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Radsport

Berg der Entscheidung

Läuft bei Tadej: Die erste Woche der Tour de France

Foto: Tadej Ussel/Sirotti/IMAGO
Durst nach Erfolg: Tadej Pogačar

Wenn die Tour de France nach dem montäglichen Ruhetag am Dienstag fortgesetzt wird, ist Spannung vor allem vom Kampf ums grüne Trikot zu erhoffen. Das wird aktuell von Mads Pedersen (Lidl – Trek) getragen, der darauf spekuliert, die für dieses Wertungstrikot ausschlaggebenden Punkte peu à peu in Zwischensprints zu sammeln und seinen »Kontostand« gegebenenfalls durch einen weiteren Sieg aus einer Fluchtgruppe aufzufüllen. Am Sonntag hat er immerhin den Zwischensprint gewonnen, der aufgrund einer hitzebedingten Verkürzung der Etappe schon 14 Kilometer nach dem Start zu absolvieren war. Obwohl der 30jährige Däne auf hügeligem Terrain zu den Favoriten auf den Tagessieg gezählt hatte, verpasste er den Anschluss an eine hochkarätige Ausreißergruppe und musste sich im stark geschrumpften Peloton mit Etappenplatz sechs begnügen. Den Sieg hatte kurz zuvor der ein Jahr ältere Niederländer Mathieu van der Poel (­Alpecin – Premier Tech) souverän aus einem Quartett errungen. Pedersen war seinerseits am vergangenen Dienstag erfolgreich gewesen, nachdem er auf ähnlich welligem Gelände mit drei Dutzend Fahrern ausgerissen und von zwei starken Kollegen bis auf die Zielgerade unterstützt worden war. Auf Flachetappen, wo Spitzenplätze mit überdurchschnittlich vielen Punkten belohnt werden, ist er indes ohne Siegchance.

Dass Tim Merlier (Soudal Quick-Step) der beste Sprinter bei dieser Frankreich-Rundfahrt ist, erwies sich spätestens am Freitag, als der 33jährige Belgier scheinbar mühelos die anderen Spezialisten distanzierte. Am Mittwoch war er im ersten, vom neun Jahre jüngeren Niederländer Olav Kooij (Decathlon CMA CGM Team) gewonnenen Sprint Royal bloß Dritter geworden, aber aus denkbar schlechter Position auf diesen Podiumsplatz gestürmt. Entsprechend beeindruckend wirkte wiederum am Sonnabend sein zweiter Sieg, weil er in der letzten Kurve, gut 600 Meter vorm Ziel, eigentlich abgehängt war. Im Gegensatz zu Pedersen scheint Merlier, dem das Bergauffahren widerstrebt, jedoch nicht gewillt, in Ausreißergruppen zu gehen, um möglichst jeden Zwischensprint bestreiten zu können. Wenn er zum entsprechenden Kräftemessen überhaupt zur Stelle war, mied er sichtlich jede Anstrengung. Deshalb ist wahrscheinlicher, dass Biniam Girmay (NSN Cycling Team) zum zweiten Mal nach 2024 die Punktewertung gewinnt. Der 26jährige Eritreer verfügt jedenfalls über die zweithöchste Endschnelligkeit im Fahrerfeld, kommt problemlos über Hügel und teilt mit Pedersen weitere Qualitäten eines Klassikerjägers.

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Dagegen dürfte der Kampf ums Gelbe Trikot bereits entschieden sein – sofern Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) sich nicht dazu hinreißen lässt, den fünften Toursieg durch Tollkühnheit zu gefährden. Seinen gut zweieinhalb Minuten umfassenden Vorsprung in der Gesamtwertung hat der Topfavorit am Donnerstag erzielt, als die bisher einzige Hochgebirgsetappe zu bewältigen war. Nachdem seine Mannschaft ein Höllentempo vorgelegt hatte, ging der 27jährige Slowene am Tourmalet erwartungsgemäß in die Offensive. Es folgte eine 43 Kilometer lange Solofahrt, nachdem Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike) wenige Meter hatte mithalten können. Zwar konnte der 29jährige Däne den Rückstand lange auf unter zehn Sekunden begrenzen, bevor er an der Kuppe des legendären Bergs eine halbe Minute betrug. In der Abfahrt sowie am Schlussanstieg nach Gavarnie-Gèdre kamen aber noch einmal ernüchternde zwei Minuten hinzu, wohingegen der Vorsprung vor den Verfolgern sich auf 19 Sekunden beschränkte. Im besagten Sextett schien auf eine Einholung Vingegaards trotzdem nur Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – Hansgrohe) zu hoffen. Der 26jährige Belgier rügte anschließend, dass sein zeitgleich ins Ziel gekommener deutscher Kollege Florian Lipowitz nicht einmal auf dem Schlusskilometer mit Tempoarbeit gedient habe. Ebensowenig hatten freilich Juan Ayuso und Mattias Skjelmose (beide Lidl – Trek) für den jeweils anderen arbeiten mögen, wohingegen Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) ohnehin keinen Kollegen an seiner Seite hatte und der Tagesdritte Isaac del Toro sich selbstredend darauf beschränkte, zum Nutzen seines Kapitäns Pogačar als Bremser zu wirken.

Der 22jährige Mexikaner trägt aktuell nicht nur das weiße Trikot des besten jungen Fahrers, sondern belegt auch den dritten Gesamtplatz, von dem keiner der zuletzt Genannten mehr als anderthalb Minuten entfernt ist. Diese Konstellation scheint seine Mannschaft anzuspornen, del Toro einen zweiten Tagessieg zu ermöglichen. Anders ist kaum zu erklären, warum UAE Team Emirates – XRG am Sonntag die Außenseiter lange im Zaum hielt. Am vorangegangenen Montag hatte dieselbe Taktik auf einer Etappe, die ebenfalls für Ausreißer prädestiniert schien, Pogačar in einem Bergaufsprint gegen Vingegaard den ersten Tagessieg beschert. Dass man die kollektiven Kräfte keineswegs aufspart, eröffnet zwar die Möglichkeit, auch noch die Führung in der Mannschaftswertung an sich zu reißen und Pogačar sozusagen im Vorbeifahren den nochmaligen Gewinn des Bergtrikots zu ermöglichen. Es birgt aber durchaus auch das Risiko, sich ohne jede Not angreifbar zu machen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.07.2026, Seite 16, Sport

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