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Fußball

Aller schlechten Dinge sind drei

Lokomotive Leipzig scheitert erneut in den Aufstiegsspielen zur dritten Liga

Foto: Matthias Koch/IMAGO
Da brennt die Luft: Die Lok-Fans haben schlechte Laune (Würzburg, 1.6.2026)

SC Verl, TSV Havelse, Würzburger Kickers – die Vereinsnamen zeugen von tiefster westdeutscher Provinzialität. Der 1. FC Lokomotive Leipzig hingegen war erster Deutscher Meister und Europapokalfinalist 1987, bezwang namhafte Klubs wie u. a. AC Turin, Wolverhampton Wanderers, Ipswich Town und Girondins Bordeaux. Zum dritten Mal nach 2020 und 2025 wurde Lok in der abgelaufenen Saison Meister der Regionalliga Nordost – und scheiterte in den Aufstiegsspielen zur dritten Liga an den genannten westdeutschen Teams. Dass die Leipziger nicht direkt aufstiegen, ist dem abstrusen Regionalligasystem des Deutschen Fußballbundes (DFB) geschuldet, das ostdeutsche (Traditions-)Klubs strukturell benachteiligt. Verl und Würzburg hatten sich für die Aufstiegsspiele nicht sportlich qualifizieren können, sie profitierten vom Desinteresse der Meister SV Rödinghausen und 1. FC Nürnberg U23. Verl und Havelse verfügten zudem nicht über regionalligataugliche Stadien und mussten in Liga drei nach Bielefeld und Hannover ausweichen. Dass die Regionalliga Bayern den gleichen Status hat wie die gesamten sechs ostdeutschen Bundesländer, ist ein Witz, über den im Osten niemand lachen kann. Lediglich drei von 18 bayerischen Teams hatten ihre Ambitionen erklärt, in die dritte Liga aufzusteigen – so realitätsblind ist der Präsident des Bayerischen Fußballverbands Christoph Kern, der die anstehende Regionalligareform immer wieder zu stören versucht.

Die leidgeprüften Lok-Anhänger müssen mehrere schmerzliche Déjà-vu-Erlebnisse verarbeiten.

Erstens: Wie 2020 und 2025 musste Lok das Hinspiel zu Hause austragen und zum Rückspiel auswärts antreten. Gibt es bewegte Bilder einer »Auslosung«?

Zweitens: Während Würzburg beide Male in Bestbesetzung auflief und sich als Nichtmeister lange vorbereiten konnte, musste Lok wie im vergangenen Jahr aufgrund des Substanzverlustes durch den erst am letzten Spieltag entschiedenen Meisterschaftskampf auf mehrere lädierte Schlüsselspieler verzichten – die Ausfälle der Torjäger Stefan Maderer und Jonas Arcalean sowie des routinierten Verteidigers Laurin von Piechowski waren nicht zu kompensieren.

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Drittens: Während zum Hinspiel das Gästekontingent nicht ausgeschöpft wurde und nur der Leipziger Heimbereich ausverkauft war, besuchten wie in Havelse weit mehr Lok-Fans das Rückspiel, als Karten zur Verfügung standen. So viele Gästeanhänger hatte das Würzburger Stadion während der 17 Saisonheimspiele insgesamt (!) nicht gesehen.

Viertens: Erneut wurden Schiedsrichter aus den »alten« Bundesländern angesetzt, die Lok erheblich benachteiligten. 2020 traf Djamal Ziane die Lattenunterkante, von wo das Leder zum 2:1 mit vollem Umfang hinter die Linie prallte, doch das Tor fand keine Anerkennung. 2026 wurde ein klarer Treffer von Filip Kusic zum 2:2 in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum »Wembley-Tor«.

Fünftens: Wie im letzten Regionalliga-Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg U23 ließ Lok postwendend nach dem hart erkämpften 1:1, mit dem das Momentum kurz auf seiten der Leipziger war, das bittere 1:2 zu. Weiß die Mannschaft nicht, dass die Anfälligkeit für einen Gegentreffer unmittelbar nach einem eigenen Tor am größten ist?

Sechstens: Der nach dem erneut verpassten Aufstieg desillusioniert wirkende Coach Jochen Seitz erklärte einen Tag nach dem Match seinen Rücktritt. Offenbar glaubt er nicht mehr daran, das Team zu einem dritten Titel in Folge führen zu können. Wie die Demission von Wolfgang Wolf 2020 bedeutet der Abgang des Erfolgstrainers eine tiefe Zäsur für die Probstheidaer.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.06.2026, Seite 16, Sport

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