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Influencer des Tages: Johann Wadephul

Foto: jW Montage: IMAGO/Political-Moments/Dreamstime

Der deutsche Außenminister hat der Republik Mexiko einen Besuch abgestattet. Dreierlei fiel dabei auf: Erstens hat Johann Wadephul von dem Land, das er jüngst bereiste, erkennbar keine Ahnung, dafür aber zweitens Reste einer kolonialen Denkweise im Kopf und drittens ohnehin bloß das Interesse eines Handelsreisenden im Auftrag der deutschen Rüstungsindustrie.

All das bezeugt ein frisch veröffentlichtes Video auf dem offiziellen Instagram-Account »Aussenminister«. Zu sehen ist der CDU-Politiker, wie er – Mariachi-Musik im Hintergrund – Maischips zu unterschiedlich scharfen Salsas futtert und dabei zu Mexiko befragt wird. Was ihn denn am meisten am Land interessiere. Antwort: die aztekische Kultur und die Sombreros. Fehlte eigentlich nur noch der Poncho und ein Esel, um das stereotype und herabwürdigende Bild zu vervollständigen, das die USA über Jahrzehnte weltweit über Mexikaner verbreitet haben. Mexiko gerät dem zivilisierten Europäer Wadephul zum Objekt der exotischen Faszination.

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Nächste Frage: Was hat ihn auf seiner Reise am stärksten beeindruckt? Antwort: junge Mexikanerinnen und Mexikaner, die Deutsch lernen, verbunden mit der Hoffnung, dass einige von denen als Fachkräfte nach Deutschland kommen. Die wären also genehm, während etliche Tausend Nichtstaatsbürger verfolgt und stigmatisiert werden. Willkommen sind alle, deren Arbeitskraft benötigt wird, die ansonsten aber den Mund zu halten haben. Arbeitskräfte ja, politische Subjekte nein.

Bleibt die Frage nach dem Kriegsgerät. Der mexikanischen Zeitung El Financiero sagte der deutsche Außenminister: »Deutschland verfügt über eine sehr gut aufgestellte Rüstungsindustrie, und es gibt Möglichkeiten, enger mit Mexiko zusammenzuarbeiten. Das bieten wir an. Wir müssen uns diversifizieren, wir brauchen mehr Käufer und mehr Beschaffungsquellen.« Die Performance eines deutschen Waffenschiebers. Wer sagt denn, dass Klischees fehlerhaft sein müssen?

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.06.2026, Seite 3, Ansichten

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