»Kufiyas in Buchenwald«
Von Ignacio RosaslandaDie Kampagne »Kufiyas in Buchenwald«, getragen von Jüdinnen und Juden, Kommunistinnen und Kommunisten sowie propalästinensischen Organisationen, stellt die offizielle deutsche Erinnerungspolitik in Frage. Ausgangspunkt ist ein Vorfall im Jahr 2025, als der Aktivistin Anna am 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald der Zutritt verweigert wurde, weil sie eine Kufija trug. Während die Kampagne darin politische Zensur sieht, verweist die Gedenkstätte auf den Schutz der Würde des Ortes und auf ihre Regeln zu politischen Symbolen. Auch eine für den 12. April 2026 geplante Mahnwache wurde untersagt. Dennoch versammelte sich an diesem Tag eine Gruppe jüdischer Aktivistinnen und Aktivisten – darunter Nachfahren von Überlebenden – spontan auf dem Gelände und verlas eine Erklärung, die fordert, Erinnerung müsse auch die Situation in Gaza sowie die Verantwortung Deutschlands thematisieren. Im Interview sprechen Anna und Tair, beide Teil der Kampagne, über die politische Dimension des Konflikts. Für sie stellt die offizielle Linie der Gedenkstätte eine Entpolitisierung der Geschichte dar. Sie verweisen auf den »Schwur von Buchenwald«, der den Kampf gegen die Wurzeln von Faschismus, Krieg und Unterdrückung formuliert, und sehen darin eine Verpflichtung, historische Erfahrungen mit gegenwärtigen Kämpfen zu verbinden. Erinnerung dürfe nicht auf ritualisierte Vergangenheitspolitik reduziert werden, sondern müsse gesellschaftliche Kontinuitäten sichtbar machen. Im Zentrum der Kritik steht die deutsche »Staatsräson«, die aus der Erinnerung an den Holocaust eine bedingungslose Unterstützung Israels ableitet. Nach Auffassung der Kampagne dient dies dazu, Dissens zu delegitimieren und Proteste gegen Krieg und Kolonialismus zu kriminalisieren. Bei der Mahnwache trugen Teilnehmende T-Shirts mit Aufschriften wie »Jews Against Genocide« und »From Buchenwald to Gaza – Resistance until Liberation«, um auf Kontinuitäten imperialistischer Gewalt und deutsche Mitverantwortung hinzuweisen. »Kufiyas in Buchenwald« verbindet das Erbe des antifaschistischen Widerstands mit aktuellen Kämpfen gegen Krieg, Rassismus und Ausbeutung – und stellt die Frage nach den politischen Konsequenzen aus der Geschichte.
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