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20.05.2026
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Ungleiche Verbündete
Putin trifft Xi in Beijing
Auf »beispiellos hohem Niveau« seien die Beziehungen zwischen Russland und China. Die außenpolitischen Standpunkte beider Staaten seien sogar »im wesentlichen identisch«: Wer hörte, was Juri Uschakow, Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, vor dessen Besuch in Beijing äußerte, konnte beeindruckt sein. Und es stimmt ja: Putin trifft in der chinesischen Hauptstadt unter anderem ein, um dort den 30. Jahrestag der Einigung auf eine strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern und den 25. Jahrestag des Abschlusses ihres Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zu begehen. Es ist sein inzwischen 25. Aufenthalt in China – zum Vergleich: US-Präsident Donald Trump hielt sich vergangene Woche erst zum zweiten Mal in der Volksrepublik auf. Der russisch-chinesische Handel hat sich seit 2021 verdoppelt, die Zahl der gemeinsamen Manöver nimmt langfristig ebenfalls zu. Man könnte die Liste verlängern.
Blüht und gedeiht da also eine unverbrüchliche Freundschaft zwischen Russland und China, ein felsenfestes Bündnis, das alle Attacken des Westens gegen die beiden Länder entschlossen abwehren wird? Ja und nein. Ja, denn die russisch-chinesische Kooperation gründet stark auf der gemeinsamen Verteidigung gegen Angriffe aller Art, mit denen die Staaten der Europäischen Union und Nordamerikas sie überziehen. Sie beinhaltet außerdem das gemeinsame Streben, die vom Westen zementierte Ordnung der Welt zu zerbrechen, die sie beide – wie auch viele weitere Länder – untenhalten soll. Nein, denn der gemeinsamen Frontstellung gegen die Staaten des Westens liegt das kühl definierte Interesse zugrunde, jeweils den eigenen Staat zu behaupten, die Ziele des jeweiligen Landes gegen äußere Widerstände durchzusetzen. Dieses grundlegende Interesse teilen beide, das indes von anderen Interessen, die divergieren, überlagert wird.
Da wäre etwa die Erdgaspipeline Power of Siberia 2, die seit vielen Jahren in Planung ist. Putin will am Mittwoch mit Xi zum wiederholten Mal über sie verhandeln. Russland braucht sie dringend, um verlorene Exporte nach Europa zu ersetzen. China bremst: Es will nicht in allzu starke Abhängigkeit von Russland geraten. Warum? Bloß ein Beispiel: Moskau setzt im Äußeren – siehe die Ukraine, Syrien, Mali – mangels wirtschaftlicher Macht stark auf sein Militär. Das kann schiefgehen – siehe Syrien. China setzt auf die solide Kraft seiner Ökonomie, nicht auf militärische Abenteuer. Es gibt allerlei weitere Differenzen. China ist Russlands größter Handelspartner und für Moskau daher unverzichtbar. Umgekehrt treibt China keine fünf Prozent seines Handels mit Russland; Beijing ist darauf nicht angewiesen. Dass der russisch-chinesische Handel beinahe vollständig in chinesischen Renminbi Yuan abgewickelt wird, ist für Moskau überlebensnotwendig, für Beijing, weil dies den US-Dollar ein wenig schwächt, eine Aufstiegschance.
Das russisch-chinesische Bündnis ist zur Zeit in der Tat solide. Es gründet aber in Interessen, die sich ändern können. Man muss sie – und nur sie – immer genau beobachten. Alles andere, das Gerede von Freundschaft etwa, gehört ins Reich der schönen Ideen.
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