Die Wahrheit im Konflikt
Von Ignacio RosaslandaDer französische Regisseur Christophe Cotteret stellt im Interview seinen Dokumentarfilm »Disunited Nations« vor, der die Arbeit der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese begleitet. Der Film dokumentiert ihren Einsatz innerhalb der Vereinten Nationen, um Berichte über israelische Kriegsverbrechen in den besetzten palästinensischen Gebieten vorzulegen, und beleuchtet die politischen Dynamiken sowie institutionellen Grenzen der UNO bei der Durchsetzung des Völkerrechts. Cotteret betont, dass der Film die strukturelle Handlungsunfähigkeit der Vereinten Nationen in geopolitischen Konflikten sichtbar macht. Trotz umfangreicher Belege und Berichte seien politische Maßnahmen häufig durch die Interessen einzelner Staaten, insbesondere im Sicherheitsrat, blockiert. Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews ist die unterschiedliche Rezeption des Films in verschiedenen Ländern. Während Vorführungen in Ländern wie Tunesien, Belgien, Italien und der Schweiz überwiegend auf Zustimmung stießen, beschreibt Cotteret die Situation in Deutschland als besonders kontrovers. Die Berliner Premiere war von Demonstrationen sowohl von Unterstützern der israelischen Regierung als auch von Befürwortern palästinensischer Rechte begleitet. Darüber hinaus spricht der Regisseur über seine Arbeitsweise als Dokumentarfilmer. Objektivität bedeute für ihn, sich an überprüfbaren Fakten zu orientieren, nicht daran, »beide Seiten« gleichwertig darzustellen. Er ordnet den Konflikt in einen breiteren historischen Kontext politischer Gewalt und kolonialer Kontinuitäten ein. Der Film thematisiert zudem die Bedeutung von Sprache und Medien bei der Wahrnehmung von Gewalt sowie die Rolle von Desinformation und politischer Einflussnahme im internationalen Diskurs. Der Dokumentarfilm »Disunited Nations« ist in dieser Woche im Babylon in Berlin zu sehen.
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