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Aus: Ausgabe vom 29.07.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Streiks in Italien und Spanien

Luftverkehr lahmgelegt

Hunderte Maschinen blieben am Boden. Arbeitsniederlegungen an Flughäfen in Italien und in Barcelona. Protest auch gegen Pläne der EU
Von Gerhard Feldbauer
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Streikendes Flughafenpersonal am Airport »Leonardo da Vinci« am Freitag in Fiumicino bei Rom

Piloten, Flugbegleiter, Bodenpersonal und Beschäftigte bei Abfertigung und Catering haben am Freitag von 10 bis 14 Uhr in Italien gestreikt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ANSA. Die Fluglotsen hatten sich dem Ausstand nicht angeschlossen, um die Flugsicherung zu gewährleisten. Nach Äußerungen von Reisenden wurde der Luftverkehr weitgehend lahmgelegt. In Mailand, Turin, Rom, Neapel und Palermo blieben Hunderte Maschinen am Boden. Betroffen waren vor allem Flüge zu den beliebten Urlaubszielen im Süden. Auf dem größten italienischen Flughafen, dem »Leonardo da Vinci« in Rom-Fiumicino, mussten Flüge abgesagt werden, darunter auch nach Frankfurt am Main. Ausfälle gab es außerdem am Flughafen Ciampino bei Rom, der auch von Ryanair angeflogen wird. Vorangegangen war am Mittwoch ein landesweiter Ausstand im Verkehrs- und Transportwesen. Zu der Arbeitsniederlegung hatten beide Male die Branchenorganisationen der drei großen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL aufgerufen.

Obwohl die Piloten und Flugbegleiter von Alitalia ihren Streik mit Rücksicht auf die Touristensaison auf September verschoben, war die Linie aufgrund der Arbeitsniederlegungen des Personals an den Flughäfen trotzdem betroffen. Sie musste 113 Flüge auf internationalen und Inlandsrouten streichen, 60 Prozent der Passagiere blieben am Boden. Betroffen waren auch internationale Gesellschaften wie die Lufthansa, die ab München und Frankfurt in Italien 20 Flugplätze bei über 700 Flügen ansteuert, von denen sie am Freitag viele absagen musste.

Es ging um bessere Arbeitsbedingungen, darunter gesundheitliche Betreuung, höhere Löhne, gerechte Tarifverträge. Die Streikenden forderten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Protestiert wurde gegen »unlauteren Wettbewerb« und vor allem gegen EU-Pläne zur Neuorganisierung der Luftraumüberwachung, die auf Kostenreduzierung und Personaleinsparungen ausgerichtet sind und die Sicherheit vernachlässigen. Diese Forderungen wurden am Mittwoch und Donnerstag auch in mehreren EU-Staaten bei Protestaktionen der Beschäftigten im Luftverkehr erhoben. Die Turiner La Stampa zitierte aus einer Erklärung der drei Gewerkschaften, diese Forderungen würden bereits seit September vergangenen Jahres vorgebracht, ohne dass es seitens des Transportministers eine Reaktion gegeben habe. Das Ressort hat Danilo Tonelli von der »Fünf-Sterne-Bewegung« (M5S) seit Juni 2018 inne.

Am Sonnabend machte dann das Bodenpersonal der Fluggesellschaft Iberia auf dem Flughafen El Prat in Barcelona auf seine Arbeitsbedingungen aufmerksam. Wegen des Ausstands bei der spanischen Airline seien am Samstag 62 Flüge gestrichen worden, teilte die spanische Flughafenverwaltungsgesellschaft Aena mit. Für Sonntag war am El Prat der Ausfall von weiteren 73 Flügen angekündigt.

Am stärksten betroffen sei mit insgesamt 122 Flugstreichungen die Iberia-Tochter Vueling gewesen, die auch nach München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin fliegt. Flüge von Iberia, British Airways und Turkish Airlines seien ebenfalls gecancelt worden, hieß es. Mit dem zweitägigen Ausstand fordern die rund 2.700 Mitarbeiter von Iberia in Barcelona bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld.

Bei dem für September angekündigten Streik bei Alitalia wird es auch um das weitere Schicksal der nationalen Fluggesellschaft gehen, das noch immer nicht geklärt ist. Einst war sie der Stolz Italiens und eine auch international beliebte Airline. Seit sie 2017 insolvent wurde, soll sie, zumindest teilweise, privatisiert werden. Etwa 1.000 Beschäftigten droht der Verlust ihrer Arbeitsplätze. Käufer – im Gespräch waren bereits Lufthansa und auch Air France – sind noch immer nicht gefunden. ANSA hatte unlängst berichtet, M5S plane, dass 51 Prozent der Beteiligung in staatlicher Hand bleiben. Die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato soll ein entsprechendes Kaufangebot vorgelegt haben. Zu den zu lösenden Fragen gehört, dass der Maschinenpark um größere Modelle erweitert werden müsste. Alitalia besitzt nur elf Boeing 777.

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