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Nach der Tour ist vor der Tour
Der Mexikaner Isaac del Toro feiert den Gesamtsieg bei der Tour Auvergne–Rhône-Alpes, Frankreichs Radsportwunderkind Paul Seixas muss aufgeben
Bei der Tour Auvergne–Rhône-Alpes, die am Sonntag zu Ende gegangen ist, waren weder Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) noch Jonas Vingegaard (Team Visma – Lease a Bike), Remco Evenepoel oder Florian Lipowitz (beide: Red Bull – BORA – hansgrohe) präsent. Das verdient, protokolliert zu werden, da die einwöchige südfranzösische Rundfahrt, die bis 2025 Critérium du Dauphiné hieß (und bei Radsporttraditionalisten weiterhin so heißen wird), gemeinhin als wichtigstes Vorbereitungsrennen für die Tour de France gilt. Deren slowenischer Sieger der Jahre 2025, 2024, 2021 und 2020 wird in dieser Woche sein Debüt bei der (verkürzten) Tour de Suisse geben, mit der die Dauphiné stets konkurriert, wohingegen der dänische Tour-Sieger von 2023 und 2022 den siegreich absolvierten Giro d’Italia als Generalprobe zum Saisonhöhepunkt betrachtet. Evenepoel, der 2024 Dritter bei der Frankreich-Rundfahrt war, wird indes seine seit Lüttich–Bastogne–Lüttich anhaltende Rennpause erst zum Grand Départ beenden – was dem wachsenden Stellenwert ausgedehnter Höhentrainingslager entspricht und Vorbereitungsrennen relativiert. Zu denen gehört seit ein paar Jahren die Tour of Slovenia, die wiederum der deutsche Vorjahresdritte der Tour de France bestreiten wird, bei deren nächster Austragung Lipowitz freilich Helferdienste für den belgischen Kollegen leisten dürfte.
Da bei der Dauphiné auch Sprinter rar gesät waren, ergaben sich zunächst auf hügeligem Terrain Chancen für Ausreißer. Von ihnen blieb zum Auftakt Alex Baudin (EF Education – Easy Post) übrig, der als Solosieger zugleich das gelbe Führungstrikot übernahm, das der 25jährige Franzose danach fünfmal trug. Auf der zweiten Etappe fuhr der drei Jahre ältere Däne Anthon Charmig (Uno-X Mobility) anderen verbliebenen Ausreißern zum Solosieg davon. Und zwei Tage später gewann der 25jährige US-Amerikaner Quinn Simmons (Lidl – Trek) den Sprint einer kleinen Gruppe, die sich mit wenigen Metern Vorsprung vorm Peloton ins Ziel rettete. Erst am Donnerstag stellte Team Visma sicher, dass die Einholung von Ausreißern rechtzeitig gelang, so dass Mannschaftsmitglied Wout van Aert zum Sieg sprinten konnte. Dabei überraschte, wie souverän der 31jährige Belgier sich durchsetzte, da ein Trainingssturz Zweifel an seiner Form geweckt hatte. Die Zweifel, die wegen seines Startverzichts am nächsten Tag wieder aufkeimten, waren zuvor unter anderem dadurch befeuert worden, dass van Aert im Teamzeitfahren am Dienstag früh abreißen ließ – was die Kollegen um Matteo Jorgenson jedoch nicht am Tagessieg hinderte.
Am Freitag zeigte sich dann bei der ersten von drei aufeinander folgenden Bergankünften, dass der 26jährige US-Amerikaner, der bei der Tour voraussichtlich Vingegaards wichtigster Edelhelfer sein wird, nicht mit den beiden stärksten Klassementfahrern mithalten konnte. Er musste am Schlussanstieg sowohl den angreifenden Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) ziehen lassen als auch Isaac del Toro (UAE Team Emirates – XRG), der sich vom 19jährigen französischen Topfavoriten nie abschütteln ließ. Allerdings kam dieses Duo erst gut drei Minuten hinter dem Tagessieger Maxim Van Gils (Red Bull – BORA – hansgrohe) ins Ziel. Der 26jähriger Belgier hatte sich früh einer 60 Fahrer starken Ausreißergruppe angeschlossen, aus der sein fünf Jahre jüngerer Kollege Luke Tuckwell (Red Bull – BORA – hansgrohe) nun die Gesamtführung übernahm. Obwohl der talentierte Australier das gelbe Trikot am Sonntag abgeben musste, konnte er seinen abschließenden zweiten Gesamtplatz als Überraschungserfolg bejubeln.
Den Gesamtsieg sicherte sich unterdessen del Toro, der zudem zwei Etappenerfolge auf dem Grand Colombier und auf dem bei der kommenden Tour de France erstmals als Zielort dienenden Plateau de Solaison verbuchte. Am Sonnabend hatte er Gespür für Timing bewiesen, als er am Schlussanstieg eine verfrühte Attacke von Juan Ayuso (Lidl – Trek) geduldig hinnahm, um sie erst später entwaffnend zu kontern. Dagegen setzte der 22jährige Mexikaner, der seinerseits im nächsten Monat Pogačars wichtigster Domestike sein dürfte, am Sonntag schon knapp neun Kilometer vor dem Ziel zur Solofahrt an und hielt den nach weiteren drei Kilometern zum Gegenangriff ansetzenden und letztlich auf dem dritten Gesamtplatz landenden Ayuso souverän auf Distanz.
Obwohl er keinen einzigen Tageserfolg erzielte und die Schlussetappe wegen unübersehbarer Sturzfolgen aufgeben musste, hinterließ Seixas womöglich dennoch den stärksten Eindruck. Das Wunderkind, auf dem die Hoffnungen zahlloser französischer Radsportfans lasten, war am Sonnabend, noch bevor die TV-Übertragung begonnen hatte, in einer Abfahrt gestürzt. Da die Konkurrenz nicht wartete, lag er bald über drei Minuten zurück – weshalb um so mehr beeindruckte, mit welcher Nervenstärke und Ausdauer er im Windschatten der sich, einer nach dem anderen, völlig verausgabenden Kollegen knapp 70 Kilometer zurück ins Peloton hetzte und den am Schlussanstieg unvermeidlich wieder auftretenden Rückstand auf del Toro schließlich kaum über eine Minute wachsen ließ.
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