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25.06.2026, 15:41:22
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German Gras in Berlin und anderswo
Die Rasentennissaison vor Wimbledon
»Pojd!« Linda Nosková ruft es leise und gar nicht mal sooo oft am späten Sonntag nachmittag im mit guten fünf Stunden Verspätung begonnenen Einzelfinale der Berlin Open gegen die Weltranglistendritte Jessica Pegula. Ein Gewittersturm am Vormittag hat für die Überschwemmung des Turniergeländes an der Hundekehle gesorgt und mittelbar auch die elektrischen Anlagen in Mitleidenschaft gezogen. Das Gelände musste zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen geräumt werden. Die Presse wurde bei Kaffee und Kuchen (oder Wasser und Brot) ins Pressezentrum gesperrt, das Publikum ohne Proviant in den Grunewald verschickt. Am Nachmittag ist ein Großteil der Zuschauer aber wieder da. Das Turnier war die letzten vier Tage in Folge trotz mitunter extremer Wetterlage ausverkauft, auch die frühen Runden waren sehr gut besucht, die Zehlendorfer lieben das Klubgelände des LTTC Rot Weiß noch immer. Nicht zuletzt da das Turnier für ein WTA 500 stets außergewöhnlich gut besetzt ist. Nach den Absagen von French Open Siegerin Mirra Andrejewa und der letztjährigen Wimbledon-Finalistin Amanda Anisimova waren noch sechs der Top Ten der WTA-Weltranglistenwoche am Start, darunter drei der ersten vier. Lediglich das traditionsreiche WTA 500 auf Sand in der Halle in Stuttgart bietet in Deutschland Vergleichbares. Die ATP richtet mittlerweile in der Vorwoche zu den Berlin Open in Stuttgart ein 250er auf Gras aus. Ben Shelton gewann das Finale am 14. Juni gegen den Titelverteidiger Taylor Fritz in drei Sätzen. Parallel dazu fand im Londoner Queen’s Club ein WTA 500 statt. Während Donna Vekić dort das Finale gegen Emma Raducanu 6:0, 7:6 gewann, fiel in Berlin gerade die zweite Runde des Qualifying ins Wasser und musste am folgenden Montag hastig nachgeholt werden.
Ein Höhepunkt
Vekić war in Berlin 2023 Finalistin, in diesem Jahr reiste sie als frischgebackene Turniersiegerin von London nach Berlin (wo sie aufgrund ihres Londoner Erfolgs von der für sie normalerweise notwendigen Teilnahme am Qualifikationsturnier befreit war – die sogenannte Special Exempt Rule. Sie verlor dann (soll man sagen: erwartungsgemäß) gegen das mit einer Wildcard ausgestattet philippinische Supertalent Alexandra Eala gleich in der ersten Runde. Eala kam dann bis ins Halbfinale, wo sie gegen Linda Nosková verlor.
Die Rasensaison ist kurz und sehr gedrängt, die Berlin Open gehören zu ihren Höhepunkten. Direkt nach den French Open wird auf der WTA Tour das Challenger in Birmingham gespielt (vor einigen Jahren war Birmingham noch das wichtigste 500er zwei Wochen vor Wimbledon; Ashleigh Barty gewann 2019 seine letzte Ausgabe, weitere Wimbledonsiegerinnen wie Petra Kvitová und Angelique Kerber sind ebenfalls unter seinen Gewinnerinnen; Berlin nimmt seit 2021 seinen Platz im Tourkalender ein). Dann folgen das 500er in London und das sehr traditionsreiche 250er im niederländischen ’s-Hertogenbosch, das 250er in Nottingham, dann in der Vorwoche von Wimbledon das zum 500er beförderte Turnier in Bad Homburg und das zum 250er degradierte in Eastbourne (vor wenigen Jahren noch der prestigeträchtigste WTA-Rasentitel überhaupt).
