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Rückkehr ist möglich und notwendig
Sozialismus ist die klarste Alternative zur zionistischen Ideologie
Zochrot ist eine israelisch-palästinensische NGO, die sich dem Recht auf Rückkehr der 1948 vertriebenen Palästinenser verschrieben hat. Mitte Mai hatte sie die US-Bürgerrechtlerin Angela Davis und den Historiker Rachid Khalidi zu einem Onlineseminar eingeladen, um dieses unveräußerliche Recht erneut zu betonen: »Envisioning Return amid Genocide« (Vorstellung von Rückkehr mitten im Völkermord). Zochrot, übersetzt »Erinnerung«, bringt seit 2002 Gruppen vertriebener Palästinenser aus der Westbank in ihre zerstörten Dörfer im Israel innerhalb der Grenzen vor 1967 – wenigstens zu einem kurzen Besuch. Zochrot stützt sich auf die Resolution 194 der UN-Vollversammlung vom 11. Dezember 1948, in der dieses Recht auf Rückkehr betont und eine schnelle Umsetzung gefordert wird.
■ Salman Abu Sitta, 1948 aus seiner Heimat östlich von Gaza vertrieben und zum Flüchtling gemacht, hat sich die Realisierung dieses Rechtes auf Rückkehr zur Lebensaufgabe gemacht. Seit Beginn seines Studiums der Ingenieurswissenschaften in London sammelt er Karten von Palästina, um zu zeigen, wo Palästinenser gelebt, gearbeitet und das Land bebaut und fruchtbar gemacht haben – lange ehe die zionistischen Siedler die Mär vom »Land ohne Volk für ein Volk ohne Land« verbreiteten.
Die israelische sozialistische Organisation Matzpen, 1962 von Juden und Palästinensern gegründet, hat auf ihrer Webseite einen neuen Artikel von Ehud Ein-Gil publiziert über eine Installation von Avi Mograbi auf der diesjährigen Biennale in Venedig mit dem Titel: »Zwischen einem Fluss und einem Meer« (Between a River and a Sea). Sie basiert teilweise auf dem Film Mograbis von 2012: »Einst betrat ich einen Garten« (Once I Entered a Garden). Darin spricht Ali Al-Azhari aus Safurija über Palästina vor dem Zionismus: ein multiethnisches und multireligiöses Land. Al-Azhari wurde 1948 mit seiner Familie und allen Bewohnern Safurijas vertrieben. Er lebt seit den 1970er Jahren in Jaffa. Dort wurde er Mitglied von Matzpen.
In Ramallah fuhr ich kürzlich durch die Auda-Straße, die Straße der Rückkehr. Immer wieder stößt man in palästinensischen Orten und speziell in Flüchtlingslagern auf Skulpturen mit Schlüsseln, die das Recht auf Rückkehr symbolisieren. Zochrot arbeitet daran, dass diese Rückkehr zur Realität wird. Aber Abu Sitta hat dafür die konkretesten Pläne. Seine Palestine Lands Society ist inzwischen an der Amerikanischen Universität Beirut (AUB) basiert. Junge palästinensische Architekten entwickeln auf der Grundlage dieses einzigartigen Archivs historischer Karten zu Palästina Pläne zum Wiederaufbau all der seit 1948 zerstörten palästinensischen Dörfer im Staat Israel: in allen Details, Haus für Haus und Straße für Straße. Abu Sitta argumentiert, dass die Rückkehr von Millionen vertriebener Palästinenser umsetzbar ist. Denn niemand lebt bis heute auf dem Land der überwiegenden Mehrheit dieser zerstörten Dörfer.
Zochrot fordert, dass als Vorbedingung für die Rückkehr eine Anerkennung der legitimen Rechte der Palästinenser zu erfolgen hat. Die historische Erfahrung der Palästinenser zeigt, dass die jüdisch-israelische Gesellschaft überhaupt erst einmal beginnen muss, die Palästinenser als Menschen, als gleichberechtigte Menschen, zu sehen und als Mitmenschen zu behandeln. Heute, nach zweieinhalb Jahren Völkermord in Gaza, hat diese Forderung ganz andere Dimensionen angenommen. Das rassistische zionistische Regime unter Premier Benjamin Netanjahu demonstriert verbal und vor allem in der Praxis, dass Palästinenser für sie nur Dreck sind, Tiere, menschlicher Abschaum. Von daher müssen sie, so die rassistische Ideologie, eliminiert werden.
Die klarste Alternative gegen diese hegemoniale Ideologie und Politik des Zionismus, der letztlich die gesamte Region vom Nil bis zum Euphrat zu beherrschen versucht, hat Matzpen entwickelt. Nur eine sozialistische Revolution, so argumentiert die Gruppe, kann in eben diese Region Freiheit von Unterdrückung und Rassismus bringen. Ziel ist, dass dort alle Menschen frei und friedlich leben können. Dazu gehört die Umsetzung des Rechtes auf Rückkehr für die Palästinenser.
→ Das Zochrot-Seminar auf Youtube: kurzlinks.de/Zochrot-Webinar
→ Helga Baumgarten ist emeritierte Professorin für Politik der Universität Birzeit und schreibt wöchentlich ihre Kolumne »Brief aus Jerusalem«
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Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 30. Mai 2026 um 09:25 UhrDiese Briefe sind unendlich wichtig. Man kann sie oft nur mit Tränen in den Augen lesen, weil sie mit Herzblut geschrieben sind. Es sind dieselben Tränen, die mir in den Augen standen, als ich Auschwitz besuchte, die Mahnmale im Warschauer Ghetto vor mir hatte oder vor kurzem Hermann Kants Schilderungen dessen, was die SS davon übriggelassen hatte, in seinem Buch »Der Aufenthalt« las.
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