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Radsport

Die nötige Härte

Quer durch die Schweiz, Belgien und Slowenien: Stand der Dinge im Radsport vor der Tour de France

Foto: IMAGO/Belga
Lässt sich nicht abfangen: Biniam Girmay (Scherpenheuvel-Zichem, 17.6.2026)

In der ersten Hälfte der Radsportsaison hat Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) so wenige Wettkämpfe bestritten wie wohl kein Topfavorit auf einen Tour-de-France-Sieg vor ihm. Am Sonntag markierte die Schlussetappe der Tour de Suisse erst seinen 15. Renntag, dem er vor dem 4. Juli, an dem die Frankreich-Rundfahrt in Barcelona beginnt, keinen weiteren hinzufügen will. Das ist bemerkenswerter als die Tatsache, dass der 27jährige Slowene die 89. Austragung dieser Traditionsveranstaltung, die einst das drittwichtigste Etappenrennen der Welt war und noch 2025 ganze drei Tage länger dauerte, unangefochten gewonnen hat – es war bereits sein 13. Saisonsieg.

Beim Auftakt am Mittwoch war Pogačar sogleich bereit, im Zwischensprint um Zeitbonifikationen zu kämpfen. Da die wenigen anderen Klassementfahrer – etwa Primož Roglič (Red Bull – Bora – Hansgrohe) – nicht mitmachten, fand Pogačar sich nach entsprechender Beschleunigung vorm ausgefransten Peloton wieder. Seine nochmalige Erhöhung des Tempos konnte also auf bergigem Terrain niemand parieren. Es folgte eine knapp 70 Kilometer lange Solofahrt zum ersten Tagessieg, der zugleich die Gesamtwertung vorentschied, da Richard Carapaz (EF Education – Easypost) als Zweiter erst gut zwei Minuten später ins Ziel kam. Am Sonnabend gewann Pogačar das Zeitfahren (wenngleich sehr knapp) vor dem sonst unauffälligen Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech). Und auf der abschließenden Königsetappe bewies er mit einer Attacke am Schlussanstieg sicheres Timing, so dass er auf dem letzten Kilometer den verbliebenen Ausreißer Lenny Martinez (Bahrain – Victorious) trotz dessen beeindruckender Renitenz noch überholte. Dazwischen hatte er am Donnerstag die Einholung einer Ausreißergruppe, aus der der 23jährige Franzose Romain Grégoire (Groupama – FDJ United) den Etappensieg errang, wahrscheinlich nur verpasst, weil Kollege Jhonatan Narváez am letzten Hügel nicht bei der Beschleunigung mithalten konnte, mit der der Kapitän ihm eine Siegchance hatte eröffnen wollen. Der 29jährige Ecuadorianer musste den Etappenerfolg tags darauf im Sprint eines Ausreißerduos nachholen.

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Ob sich die Beschränkung der Renntage zugunsten von ausgedehntem Höhentraining auszahlt, wird Pogačar bei der Tour de France erfahren. Um beim Saisonhöhepunkt Topform zu erreichen, brauchen Sprinter in jedem Fall Wettkampfhärte, die sie bei der ebenfalls am Sonntag beendeten Belgien-Rundfahrt testen konnten. Am Mittwoch wurde die erste Sprintankunft von Biniam Girmay (NSN Cycling Team) gewonnen, wobei der 26jährige Eritreer den aus schlechter Position heranstürmenden Tim Merlier (Soudal Quick-Step) knapp auf Distanz hielt. Der 33jährige Belgier musste sich am Sonnabend nur um Haaresbreite Olav Kooij (Decathlon CMA CGM Team) geschlagen geben, nachdem er dem neun Jahre jüngeren Niederländer Windschatten geboten hatte. Am Donnerstag erzielte Merlier selbst einen Etappenerfolg, obwohl er auf der Schlussgeraden einen Umweg nehmen musste. Dieser kräftige Fahrer, der zumeist unerschütterliche Ruhe ausstrahlt, war dagegen auf dem welligen Terrain der Schlussetappe erwartungsgemäß als erster hochkarätiger Sprinter abgehängt. Im Finale, das wie ein Frühjahrsklassiker gefahren wurde und doch im Massensprint gipfelte, kam Sprinter Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) am besten mit entsprechendem Chaos zurecht. Mit dem Tageserfolg entriss der 28jährige zugleich Alex Aranburu (Cofidis) die Gesamtführung, die der 30jährige Spanier am Freitag mit seinem geschickten Sieg an einer knackigen Schlussrampe übernommen hatte.

Laurence Pithie (Red Bull – Bora – Hansgrohe) ist kein Spezialist für Massensprints, aber er nutzte bei der gleichzeitig stattfindenden Slowenien-Rundfahrt entsprechende Gelegenheiten zu zwei Tageserfolgen. Einmal wurde der 23jährige Neuseeländer indes knapp vom fünf Jahre älteren Serben Dušan Rajović (Solution Tech Nippo Rali) geschlagen, wohingegen er sich auf der Schlussetappe bloß im Sprint der Verfolgergruppe durchsetzte, aber trotzdem jubelte, weil vor ihm allein sein Kapitän Florian Lipowitz als Etappen- und Gesamtsieger ins Ziel gekommen war. Tags zuvor war dem 25jährigen Deutschen von seiner Mannschaft der Soloangriff am schwersten Anstieg der Königsetappe vorbereitet worden. Zwar fuhr Edelhelfer Giulio Pellizzari in der anschließenden Abfahrt, die sich in den Serpentinen durch bizarre Kopfsteinpflasterabschnitte auszeichnete, wieder zum vergleichsweise vorsichtigen Lipowitz auf. Doch der Italiener fügte sich offenkundig dem Wunsch der Teamleitung und überließ dem Kollegen den Tageserfolg. Lipowitz hatte zuvor zwei Jahre lang einen ehrbaren Podiumsplatz an den nächsten gereiht, drei glanzlosen Siegen aber keinen weiteren hinzugefügt. Entsprechend gestärkt sollte nun sein Selbstbewusstsein sein, egal, ob er bei der Tour als Vorjahresdritter auf eigene Rechnung fahren darf oder ausschließlich Remco Evenepoel dienen muss – der übrigens eine freiwillige zweimonatige Rennpause einhält.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.06.2026, Seite 16, Sport

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