Schneller und schöner
Die Dichte der kurzen Rasensaison bedingt, das selbst die am Wochenende vor dem eigentlichen Turnierbeginn angesetzten Qualifikationsrunden sehr gut besetzt sind. Ich erinnere mich noch gut an eine zweite Runde des Qualifying in Berlin im Juni 2023 zwischen zwei ehemaligen Wimbledon-Finalistinnen, die in drei hart umkämpften Sätzen um den Einzug ins Hauptfeld spielten. Die Wimbledon-Finalistin von 2010 Wera Swornajowa schlug die von 2014 Eugenie Bouchard. Jenes Match fand seinerzeit auf dem Court 1 statt, direkt gegenüber vom Eingang zur Haupttribüne des Steffi-Graf-Stadions. Auf diesem Court sitzt man, wenn man will, keine drei Meter von den Spielerinnen entfernt. Und wer jemals Rasentennis auf Wimbledon-Finalniveau in Nahdistanz miterlebt hat, will danach kaum einen anderen Sport mehr sehen. Für die Spielerinnen und ihren Anhang ist es vielleicht saisonbedingte Routine, für alle anderen atemberaubend. Das Qualifying hat zudem den Vorteil, dass in der Regel der Eintritt frei ist. Atemberaubendes Spektakel mit der Gemütlichkeit eines sonntäglichen Grunewaldpicknicks. Was will man mehr?
Vorausgesetzt es regnet nicht. Selbst der feinste Nieselregen macht auf einem Rasenplatz das Spielen unmöglich (die Verletzungsgefahr wäre zu groß). Das ist vom Standpunkt der Veranstalter der wichtigste Unterschied zu einem Sandplatzturnier, das die Berlin Open zwischen 1979 und 2009 ja waren (und eines von Weltrang dazu). Auf Sand kann bei leichtem Regen noch gespielt werden, auf Rasen nicht. Dafür aber ist Rasentennis schneller, schöner, viel schöner.
Komm schon!
»Pojd!« Linda Nosková hat die erste schwierige Situation überstanden. Sie führt nach einem frühen Break mit 2:0. Aber in ihrem Aufschlagspiel direkt danach muss sie einen ersten Breakball zum Rebreak für Pegula abwehren. Sie spielt einen etwas langsameren Aufschlag mit extremen Slice. Sie hat Erfolg damit. Pegula ist zu überrascht für einen effektiven Return – und ihr Return, insbesondere auf der Rückhandseite beim zweiten Aufschlag, ist sehr gefährlich, das gesamte Finale hindurch. Am Ende des Matches wird Noskova satte 81 Prozent ihrer Punkte bei ersten Aufschlag gewonnen haben (das wird auch ihr eindrucksvoller Turnierdurchschnitt sein), aber lediglich 44 Prozent mit dem zweiten. Nach Abwehr noch eines weiteren Breakballs hält Nosková ihren Aufschlag doch noch und führt mit 3:0: »Pojd!«
Die Exklamation »Pojd« ist das tschechische Äquivalent von »Komm schon« oder dem berüchtigten schwyzerdütsche »Chum jette« des Roger Federer früher. »Pojd« kann ein Kampfschrei sein oder Ausdruck großer Zufriedenheit über die eigene Leistung, Einschüchterung oder Selbstvergewisserung, je nach Lautstärke und Betonung. »Pojd!«, das ist auch eine Chiffre für das tschechische Damentenniswunder, dessen neueste Verkörperung der Erfolg von Linda Nosková ist. Vertraut wurde die Tenniswelt spätestens seit dem Wimbledonsieg 2011 von Petra Kvitová.
Damals war Kvitová ungefähr so alt wie Nosková jetzt (21). Nicht wenige dachten, sie würde die Damentenniswelt revolutionieren, zumindest für Jahre beherrschen. Mit einer geradezu brutalen Offensivgewalt, gepaart aber mit Touch und erhebliche Variabilität und vorbildlicher »sportsmanship«. Doch es sollte anders kommen. Nicht zuletzt die Rückkehr einer absolut dominanten Serena Williams (ab Sommer 2012 für Jahre). Kvitová und Williams spielten zweimal gegeneinander in Wimbledon, im Halbfinale 2010 und im Viertelfinale 2012. Williams gewann beide Matches und jeweils auch das Turnier. Die Berlin Open spielte Kvitová ein einziges Mal 2023. Sie gewann das Turnier ohne Satzverlust. Es war ihr 31. und letzter WTA-Titel. Auch das war damals so kaum absehbar. Sie spielte in der Woche darauf nicht in Eastbourne, um dort ihren Titel zu verteidigen und verlor im Achtelfinale von Wimbledon mit einer ziemlich kläglichen Vorstellung gegen die spätere Finalistin Ons Jabeur (Siegerin in Berlin 2022). Auf dem Weg zu ihrem 30. Titel, im März 2023 in Miami, hatte Kvitova in der zweiten Runde keine andere als die noch sehr junge Linda Nosková besiegt, die ein halbes Jahr später, im August 2023, in der zweiten Runde von Cincinatti selbst gewann. »Pjod!«
Panic Room
Siegerin in Wimbledon 2023 war eine andere tschechische Linkshänderin: Markéta Vondroušová, die im vorigen Jahr auch in Berlin den Titel gewann. Am Montag aber kam die Nachricht, dass eine vierjährige Dopingstrafe gegen Vondroušová verhängt wurde, die nunmehr bis zum 30. Juni 2030 gesperrt ist. Sie hatte im Dezember letzten Jahres in ihrer Prager Wohnung einen unangemeldeten Dopingtest verweigert. Ein verweigerter Test gilt nach dem Regularium als positiver Test, daher die Höhe der Strafe. Sie gab als Grund an, sie leide an Depressionen und Angststörungen und wollte keine fremden Person, die sich nicht habe ausweisen können, in ihre Wohnung lassen. Gegen das Urteil kann vor dem Internationalen Sportgerichtshof Berufung eingelegt werden. Vielleicht hätte sie es besser machen sollen wie Serena Williams, die im November 2011 in ihrer Wohnung in Los Angeles vor einem unangemeldeten Dopingtest in ihren »Panic Room« geflüchtet war und die Polizei rief. Vielleicht aber haben in Prag die Wohnungen keinen Panic Room.
