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18.05.2026
- → Leserbriefe
Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Gebt uns fünf Jahre ohne Blockade«
→ Zu jW vom 12.5.: »›Energiemangel als Zwangsinstrument‹«
Die schönen Worte des UN‑Generalsekretärs António Guterres – obwohl es mich wundert, dass er sich traut sie auszusprechen – nützen uns in Kuba nichts. Wir sollen systematisch umgebracht werden, wenn wir die Bedingungen der USA nicht erfüllen. Verhandlungen gibt es nicht. Wenn es in Europa und den USA nicht gelingt, die Menschen gegen den systematischen Mord – schön langsam, damit wir auch richtig leiden – zu mobilisieren, wird die Welt der Vernichtung eines weiteren Volkes zusehen, das immer nur anderen Völkern geholfen hat. Eine Schande!
Ein neuer Tag mit 15 bis 20 Stunden ohne Strom, 34 Grad Celsius im Schatten, Wasserproblemen, denn dafür braucht man auch Strom, und eine Nacht mit vielen Moskitos erwartet uns. Das ist nur das normale Elend. Wenn man krank wird, ist alles noch schlimmer. Wir geben nicht auf, haben am Wochenende den Muttertag mit Inbrunst und lauter Musik gefeiert und besonders in den Gemeinden hängen sich alle rein, um das Leben für alle erträglicher zu machen. Wir träumen weiter. Gebt uns fünf Jahre ohne Blockade, fünf Jahre, in denen wir leben können wie andere, und wir wären ein prosperierendes Land mit bescheidenem Wohlstand für alle. Gebt uns eine Chance!
Renate Fausten, Havanna
»So dermaßen lost«
→ Zu jW vom 13.5.: »DGB pfeift auf Merz«
Wenn das bisschen Hohngelächter, Buhrufe und Pfiffe alles war, was der Bundeskongress des DGB an Widerstand zu bieten hatte, dann sind wir alle aber so dermaßen lost.
A. Pietsch, Berlin
Kommunisten
→ Zu jW vom 13.5.: »Partei der Arbeit Schweiz fordert ESC-Boykott wegen Israels Teilnahme«
Chapeau, Elke Kahr! Bravo! Meine ganze Hochachtung: Wir sind nicht irgendwelche Linke, wir sind Kommunisten! Das sollte auch für alle deutlich werden. Solidarische Grüße nach Graz.
Ulrich Manz, Odenwald
»Zu Lasten der Wohnungssuchenden«
→ Zu jW vom 12.5.: »Wir brauchen mehr Platz!«
In den etwa 43 Millionen Wohneinheiten der Bundesrepublik – verteilt auf 16 Millionen Einfamilienhäuser und drei Millionen Mehrfamilienhäuser – stehen statistisch etwa 50 Quadratmeter Wohnfläche pro Person zur Verfügung. In England, Spanien, Schweden und Frankreich kommen etwa 33 Quadratmeter auf jeden Einwohner. 1972 waren es in der Bundesrepublik noch 27 Quadratmeter. Nicht der Wohnraummangel ist das Problem, sondern seine bedarfsgerechte Verteilung. Zudem hat sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche seitdem verdoppelt. Und noch immer überschreitet der Flächenverbrauch, die Versiegelung naturnaher Flächen, den von der Bundesregierung vorgegebenen Wert von 30 Hektar pro Tag um das Doppelte! Dagegen könnten allein durch die Nutzung des vorhandenen Gebäudebestandes, durch die Sanierung und Aufstockung sowie die Umnutzung nicht mehr benötigter Büro- und Gewerbebauten 2,8 Millionen Wohnungen geschaffen werden – so die einschlägigen Fachleute. Doch das »Bauen auf der grünen Wiese« verspricht für eine allein profitfixierte Finanz-, Immobilien- und Bauwirtschaft noch immer die höchsten Renditen. Die gebotene soziale und ökologische Wende in der Baupolitik der Bundesrepublik ist deshalb nicht zu erwarten. Weiterhin zu Lasten der Wohnungssuchenden, der Umwelt und des Klimas.
Christian Helms, Dresden
»Weil sie als normal erscheint«
→ Zu jW vom 15.5.: »Sag mir, wo du stehst«
Herrschaft funktioniert ökonomisch (Karl Marx) und kulturell (Gramsci). Medien transportieren Ideologie und stabilisieren den Kapitalismus. Sie gehören meist den Kapitalisten und spiegeln deren Interessen wider, sagt Karl Marx. Gramsci sagt, dass Herrschaft nicht nur durch Gewalt oder Staat erfolgt, sondern durch Zustimmung der Beherrschten. Die dominierende Ideologie der Bourgeoisie in Kultur und Medien wirkt »unsichtbar«, weil sie als normal erscheint. Die Dialektik ist, dass die (wirtschaftliche) Macht mittels Medien ideologisch transportiert und kontrolliert wird. Weil aber die Macht auf Ausbeutung der Arbeiterklasse beruht, kann sie durch kritisches Bewusstsein und Handlungen (Klassenbewusstsein) durchbrochen werden. Klassenbewusstsein und Wissen über Entstehung von Macht ist für mich beim DGB Kongress nicht zu erkennen. Alles wird auf der Erscheinungsebene behandelt. Ich erkenne hier nur die Ideologie der Zustimmung zum System, obwohl viele ausgebeutet werden. Ein wenig Hoffnung gibt die Tatsache, dass der Kapitalismus durch seine Gegensätze den eigenen Sarg mit sich rumschleppt.
Manni Guerth, Hamburg
»Kopf und Glieder«
→ Zu jW vom 11.5.: »Mit Geld zuschütten«
Mit Geld zuschütten – das ist das einzige, was BRD-Regierungen richtig gut können. Sie haben nie etwas anderes gelernt als das. Ihnen fehlt auch jegliche Vorstellung davon, dass andere Regierungskünste gefragt sein könnten. Dann ist es auch noch Geld, das aus der Zukunft genommen werden muss, weil die Rekordsteuereinnahmen schon verbraten sind und vom Apparat (Staat, Parteien und deren Organisationen) absorbiert werden – bei äußerst fragwürdigen Ergebnissen. Bei den Sozialversicherungen sieht es genauso aus. Dieser Parteienstaat hat sich selbst einbetoniert: Kopf und Glieder. Er redet eh nur noch mit sich selbst und hält sich für die beste aller möglichen Welten. Und merkt nicht einmal, wie weltfremd er ist. Wunderwaffen sollen es jetzt richten, hat ja schon mal prima funktioniert. Eigentlich könnte Rheinmetall auch offiziell die Regierung übernehmen, macht eh keinen Unterschied.
André Möller, Berlin
Eigentlich könnte Rheinmetall auch offiziell die Regierung übernehmen, macht eh keinen Unterschied.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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