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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Was tun? I

→ Zu jW vom 8.5.: »Opfer der ›Wende‹«

Wir haben als Kommunisten mit der DDR gelitten, was dort nach 1990 passierte. Gnadenlos ging man gegen kommunistische, antifaschistische Widerstandskämpfer vor. Ich denke an das Schicksal des jüdischen Kommunisten Hermann Axen, inhaftiert in den KZ und Vernichtungslagern Auschwitz und Buchenwald. Sein gesamtes Vermögen wurde ihm und seiner Frau Sonja geraubt. Der Lyriker Durs Grünbein machte sich lustig über einen Antifaschisten, der unter einer Drüsenkrankheit litt. Die PDS wollte Axen aus der Partei ausschließen. Gerne hätte man ihn verhaftet, eingesperrt, was aufgrund seiner Krankheit nicht möglich war. Ich litt unter der Eiseskälte von ehemaligen Genossen, die aus der DKP austraten, und erkrankte schwer. Nicht nur in der DDR, die laut Nelson Mandela und Ho Chi Minh das bessere Deutschland der Solidarität mit den Völkern Südafrikas und Vietnams war. In der BRD erkrankten viele GenossInnen. Einzelne gingen in den Freitod, ich musste von Juni bis September 1992 in die psychiatrische Klinik Dr. Heines, weil ich unter Depressionen und Angstattacken litt. Danach folgten Jahre der Psychotherapie, die einem das politische Arbeiten unmöglich machten. Dankbar bin ich meinem Genossen Willi Gerns, Opfer des KPD-Verbots mit fast drei Jahren Gefängnis, der half, die politische Arbeit in der DKP wieder aufzunehmen.

Im Sinne von kommunistischen Widerstandskämpfern gegen Krieg und Faschismus putzen wir Stolpersteine, reinigen eine KZ-Gedenkstätte und halten zwei Wege sauber, die nach enthaupteten Genossen im Zuchthaus Brandenburg benannt sind. Es bleibt ein »Jammern auf hohem Niveau«, wenn man seine Durchschnittsrente aufgrund politischer Diskriminierungen beklagt. Von einer in den Selbstmord getriebenen Frau in der DDR blieb als Zettel die Botschaft liegen: »Wir hatten nicht alles, aber sehr viel!«

Gerd-Rolf Rosenberger, Bremen

»Biographien zerstört«

→ Zu jW vom 8.5.: »Opfer der ›Wende‹«

Danke an Gerhard Feldbauer für den sehr lesenswerten Artikel. Ich habe beim Lesen oft innehalten müssen. Wer aber würdigt die vielen ungenannten Genossen wie Abteilungsleiter, Partei- und FDJ-Sekretäre, Pionierleiter und andere, die mit ihrem Engagement für das Funktionieren unserer sozialistischen Gesellschaft Verantwortung übernahmen und deren Biographien durch den Wahn westdeutscher Politiker und deren Helfershelfer zerstört worden sind?

Ralf Wegewitz, Rothenstein

Palast zerstört

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→ Zu jW vom 23.4.: »Der totale Wahnsinn«

Nach der feindlichen Übernahme der Deutschen Demokratischen Republik hätte man wissen können, was auf uns, die Bevölkerung der DDR, zukommt. Allerdings hätte ich nicht erwartet – und das war naiv –, dass man ein in jeder Hinsicht großartiges Gebäude wie den Palast der Republik vernichten würde. Bei den Bestimmern dieser Unkultur Achtung für eine architektonisch hervorragende Leistung vorauszusetzen, unterschätzt ihren Hass auf alles, was in der DDR geschaffen wurde. Ich war als Nichtberliner viele Male im Palast der Republik und habe Konzerte im Großen Saal, Restaurantbesuche oder einfach nur den Aufenthalt dort genossen. Immer wird mir die einzigartige Atmosphäre in diesem Kulturpalast in Erinnerung bleiben.

Christel Harke, Aschersleben

Was tun? II

→ Zu jW vom 9./10.5.: »Appetit auf mehr«

Diese BRD kann nicht nur »nicht aufhören zu siegen«, wie Gregor Gysi sagte, sie ist auch regelrecht zerfressen vom Hass auf alles, was einmal DDR und Sowjetunion gewesen ist. Ein paar ältere Ossis werden sich erinnern: Zu keiner Zeit ist in der DDR ein solcher Hass auf die US-Amerikaner geschürt worden, nicht einmal während deren gnadenloser Kriegführung gegen Vietnam, wie er heutzutage von der BRD gegen alles Russische geschürt wird. Was für jeden sichtbar sein müsste: Der Wertewesten kann viel stärker hassen, als es der Osten jemals vermochte.

Dieser Hass, den das Volk nachvollziehen und verinnerlichen soll (denn das ist der Zweck dieses fortgesetzten Siegens und Vernichtens!), erschreckt mich zutiefst! Leute, seht ihr nicht, was sich da zusammenbraut? Ich (76) kann mich höchstens noch mal schriftlich äußern, doch falls es euch Jüngeren möglich ist, steht dagegen auf! Der (nunmehr schon dritte) Schulstreik gegen Wehrpflicht macht zwar Hoffnung, aber es gibt immer noch viel zu viele Gleichgültige. Wenn weiterhin gilt, dass »Privat vor Katastrophe« geht, wird es böse für uns alle enden.

In der DDR Aufgewachsene kennen noch die Worte von Julius Fučík: »Menschen, ich hatte euch lieb. Seid wachsam!« Es ist nicht jedem gegeben, ein Kämpfer zu sein, mir auch nicht, aber wenn die Menschen doch ihre Gleichgültigkeit überwinden und wenigstens wachsam sein wollten!

Margitta Mattner, per E-Mail

»Mehr als der Antiimperialismus«

→ Zu jW vom 12.5.: »Was sind die Ziele dieses Netzwerks?«

Es ist alles zu begrüßen, was geeignet wäre, sich dem entfesselten Imperialismus à la Trump entgegenstellen zu können. Da aber schon vom Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu sprechen, ist wohl doch etwas hoch gegriffen. Um dorthin marschieren zu können, müsste man dann schon wissen, was Sozialismus ist. Er ist nämlich weitaus mehr als der Antiimperialismus, auf den man sich zunächst wohl verständigen konnte.

Joachim Seider, Berlin

Ich war als Nichtberliner viele Male im Palast der Republik und habe Konzerte im Großen Saal, Restaurantbesuche oder einfach nur den Aufenthalt dort genossen. Immer wird mir die einzigartige Atmosphäre in diesem Kulturpalast in Erinnerung bleiben.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.05.2026, Seite 14, Leserbriefe

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