Serena Williams spielte ebenfalls in Berlin im Doppel an der Seite einer, wie sollte es anders sein, tschechischen Weltklassespielerin: Karolína Muchová, aktuell die Nummer elf der Einzelweltrangliste, in der Turnierwoche noch die Nummer zehn. Unter den aktiven tschechischen Spielerinnen ist Muchová vielleicht die größte Stilistin. Mich erinnert sie immer an eine moderne Version von Hana Mandlíková (»a great stylist«, BBC). Williams hatte bereits in der Vorwoche in London Doppel gespielt. Sie gewann dort die erste Runde an der Seite von Victoria Mboko gegen die Paarung Erin Routliffe und Nicole Melichar-Martinez 7:6, 6:2 und zog in der zweiten Runde zurück. In Berlin spielte sie erneut gegen Routliffe (eine ehemalige Weltranglistenerste im Doppel), die allerdings mit Giuliana Olmos eine andere Partnerin an der Seite hatte. Melichar-Martinez wiederum erreichte an der Seite keiner geringeren als Sara Errani in der Berliner Doppelkonkurrenz das Finale.
Für echte Fans
Das Doppel ist sowohl bei der ATP als auch der WTA zu einer beinahe exotischen Spezialistensache geworden. Anders als bei den Majors wird bei einem WTA 500 im Doppel ohne Vorteilsregel gespielt, bei Einstand entscheidet der nächste Punkt, das heißt, in einem Aufschlagspiel werden maximal neun Punkte gespielt, was die Matches erheblich beschleunigt, den Zufalls- bzw. Glücksfaktor für den Ausgang aber entsprechend erhöht.
Für gewöhnlich findet eine erste Runde im Doppel an einem frühen Diensag abend bei einem WTA-500-Turnier praktisch vor leeren Rängen statt. Ich erinnere mich noch an das Doppelfinale in Berlin im letzten Jahr, das direkt im Anschluss an das Einzelfinale noch ein paar hundert Leute sehen wollten, obwohl mit Sara Errani und Jasmine Paolini die damals aktuellen French-Open-Siegerinnen beteiligt waren (sie verloren das Match).
Wie gesagt, Doppel ist speziell, für die wahren Fans des Sports. Der Williams-Faktor veränderte diese Ausgangslage natürlich völlig. Nicht nur dass ihr plötzliche Comeback an sich schon eine Sensation war, für viele dürfte es die letzte Chance gewesen sein, die mittlerweile 44jährige live in einem Profimatch zu sehen. Das letzte Mal in Berlin hatte Williams im Viertelfinale 2008 gegen Dinara Safina gespielt, damals war das Berliner Turnier noch ein 1000er auf Sand. Safina gewann 7:6 im dritten Satz und später auch das Turnier.
Das Doppel in Berlin hatte für Williams ziemlich eindeutig einen vornehmlich experimentellen Charakter. Man sah es schon daran, dass sie zusammen mit Muchová plötzlich auf der linken Seite, auf der Vorteilsseite spielte; etwas, das sie im Laufe ihrer Doppelkarriere (meist an der Seite ihrer Schwester Venus) praktisch nie getan hat. Überhaupt hatte sie in ihrer Karriere nur sehr selten vor Wimbledon ein Vorbereitungsturnier auf Rasen gespielt. In dem Versuchsanlagenmatch genügte Routliffe/Olmos pro Satz jeweils ein Break zum 6:4, 6:4, das kurze Gastspiel von Williams war beendet. Sie konnte ein paar unsichere Volleys sowie Returns auf der Vorteilsseite unter Matchbedingungen trainieren, der erste Aufschlag ist weiterhin eindrucksvoll, der zweite inzwischen weniger.
