-
03.06.2026
- → Sport
Dänen lügen nicht
Wie erwartet, hat Radrennprofi Jonas Vingegaard den 109. Giro d’Italia gewonnen. Ein Resümee
Am Sonntag abend feierte Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike) zum Abschluss des 109. Giro d’Italia jenen Gesamtsieg, der seit Januar, als der 29jährige Däne sein Debüt bei der zweitwichtigsten Grand Tour ankündigte, allseits erwartet worden war. Nachdem die 21. Etappe im Umland von Rom traditionsgemäß als feierliche Bummelfahrt begonnen hatte, hielten die Klassementfahrer sich ebenso traditionsgemäß aus dem chaotischen Schlussprint heraus. In dem holte sich Jonathan Milan (Lidl – Trek) endlich einen Etappenerfolg, nachdem der Sieg in der Punktwertung, der dem 25jährigen bei seinen beiden vorherigen Teilnahmen an der heimischen Landesrundfahrt gelungen war, früh außer Reichweite gerückt war. Die Maglia Ciclamino des Punktbesten hatte am Mittwoch noch einmal vorübergehend Jhonatan Narváez (UAE Team Emirates – XRG) übernommen, als er aus einer Fluchtgruppe den Zwischensprint für sich entschied. Die hügelige Etappe gewann indes der 34jährige Däne Michael Valgren (EF Education – Easypost), indem er die neben ihm verbliebenen Ausreißer just im richtigen Moment angriff, um den letzten Kilometer solo ins Ziel fahren zu können. Tags darauf sicherte sich dann Paul Magnier (Soudal Quick-Step), der dominante Sprinter bei diesem Rennen, einen uneinholbaren Vorsprung in der Punktwertung, als er in Pieve di Soligo zum dritten Tageserfolg raste – was um so mehr beeindruckte, da der 22jährige Franzose mit fiesen kurzen Anstiegen wie dem Muro di Ca’ del Poggio, der auf jener Etappe zehn Kilometer vorm Ziel zu überwinden war, schlechter zurechtkommt als Milan.
Der Rest der Woche war freilich vom Team Visma – Lease a Bike bestimmt worden, das gleich am Dienstag fünf Ausreißer so souverän im Zaum hielt, dass sie am Fuß des Schlussanstiegs nach Carì alle eingeholt waren. Knapp sieben Kilometer vorm Ziel ritt der Kapitän der Mannschaft seine Attacke, die Felix Gall (Decathlon CMA CGM Team) wie in ähnlichen Situationen zuvor nur wenige Meter mitgehen mochte. Aus der Verfolgergruppe konnte der 28jährige Österreicher sich aber den obligatorisch erscheinenden zweiten Etappenplatz sichern, wobei er den zwei Jahre älteren Australier Jai Hindley (Red Bull – Bora – Hansgrohe) auf Rang drei verwies. Diese Reihenfolge nahm das Podium der abschließenden Gesamtwertung vorweg. Und sie entsprach auch dem Zieleinlauf bei der Bergetappe am Sonnabend, als Vingegaard das skizzierte Muster nur insofern variierte, als er am Schlussanstieg schon gut zehn Kilometer vorm Ziel angriff – und entsprechend länger als Solist zum insgesamt fünften Etappensieg unterwegs war.
In der Gesamtwertung hatte Vingegaard schließlich fünfeinhalb beziehungsweise sechseinhalb Minuten Vorsprung auf Gall und Hindley, was den Eindruck spiegelt, dass er um den Gesamtsieg nie bangen musste und mit Kräften haushalten konnte. Sofern er auf den letzten Metern seiner siegreichen Solofahrten mitunter angestrengt wirkte, mochte das schlicht dem Umstand entsprechen, dass sein Formhöhepunkt erst zur Tour de France im Juli erreicht werden soll. Und falls man seinen Andeutungen glaubt, zwischendurch von einer Unpässlichkeit geplagt worden zu sein, die einem Großteil des Pelotons Magengrimmen bereitete, würde das wiederum als Erklärung für seine vergleichsweise schlechte Leistung im einzigen Zeitfahren dieses Giros ausreichen. Nachdem er im letzten Herbst die Vuelta a España gewonnen hatte und 2023 sowie 2022 die Frankreich-Rundfahrt, ist der 29jährige Däne jedenfalls der achte – und einzige aktive – Radsportler, der bei allen Grand Tours siegreich war. Das sollte sein Selbstvertrauen stärken und Zuversicht begründen, bei der Tour womöglich noch einmal Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) Paroli bieten zu können.
Die künftige Motivation seiner Edelhelfer dürfte wiederum dadurch befördert werden, dass einer der ihren Gelegenheit erhielt, einen persönlichen Erfolg einzustreichen: Der 31jährige US-Amerikaner Sepp Kuss durfte sich am Freitag einer großen Ausreißergruppe anschließen und konnte auf der wahrscheinlich zweitschwersten Bergetappe als Solosieger das Ziel in Alleghe (Piani di Pezzè) erreichen. Dagegen wurde der in der Gesamtwertung bis auf Platz acht vorgerückte italienische Kollege Davide Piganzoli am Sonnabend wohl nur durch eigene Erschöpfung daran gehindert, das weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers zu erobern. Verteidigt wurde es vom 24jährigen Portugiesen Afonso Eulálio (Bahrain – Victorious), der zudem Platz sechs im Gesamtklassement erreichte und mit ebenso impulsiver wie zäher Fahrweise beste Unterhaltung geboten hatte, seit er als Etappenzweiter aus einer Fluchtgruppe für knapp zwei Wochen das rosa Trikot des Gesamtführenden errungen hatte. Ähnlich kurzweilig wirkte die rohe Angriffslust, mit der Giulio Ciccone (Lidl – Trek) erfolglos einem Etappensieg hinterherjagte. Zum eigenen Trost luchste der 31jährige Italiener, der vor Eulálio einen Tag lang in Rosa gefahren war, dem in dieser Hinsicht erkennbar desinteressierten Vingegaard schließlich das blaue Trikot ab, indem er aus Ausreißergruppen die dafür relevanten Punkte in der Bergwertung sammelte.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
