh und Barry Laycock auf Schadenersatz verklagt. Clark war 1973 beim Anschlag auf das Old-Bailey-Gericht in London verletzt worden, Ganesh und Laycock wurden 1996 bei Bombenanschlägen in Manchester und London verwundet. Adams soll für die Anschläge genauso Schuld tragen wie die Attentäter. Adams’ Anwälte behaupten, die Klage basiere auf Hörensagen, und kritisieren den sehr späten Zeitpunkt der Klageerhebung.
Der ehemalige britische Oberst Richard Kemp behauptete vor Gericht, Adams sei Mitglied des IRA-Armeerats gewesen, als dieser Bombenanschläge in Großbritannien genehmigte. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Kemp zwischen 1992 und 1994 sowie von 2002 bis 2005 als Geheimdienstoffizier tätig war. Zuvor hatte ein ehemaliges IRA-Mitglied Adams’ Mitgliedschaft im Armeerat bestätigt. Shane Paul O’Doherty hatte in den 1970er Jahren eine 14jährige Haftstrafe wegen einer Briefbombenkampagne verbüßt und wurde zu seinem langjährigen Blog befragt, auf dem er über neun Jahre hinweg 145 Artikel gegen Adams veröffentlicht hatte. Unter anderem beschreibt er ihn als »einen der produktivsten Serienmörder Irlands«. O’Doherty war vorgeworfen worden, sein Blog sei eine »Kampagne« gegen Adams, und er sei ihm und Sinn Féin gegenüber »extrem feindselig« eingestellt – was er jedoch vor Gericht bestritt.
Vor Prozessbeginn hatte Adams erklärt, die einzige »Schuld«, die er einzugestehen bereit sei, liege darin, »ein irischer Republikaner zu sein, der sich für die Beendigung der britischen Herrschaft in unserem Land und für die Vereinigung (mit der Republik Irland, jW) auf der Grundlage von Freiheit, Gleichheit, Frieden und Solidarität einsetzt.« Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.
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