Bereits vor Turnierbeginn in Berlin war klar, dass Serena Williams zusammen mit Venus in Wimbledon in der Doppelkonkurrenz antreten würde. Am Finalsonntag in Berlin gab in Wimbledon der Veranstalter plötzlich bekannt, dass er seine letzte Wildcard für die Einzelkonkurrenz für Serena Williams zurückgehalten hatte. Eine Sensationsnachricht: Die 44jährige wird nächse Woche in Wimbledon sowohl im Doppel als auch im Einzel antreten. Der Testauftritt in Berlin erhielt damit ein ganz anderes Gewicht.
Für Karolína Muchová endete das Turnier im Einzel in der zweiten Runde 4:6, 6:7 gegen Madison Keys, die in dem Match so gut aufschlug, dass man damit rechnen konnte, dass sie mindestens ins Finale kommt (Keys ist wie Muchová eine ausgezeichnete Rasenspielerin). Doch sie verlor im Viertelfinale gegen die spätere Finalistin Pegula denkbar knapp 6:7, 6:7. Ein Aufschlagfestival an einem so heißen wie spektakulären Viertelfinalfreitag. Das größte Spektakel aber lieferte eine weitere junge Tschechin. Nikola Bartůňková verlangte der Weltranglistenersten Aryna Sabalenka alles ab. Die Favoritin setzte sich schließlich 2:6, 7:6, 6:4 durch. Die 20jährige Bartůňková führte im zweiten Satz bereits 4:0 und spielte wie eine zukünftige Wimbledon-Siegerin. Irgendwie brachte sie es fertig, dieses Match noch zu verlieren, aber das Talent ist auf ihrer Seite. Einziger Makel: Auch sie hat bereits eine Dopingsperre auf dem Konto. 2024 wurde sie postiv auf das einschlägige Herzmedikament Trimetazidin getestet, die Sperre aber wegen mildernder Umstände (»Lebensmittelverunreinigung«) auf sechs Monate reduziert.
Sabalenka verlor ihr Halbfinale am schon von Gewittern heimgesuchten Samstag gegen Pegula 4:6, 7:6, 0:6. Bereits im vergangenen Jahr war für sie im Halbfinale Schluss. Sie ist in ihrer Karriere weiterhin ohne Rasentitel.
Großes Finale
Jessica Pegula hatte den Titel in Berlin in einem hochklassigen Finale 2024 gewonnen, ihr Weg ins Endspiel war sicherlich schwerer als der von Nosková, die zwar ohne Freilos in der ersten Runde ein Match mehr absolvieren musste, aber auf keine großen Namen traf und ohne Satzverlust ins Finale einzog. Für Pegula mussten sich bereits die Matches gegen Keys und Sabalenka wie Endspiele angefühlt haben. Nach dem frühen Break im ersten für Nosková kommt sie sogar noch einmal zurück, verliert aber dank einiger Sensationsreturns der Tschechin ihr letztes Aufschlagspiel und damit den Satz. »Pojd!«
Die Bedingungen sind schwierig an diesem Sonntag nachmittag. Der Platz ist schnell und rutschig. Beide spielen erwartungsgemäß sehr flach und kompakt, nehmen die Bälle sehr früh (essentiell bei sehr flachem Ballabsprung auf Gras). Nosková ist dahingehend ein typisches Produkt der so schnörkellosen wie eleganten tschechischen Tennisschule, Pegula hat schon hinreichend unter Beweis gestellt, dass sie die schnellen Platzbedingungen in Berlin sehr mag. Nach dem Finale wird sie, leicht zweideutig, sagen, »I wasn’t kidding when I said I love the german gras.«
