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28.05.2026
- → Kapital & Arbeit
Streikwelle auf den Balearen
Spanien: Arbeitskämpfe, um explodierenden Lebenshaltungskosten zu begegnen
Auf den Balearen wird derzeit gestreikt. Seit Dienstag befinden sich die Mitarbeiter des Flughafens von Palma, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität begleiten, in einem unbefristeten Streik. Sie beklagen Überstunden. An diesem Flughafen wurden bereits am 18., 20. und 22. Mai die Sicherheitskontrollen und die Gepäckabfertigung bestreikt. Die Gewerkschaften konnten sich nicht mit dem Flughafenbetreiber und den beteiligten Dienstleistungsunternehmen einigen. Bemängelt werden schlechte Arbeitsbedingungen, Personalmangel und eine deutlich gestiegene Arbeitsbelastung.
Der Flugverkehr ist aber nicht der einzige Sektor, in dem die Mitarbeiter unzufrieden sind. Bei der H&M-Gruppe wurde am 20. und 22. Juni gestreikt, und weitere Streiks sind für den 1. und 8. Juli in den rund hundert Filialen von H&M, Cos, & Other Stories und Weekday angekündigt. Laut der Gewerkschaft CCOO beteiligten sich bisher rund 80 Prozent der Belegschaft, und viele Läden mussten geschlossen bleiben. Die rund 4.100 Beschäftigten, die H&M auf den Balearen ausbeutet, beschweren sich wie die Flughafenarbeiter über die Arbeits- und Lohnbedingungen.
Der Kampfgeist steckt nicht nur die Arbeiter im privaten Sektor an. Die Gewerkschaft SIAU hat angekündigt, die Lehrkräfte der Balearen zu einem womöglich unbefristeten Streik aufzurufen. Man wolle sich demnach den Protestbewegungen in Barcelona und Valencia anschließen. Die Plattform der Lehrer, die Assemblea de Docents der Balearen, hat zudem angekündigt, beiden Regionen jeweils 50.000 Euro aus ihrer eigenen Kasse zu senden, um die Streiks zu unterstützen. In der Region Valencia startete der unbefristete Lehrkräftestreik am 11. Mai 2026 und dauert seither an. Er wurde von mehreren Gewerkschaften ausgerufen und richtet sich auch gegen Bildungsreformen und entsprechende Kürzungen. In Katalonien begann der Streik einen Tag später, als sich dortige Lehrkräfte den Protesten anschlossen.
Die Verwaltung ignoriere die Anliegen der Lehrkräfte, betonen die Gewerkschaften auf den Balearen. Auch um die katalanische Sprache drehen sich die Proteste, weil die Regierung in Valencia plante, Lehrer zu verbeamten, die keinen Nachweis von Katalanischkenntnissen vorlegen können. Das lehnt die SIAU ab. Gestreikt werde demnach auch gegen die Privatisierung der Bildung. Die Bedingungen an öffentlichen Schulen würden zusehends schlechter. Zentrale Forderungen: kleinere Klassen und höhere Gehälter.
Diesen Mai haben sich auch zahlreiche Ärzte und Krankenschwestern an einem landesweiten Streik beteiligt, bei dem 54 Operationen verschoben werden mussten. Über 2.400 Termine und Untersuchungen mussten ebenfalls abgesagt oder verschoben werden. Die Ärzte protestieren für ein eigenes Berufsstatut – und wie der Rest der Balearen für bessere Arbeitsbedingungen.
Insbesondere die Teuerung auf den Inseln und die Wohnungskrise machen vielen Arbeitern zu schaffen, weshalb höhere Löhne eine immer häufigere Forderung bei Arbeitskämpfen in der Region sind. Laut einer Studie der Gewerkschaft CCOO vom Februar müssen Haushalte auf den Balearen inzwischen einen sehr großen Teil ihres Einkommens für Wohnen und Grundkosten ausgeben – bis zu 78 Prozent des Gehalts nur für Grundausgaben wie Lebensmittel, Unterkunft und die Versorgung mit Wasser und Energie. Die allgemeine Inflation und der aktuelle Ölpreisschock verschärfen die Situation abermals. Insgesamt liegen die Lebenshaltungskosten auf den Balearen deutlich über dem spanischen Durchschnitt – 15 Prozent oder mehr, je nach Berechnung.
Die Balearen werden derzeit vom konservativen Partido Popular (PP) unter der Ministerpräsidentin Marga Prohens regiert. Die Regierung führt ein Minderheitskabinett, das in der Praxis stark von Verhandlungen mit der rechtspopulistischen Partei Vox abhängig ist. Die Opposition aus PSIB-PSOE, Més und Podemos kritisiert in einem fort, dass die Regierung soziale Probleme wie die Wohnungsnot nicht angeht und soziale Investitionen verschleppt.
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