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28.05.20262 Leserbriefe
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Reich, reicher, superreich
Zahl der Superreichen in Deutschland in einem Jahr um fast 30 Prozent auf 5.000 gestiegen. Derweil spart die Bundesregierung auch noch am letzten bisschen Sozialstaat
Die größte Heldin der Kapitalisten im Lande hört auf den Namen Katherina Reiche. Die Bundeswirtschaftsministerin sorgt ständig für Ärger – und die Ihren. Am Wochenende hatte ihr Haus auf der Plattform X ein Video der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) geteilt. Der Clip aus der Propagandaabteilung der Marktradikalen beschwört ein neues deutsches Wirtschaftswunder, und die CDU-Frau hakt sich mit ein. Neutralitätsgebot – wozu? Statt dessen Anbiederung: »Es braucht mutige Reformen – jetzt. Danke für diese Kampagne.« Deutschlands Millionäre und Milliardäre danken mit. Sie haben immer mehr und werden immer mehr, trotz Deindustrialisierung und Massenentlassungen.
Der am Mittwoch vorgelegte »Global Wealth Report 2026« der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) liefert hierfür Anschauungsmaterial. In der BRD hat demnach die Zahl derer, die über ein Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar (rund 86 Millionen Euro) verfügen, im Vorjahr um rund 1.100 auf knapp 5.000 gegenüber 2024 zugelegt (plus 28 Prozent). Zusammen gehörten ihnen 27,3 Prozent aller mit Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Anleihen, Lebensversicherungen, Fonds und Pensionen gehaltenen Werte – also rund 3,4 von 12,4 Billionen US-Dollar.
Hinter den »Ultra high net worth individuals« rangieren jene mit bloß einer oder zwei Stellen vor der Million. 2025 gab es davon hierzulande 796.000, wobei sie zusammen 26 Prozent vom großen Kuchen besaßen. Der Rest, also 47 Prozent vom Ganzen, verteilt sich auf mehr als 69 Millionen Bürger mit Vermögenswerten zwischen null und einer Million Euro.
Das Nettovermögen der Deutschen wuchs laut Studie um rund 15 Prozent auf 23,3 Billionen US-Dollar an. Unter den Sachwerten mit einem Volumen von 13,4 Billionen US-Dollar boomten insbesondere Immobilien. Die Verbindlichkeiten beliefen sich derweil auf 2,5 Billionen US-Dollar. Beim Finanzvermögen lagen Aktien und Fonds mit einem Plus von 24 Prozent ganz vorn. BCG prognostiziert bis mindestens 2030 einen weiter steigenden Anteil der Geldelite am Gesamtvermögen: »Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu – wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren«, erklärte Studienkoautor Michael Kahlich. Weltweit schoss die Zahl der Superreichen auf 97.000 hoch, davon 37.000 in den USA, gefolgt von China mit 11.100.
Eine Geldanlage mit Garantie zum Absahnen sind die Aktien von Rüstungskonzernen. Für Normalbürger wird die deutsche Militarisierung hingegen zum Verlustgeschäft: Am Mittwoch verdichteten sich die Hinweise, dass die Bundesregierung die eigentlich für kommenden Herbst versprochene BAföG-Reform verwirft. Der Punkt wurde kurzerhand von der Tagesordnung des Bundeskabinetts genommen, wie zuerst die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vermeldete. Damit wirkt eine Ende April erzielte »Einigung« der Koalition rückblickend wie vorgetäuscht. Erst am Wochenende hatte Unionsfraktionschef Jens Spahn mit der Äußerung irritiert: »Staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld, BAföG werden wir absehbar nicht erhöhen können.« Das war offenbar schon der verbale Sargnagel für das letzte verbliebene Regierungsprojekt, das die Bezeichnung »sozial« verdient gehabt hätte.
Dass die Koalition die BAföG-Novelle »anscheinend nicht wie geplant zum 1. August umsetzt, sondern mindestens um ein Semester verschiebt, ist völlig inakzeptabel«, nahm am Donnerstag Elke Hannack vom Deutschen Gewerkschaftsbund Stellung. Wachstum resultiere nicht aus Sparmaßnahmen, sondern klugen Zukunftsinvestitionen, und weiter: »Es braucht endlich einen Aufbruch für Bildung und soziale Gerechtigkeit in diesem Land.« Im angesprochenen INSM-Filmchen heißt Aufbruch: »Zeit, zu wenden«.
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Joachim Becker 1. Juni 2026 um 11:28 UhrDie Reichen in der BRD werden immer reicher und die Armen werden immer ärmer und zahlreicher, dank sogenannter »Reform«, zutreffender wäre wohl Rotstiftpolitik. Leider wird das auch von den meisten Betroffenen in dieser gespaltenen Gesellschaft hingenommen. Es regt sich kein Protest, nichts. Was wollen wir uns nicht noch alles gefallen lassen?
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Wilfried Schubert aus Güstrow 28. Mai 2026 um 11:22 UhrDen Reichen lässt man’s, den Armen nimmt man’s. Täglich erfährt man aus den Medien, das auf das Gro der Bürger erhebliche soziale Einschnitte zukommen. Sei es das Bürgergeld, Elterngeld Krankenversicherung, Pflege, Pharmaprodukte, Renteneintrittsalter und mehr. Wichtige Bereiche bleiben verschont. Dazu gehören Militärausgaben. Immerhin belegt Deutschland hinter den USA, China und Russland Platz vier. Die Begründung, Russland will uns angreifen, ist Regierungspolitik. Wobei das »aggressive« Russland den europäischen NATO-Streitkräften bei Personal und Ausrüstung, außer bei Kernwaffen und Satelliten, deutlich unterlegen ist. Eine weitere Möglichkeit, den Haushalt zu sanieren, ist eine gerechte Steuerpolitik. Die 3.900 Reichsten in Deutschland besitzen ein Finanzvermögen von 3 Billionen Euro. Von welchen die Politik mit einer Vermögenssteuer von nur einem Prozent jährlich 30 Milliarden Euro abschöpfen könnte. Dagegen denkt man lieber darüber nach, das Rentenniveau zu kürzen, das in Deutschland ohnehin nur 48 Prozent beträgt. Der EU-Durchschnitt beträgt 70,6 Prozent.
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