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Statements
Blick zur Seite: Die Tour de France hat mit zwei eindrücklichen Siegen begonnen
Es war eine Einladung für ein weiteres Statement der Favoriten: Am Montag ende die erste, moderate Bergetappe der diesjährigen Tour de France nach Redaktionsschluss im Pyrenäendorf Les Angles mit einer knackigen Schlussrampe. Der eine oder andere Topanwärter auf den Gesamtsieg wird sie vielleicht angenommen haben. Entsprechende Achtungszeichen haben die beiden Fahrer, von denen in diesem Jahrzehnt stets einer das gelbe Trikot gewann, während der jeweils andere auf Platz zwei folgte, jedenfalls schon am Auftaktwochenende gesetzt.
Beim Grand Départ am Sonnabend in Barcelona konnte zunächst Jonas Vingegaard mitsamt Kollegen Eindruck machen. Denn das Team Visma – Lease a Bike wählte genau die richtige Taktik, um den Kapitän am besten von den neuen Regeln profitieren zu lassen, die erstmals beim Mannschaftszeitfahren einer Grand Tour zur Anwendung kamen. Während in der Vergangenheit die kollektive Fahrzeit erst gemessen wurde, sobald der vierte (oder fünfte) Vertreter eines Teams die Ziellinie überquert hatte, gab diesmal der jeweils schnellste Fahrer für die Bewertung der gemeinsamen Leistung den Ausschlag. Diese Modalitäten spiegeln noch stärker den Widerspruch, dem der Straßenradsport ohnehin seinen eigentümlichen Reiz verdankt: nämlich eine Individualsportart zu sein, bei der es entscheidend auf Mannschaftsunterstützung ankommt. Folgerichtig war für das Gesamtklassement nun die jeweilige einzelne Fahrdauer relevant. Während es früher idiotisch gewesen wäre, als Klassementfahrer den Kollegen beim Mannschaftszeitfahren davonzufahren, verschärfte das neue Format zusammen mit der Streckenführung die Frage, in welchem Umfang solche Fahrer der kollektiven Unterstützung bedürfen.
Vingegaard, der 2023 und 2022 Sieger der Frankreich-Rundfahrt war, suchte über Dreiviertel des knapp zwanzig Kilometer langen Parcours den Windschatten von fünf Kollegen, die allein schon wegen ihrer größeren Körpermasse besser geeignet waren, auf flachen und weitgehend geraden Straßen ein durchweg hohes Tempo zu gehen. Ähnlich zurückhaltend agierten Davide Piganzoli und Sepp Kuss, die dem Kapitän dann an den beiden kurzen Anstiegen helfen sollten, die auf den letzten fünf Kilometern zu bewältigen waren. Allerdings hatte der 29jährige Däne, als es am Rande des Montjuïc erstmals bergauf ging, auch noch Matteo Jorgenson an seiner Seite, der mit 1,90 Meter und knapp 70 Kilogramm auf der folgenden kurzen Abfahrt das Maximum an Geschwindigkeit gewährleistete. Am Schlussanstieg musste der acht Kilogramm leichtere Piganzoli dann nur gut 100 Meter lang für Tempoarbeit sorgen, bevor Vingegaard, der angeblich 58 Kilogramm auf die Waage bringt, den restlichen halben Kilometer alleine fuhr.
Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) hatte dagegen auf dem flachen Streckenabschnitt mindestens ein Achtel der mannschaftlichen Tempoarbeit geleistet – und knapp drei Kilometer vorm Ziel dennoch nur Isaac del Toro als Begleiter. Ein Seitenblick, den der 27jährige Topfavorit zum fünf Jahre jüngeren Kollegen warf, ließ ahnen, dass beide nicht recht wussten, wessen bescheidene Körpermasse in der Abfahrt wohl mehr Geschwindigkeit erreichen könnte. Den Schlussanstieg konnte der Tour-Sieger von 2025, 2024, 2021 und 2020 zwar alleine am allerschnellsten bewältigen, aber das reichte nur, um einen Tag lang das Bergtrikot tragen zu dürfen. Das gelbe Trikot musste der Slowene dagegen dem zwölf Sekunden schnelleren Hauptkonkurrenten überlassen, der zugleich 19 Sekunden Vorsprung gegenüber Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – Hansgrohe) und 35 Sekunden gegenüber dessen Kollegen Florian Lipowitz erzielte. Dass der 26jährige Belgier, der 2024 Tour-Dritter war, den ein Jahr jüngeren Deutschen, der den gleichen Platz im Vorjahr erreicht hatte, schon am vorletzten Hügel leicht distanzierte, konnte man als Fingerzeig bezüglich der teaminternen Hierarchie deuten.
Evenepoel erreichte am Sonntag dann als Dritter das Ziel, zeitgleich mit dem Etappensieger, bevor zehn Sekunden später Lipowitz als 16. folgte. Nachdem die gut 168 Kilometer lange zweite Etappe in Tarragona begonnen hatte, ließ das Peloton drei Ausreißer ziehen, die erwartungsgemäß wieder eingeholt waren, als Barcelona erreicht war. Auf dem gut 30 Kilometer langen abschließenden Rundkurs, der nun – in Abwandlung jenes Parcours, in dem traditionell die Katalonienrundfahrt gipfelt – zweieinhalbmal zu absolvieren war, behielt UAE Team Emirates – XRG stets die Kontrolle. So kam es erst bei der dritten und letzten Passage über den Montjuïc kurz vor der Kuppe zu einem zaghaften Angriff aus der Favoritengruppe. In der folgenden Abfahrt wurde der attackierende Mattias Skjelmose (Lidl – Trek), der sich am Vortag wegen einer Panne schon über eine Minute Rückstand eingehandelt hatte, aber bald von del Toro überholt, dem wiederum neben dem eigenen Kapitän auch Vingegaard folgte. Der wurde an der kurzen Schlussrampe schließlich von Evenepoel passiert – während Pogačar seinem mexikanischen Edelhelfer zur allgemeinen Verblüffung den Tagessieg überließ. Auf einen Etappensieg mehr oder weniger kommt es ihm selbst nicht an, soll das wohl heißen. Und auf vier Sekunden Zeitbonifikationen mehr oder weniger auch nicht. So selbstbewusst hat sich kaum je ein Anwärter auf den Gesamtsieg schon am zweiten Tag der Frankreich-Rundfahrt gezeigt. Und vielleicht auch niemand so hochmütig.
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