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Kunst

Valie Export gestorben

Die österreichische Medien- und Performancekünstlerin Valie Export ist im Alter von 85 Jahren in Wien gestorben, wie die Valie-Export-Stiftung am Donnerstag mitteilte. Valie Export gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen feministischer Aktions-, Medien- und Performancekunst.

Valie Export wurde am 17. Mai 1940 als Waltraud Lehner in Linz geboren. Ihr Werk umfasst nicht nur Performance, sondern auch Film, Fotografie und Medienkunst. Zunächst absolvierte sie die Linzer Kunstgewerbeschule, heiratete mit 18 Jahren und bekam eine Tochter. Nach der Trennung von ihrem damaligen Ehemann ging sie 1960 nach Wien, wo sie Schülerin an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie war. Später arbeitete sie für den Künstler Friedensreich Hundertwasser. 1967 gab sie sich den Künstlernamen Valie Export. Sie wollte weder den Nachnamen ihres Vaters noch den ihres Exmannes tragen. Ihr Bild der abgewandelten Zigarettenmarke »Smart Export« hängt heute im Museum of Modern Art in New York.

Bereits 1968 löste sie einen Skandal aus, als sie sich ihr »Tapp- und Tastkino« vor die nackte Brust schnürte. 33 Sekunden lang konnten Passanten in der Wiener Innenstadt durch einen kleinen Vorhang in den Kasten greifen und ihren entblößten Oberkörper ertasten.

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Für ihre Aktion »Genitalpanik« spazierte sie 1969 mit einer aufgeschnittenen Hose in München während eines Filmfestivals in einen Kinosaal und präsentierte ihr Schamhaar. Ihr Motto lautete: »Kunst muss aggressiv sein.« Zusammen mit dem Kunsttheoretiker Peter Weibel legte sie noch einen drauf: »kunst, die fürs überleben sorgt, wird zur paramilitärischen aktion«, formulierten die beiden gemeinsam.

Im Kurzfilm »Remote, ­Remote« schnitt sie 1973 vor dem Hintergrund eines Polizeifotos von zwei Kindern, die von ihren Eltern misshandelt wurden, mit einem Messer in ihre Fingernagelhaut, bis Blut in eine Schüssel Milch auf ihrem Schoß tropfte. In der Wiener »Galerie nächst St. Stephan« organisierte sie 1975 eine Gruppenausstellung feministischer Kunst.

Valie Export nahm an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Filmfestivals teil, darunter an der ­Documenta (1977 und 2007), im Centre Pompidou und im Museum of Modern Art. 1980 gestalteten sie und Maria Lassnig als erste Frauen überhaupt den österreichischen Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig. Auf der Biennale in Venedig rückte sie 2007 wieder ins Scheinwerferlicht. Mit einer Kamera im Rachen rezitierte sie ein Gedicht über die Stimme. Später lehrte sie unter anderem in Berlin und Köln als Professorin für Medien- und Performancekunst. Ein Nachruf folgt. (jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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