Unter den genannten Bedingungen ist es ein erwartungsgemäß vom Service dominiertes Match zwischen zwei der besten Aufschlägerinnen des gesamten Turniers. Pegula schlägt an diesem Tag sogar mehr Asse (14) als Nosková (11), die auch in dieser Hinsicht die Turnierspitzenreiterin ist (40 Asse in fünf Matches). Es ist eine sehr knappe Angelegenheit, Nosková spielt vielleicht eine Spur aggressiver, netzorientierter. Die Sätze zwei und drei entscheidet jeweils ein einziges Break, den zweiten für Pegula (die insgesamt zwei von sieben Breakchancen verwertet), den dritten wieder für Nosková (drei von acht), die das Finale schließlich mehr mit klugen Entscheidungen als reiner Härte zum 6:4, 4:6, 6:3 ausserviert. Berlin ist ihr zweiter WTA-Titel, seit dieser Woche wird auf Platz zehn der Weltrangliste geführt. Es ist der dritte tschechische Sieg in Berlin innerhalb von vier Jahren. Vorher hatte am selben Finaltag schon Marie Bouzková gegen Emma Navarro das WTA 250 in Nottingham gewonnen. Man könnte auch sagen: Tschechien gegen die Milliardärstöchter (sowohl Pegula als auch Navarro stammen aus so sportlichen wie schwerreichen Familien) 2:0. »Pojd!«
Der Nachschlag
Für Linda Nosková war mit dem Finalsieg im Einzel die ganze Arbeit noch nicht getan. Sie stand zusammen mit Jekaterina Alexandrowa noch im Halbfinale der Doppelkonkurrenz, eine Hängepartie, die auch am Sonntag abend nach dem Einzelfinale wegen der Feuchtigkeit des Platzes nicht mehr durchgeführt werden konnte. Sie wurde am Montag vormittag wie auch das Doppelfinale nachgeholt. Da schon vor für Doppelmatches normal leerer Kulisse. Ein paar Dutzend Fans hatten sich bei freiem Eintritt dennoch im Steffi-Graf-Stadion eingefunden (so auch ich), während drumherum bereits die Turnierkulisse abgeräumt wurde.
Viele Spielerinnen hätten an Noskovás Stelle den verlängerten Aufenthalt mit attestierter Erschöpfung abgesagt. Sie nicht. Zusammen mit Alexandrowa (ebenfalls eine exzellente Rasenspielerin, Halbfinalistin 2023 im Einzel gegen Kvitová) beendete sie recht zügig das ewig verschobene Halbfinale gegen die Paarung Ulrikke Eikeri/Quinn Gleason, um 15 Minuten später noch das Finale nachzulegen. Darin trafen sie auf eine recht interessante Paarung. Zum einen die aufschlagstarke Nicole Melichar-Martinez, zum anderen die unverwüstliche Sara Errani, die wohl beste noch aktive Doppelspielerin der Welt (Career Golden Slam) mit ihrer unendlichen Erfahrung, immer noch phantastischen Reflexen am Netz und einer sehr hohen Spielintelligenz. Leider hat auch Errani eine Dopingsperre aufzuweisen – die sogenannte Tortelliniaffäre; dubiose Medikamente sollen seinerzeit versehentlich in die Nudelsoße gefallen sein. Errani hat auch als Doppelspielerin nur eine, allerdings gewaltige Schwäche: ihren Aufschlag. Ihre Gegnerinnen nutzen diese Schwäche mit krachenden Returns erbarmungslos aus. Gegen die geballte Aufschlagmacht von Nosková und Alexandrowna war kein Kraut gewachsen. Es war Alexandrowa, die schließlich das Finale zum 6:2, 6:4 zu null ausservierte.
Alexandrowa lebt, obwohl noch immer russische Staatsbürgerin, seit 2006 in Tschechien. Während der kurzen Siegerehrung am Montag mittag hatten in Bad Homburg und Eastbourne schon die nächsten Turniere begonnen. Ebenso das Qualifying in Wimbledon, das bis Donnerstag läuft und übrigens nicht auf der Anlage an der Church Road ausgespielt wird, sondern bis Donnerstag noch weiter draußen, auf freiem Feld beim Community Sports Centre Roehampton. Es ist das wohl härteste Ausscheidungsturnier der Welt. Der Eintritt dafür ist auch nicht mehr frei, sondern kostet 20 Pfund. Die Welt bleibt ungerecht. Ihre erste Runde in Bad Homburg diese Woche verlor Linda Nosková übrigens gegen die gefährliche rumänische Spielerin Elena-Gabriela Ruse glatt in zwei Sätzen, vergleichbar mit dem Kurzauftritt von Donna Vekić letzte Woche in Berlin. Man kann nicht jede Woche gewinnen. Das ist der Lauf der Dinge auf der WTA Tour. »Pojd!«
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