Meister sollten aufsteigen
Von René Lau
Der vergangene Dienstag hätte ein historischer Tag in der Geschichte des DFB werden können. Die »AG Regionalliga-Reform« tagte in vierter Sitzung. Und wieder einmal haben es machtbesessene Funktionäre geschafft, die eigenen Interessen vor die des Fußballs zu stellen. Seit langem ringen viele Vereine mit dem DFB um eine gerechtere Aufstiegsregelung von der viertklassigen Regionalliga in die dritte Liga. Denn derzeit steigen nur vier der Meister der insgesamt fünf Regionalligen auf. Dabei haben der Westen und der Südwesten stets einen direkten Aufsteiger, während sich die drei Meister aus dem Osten, Norden und Bayern jedes Jahr in Relegationsspielen um die zwei weiteren Plätze streiten. Gerecht ist das nicht und geht insbesondere zu Lasten der Traditionsvereine aus dem Nordosten. Man hätte das Problem seitens des DFB leicht lösen können, indem man nicht mehr vier, sondern fünf Absteiger aus der dritten Liga festlegt. Da das nicht erfolgte, fand sich eine Reformbewegung (die Initiative »Aufstiegsreform 2025«) zusammen, der inzwischen 59 Vereine aus dem ganzen Land von der fünften bis zur ersten Liga angehören. Seit Monaten tagte andererseits die eigens gebildete Arbeitsgruppe mit Vertretern der Vereine und Verbände, um schnellstmöglich eine gerechte Lösung zu schaffen. Die schien mit dem »Kompass-Modell« gefunden: Es sollten allein nach regionalen Gesichtspunkten vier neue Staffeln gebildet werden, deren Zusammensetzung kurze Reisewege und das Gebot der Sparsamkeit berücksichtigt, wobei traditionelle Derbys erhalten bleiben sollten. Eine Lösung, mit der jeder gut hätte leben können. Wirklich jeder? Nein, nicht jeder.
Da nämlich bei dieser Neuordnung die Regionalverbände die Hoheit über die eigene Regionalliga verloren hätten, legten die Funktionäre aus dem Westen und Südwesten ihr Veto ein und wollten es lieber bei der bisherigen Regelung belassen. Also genau jene Funktionäre, die mit ihren Verbänden seit Jahren ohnehin die Profiteure der alten Regelung sind. Sie stellen den eigenen Machterhalt über sportlich faire Lösungen. Gerade am Dienstag wurde wieder einmal deutlich, dass es beim DFB nicht um den sportlich fairen Wettbewerb geht, wie immer propagiert wird. Allein durch ein Machtwort des DFB-Präsidenten kann die verfahrene Situation noch bis zur letzten Sitzung der Arbeitsgruppe am 25. März aufgelöst werden. Aber es ist zu befürchten, dass der führungsschwache Präsident Bernd Neuendorf sich dazu nicht durchringen wird.
Meister müssen aufsteigen. Nur das zählt und nichts anderes.
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