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Katholische Kirche

Vatikan exkommuniziert erzkonservative Bischöfe

Foto: Cyril Zingaro/Keystone/dpa-Bildfunk
Aus Sicht der katholischen Kirchenleitung ein Akt der Abspaltung: Bischofsweihe der Piusbruderschaft in der Schweiz (Riddes, 1.7.2026)

Rom. Sie haben ein unmissverständliches Verbot von Papst Leo XIV. ignoriert und bezahlen dafür nun mit der Verbannung aus der katholischen Kirche. Die erzkonservative Piusbruderschaft hat gegen den Willen des Pontifexes vier neue Bischöfe geweiht und damit einen »schismatischen Akt«, also eine Abspaltung von der Kirche, vollzogen. Der Vatikan hat nach der Weihe nun die Exkommunikation der sechs Beteiligten bestätigt und festgestellt, dass die gesamte Glaubensgemeinschaft formell mit der Kirche gebrochen hat.

Es ist eine Eskalation mit Ansage: Bereits vor Wochen hatte die mächtige Behörde für Glaubenslehre im Vatikan klargemacht, dass eine Bischofsweihe ohne Mandat und gegen Willen des Papstes den automatischen Kirchenausschluss nach sich zieht. Dennoch hielt die traditionalistische Glaubensgemeinschaft an ihrem Schritt fest und weihte am Mittwoch im schweizerischen Écône im Kanton Wallis vier Geistliche zu Bischöfen.

Letzte Warnung ignoriert

Noch am Dienstag wandte sich Leo mit einem Brief an den Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, und warnte vor einem Bruch. »In diesem Geist und erfüllt von christlicher Liebe bitte ich euch und ersuche euch von ganzem Herzen: Kehrt um!« Eine Abspaltung stelle eine »Sünde von äußerster Schwere« dar, so der Pontifex. Doch nichts half, die Männer ignorierten den Papst.

Weltweit gehören nach Angaben der Gemeinschaft heute mehr als 700 Priester der Piusbruderschaft an. Bis zum Mittwoch zählten die Piusbrüder zwei Bischöfe. Die Weihe vier neuer Bischöfe begründeten sie mit einer aus ihrer Sicht bestehenden Notlage: Um den Fortbestand der Gemeinschaft zu sichern, seien die Weihen notwendig, denn nur Bischöfe können neue Priester weihen.

Die Bischofsweihen am Mittwoch stellten laut Beobachtern eine erste große Bewährungsprobe für den ersten US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri dar. Er war im Mai vergangenen Jahres gewählt worden, um die Einheit der Kirche zu stärken. Er bemüht sich darum, Spannungen mit traditionalistischen Katholiken zu überwinden, die sich unter Papst Franziskus (2013–2025) verschärft hatten.

Alternativloser Beschluss

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Doch mit der unerlaubten Weihe blieb dem Papst und Vatikan keine andere Wahl. Denn die Piusbrüder lehnen praktisch alle Entwicklungen und Errungenschaften in der katholischen Kirche seit den 1960er Jahren vehement ab. Eine Ideologie, die der Papst als Oberhaupt dieser katholischen Kirche schlichtweg nicht akzeptieren kann. Außerdem ist der Ausschluss aus der Kirche mit der Tat automatisch gewesen – latae sententiae.

In einem Dekret bestätigte der Vatikan am Donnerstag die Exkommunikation von sechs Bischöfen: des spanischen Bischofs Alfonso de Galarreta, der die Weihe ausführte, und der neuen Bischöfe Pascal Schreiber (Schweiz), Michael Goldade (USA) sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier (beide Frankreich). Auch Bischof Bernard Fellay (Schweiz) ist betroffen.

Zugleich stellte der Vatikan klar, dass sich nach der Weihe alle Kleriker der Bruderschaft »im Schisma befinden und daher als Schismatiker zu betrachten sind«. Auch sie unterliegen damit der im Kirchenrecht vorgesehenen Exkommunikation. Die Behörde für Glaubenslehre sprach gleichzeitig eine Warnung an all jene aus, die sich den Schismatikern anschließen.

Unterstützung für die Entscheidung zur schweren Kirchenstrafe signalisierten bereits im Vorfeld mehrere Kirchenmänner. Der deutsche Kardinal Gerhard Müller sagte dem Corriere della Sera: »Der Papst muss sie exkommunizieren, die Exkommunikation ist automatisch.« Die Piusbrüder seien fixiert und folgten ihrer Ideologie, ihr Einlenken sei von vornherein ausgeschlossen gewesen.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin – die Nummer zwei im Vatikan – sagte nach der Weihe, die Aktion der Piusbrüder sei ein großer Schmerz, »weil ein solcher Akt die Einheit der Kirche tief verletzt«. Er fügte aber auch hinzu: »Meine Hoffnung ist, dass trotz dessen, was geschehen ist, der Dialog wiederaufgenommen werden und eine Lösung gefunden werden kann.«

Worum geht es den Piusbrüdern?

Seit Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. – so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft – und dem Vatikan. Gegründet wurde die Gemeinschaft 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre. Konkret geht es darum, dass die Piusbrüder bis heute zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ablehnen.

Dieses wichtige Konzil veränderte unter anderem die Beziehungen zu anderen Christen, Juden und weiteren Religionen sowie zur Laienwelt grundlegend und erlaubte zudem die Feier der Messe in Landessprachen statt auf Latein.

Bereits 1988 hatte Lefebvre gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht. Er und die neu geweihten Bischöfe wurden daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die schwere Kirchenstrafe 2009 aber als Zeichen der Versöhnung wieder auf. Die Entscheidung des deutschen Papstes löste weltweit Kritik aus, weil unter den damals geweihten vier Bischöfen auch der britische Holocaustleugner Richard Williamson war. (dpa/jW)

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Erschienen am 03.07.2026, Feuilleton

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