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Aus: Ausgabe vom 27.02.2026, Seite 9 / Schwerpunkt
Kuba-Solidarität

»Internationale Solidarität kann kollektive Bestrafung überwinden«

Eine internationales Bündnis organisiert humanitäre Hilfe weltweit, um kubanische Gemeinden angesichts der verschärften US-Blockade zu unterstützen. Ein Interview mit James Schneider
Von Carmela Negrete
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Auch Mexiko hilft Kuba mit Hilfsgütern per Schiff. Die ARM »Papaloapan« verlässt am Dienstag den Hafen von Veracruz

Was ist der »Nuestra América Convoy to Cuba«, und warum ist diese Initiative gerade jetzt wichtig?

Der »Nuestra América Convoy to Cuba« ist eine globale Initiative, die humanitäre Hilfe auf dem Luft-, Land- und Seeweg nach Kuba organisiert, die Havanna am 21. März 2026 erreichen soll. Was als »Nuestra América Flotilla« begann, hat sich inzwischen zu einer breiteren und ambitionierteren internationalen Initiative entwickelt, an der Bewegungen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Parlamentarierinnen und Parlamentarier, humanitäre Organisationen, medizinisches Fachpersonal, Künstlerinnen und Künstler, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus der ganzen Welt beteiligt sind. Der Konvoi wird dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente, medizinische Hilfsgüter und andere lebenswichtige Güter an Gemeinden liefern, die infolge der verschärften US-Blockade unter akuten Engpässen leiden. Jüngste Maßnahmen haben die Treibstoffimporte nach Kuba erheblich beeinträchtigt, Flüge zum Erliegen gebracht und Krankenhäuser sowie kritische Infrastrukturen enorm belastet. Anfang dieses Monats warnten UN-Experten, dass die US-Maßnahmen gegen Kuba eine schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts und eine ernste Bedrohung für eine demokratische und gerechte internationale Ordnung darstellen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte wies darauf hin, dass die Arbeit von Intensivstationen und Notaufnahmen beeinträchtigt sei, ebenso wie die Produktion, Lieferung und Lagerung von Impfstoffen, Blutprodukten und anderen temperatursensiblen Medikamenten. In diesem Kontext ist der Konvoi sowohl eine humanitäre Antwort als auch ein politisches Signal: ein Beweis dafür, dass internationale Solidarität die kollektive Bestrafung überwinden kann.

Welche internationale Resonanz gibt es auf Ihren Vorschlag, einen Konvoi nach Kuba zu schicken?

Die Beteiligung wächst täglich. Eine endgültige, bestätigte Zahl teilnehmender Länder oder Delegierter liegt noch nicht vor, da sich jeden Tag weitere Organisationen und Einzelpersonen bei uns melden. Die Mobilisierung ist bewusst breit und offen angelegt. Delegationen werden auf verschiedenen Kontinenten organisiert, während Sammelstellen und Beschaffungsinitiativen bereits in mehreren Ländern laufen. Der Konvoi baut auf Beziehungen auf, die auf der jüngsten Nuestra-América-Konferenz in Bogotá geknüpft wurden, bei der Regierungen, Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie soziale Bewegungen zusammenkamen, um die regionale Zusammenarbeit zu stärken und erneuter US-Aggression auf der Grundlage der Monroe-Doktrin zu widerstehen. Parlamentarische Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Ländern haben ihre Unterstützung bekundet, und wir erwarten sowohl zivilgesellschaftliche als auch politische Delegationen in Havanna.

Wie wird das Ganze praktisch funktionieren?

Die Hilfsgüter werden im Rahmen einer koordinierten internationalen Anstrengung per Schiff und per Flugzeug transportiert. Weitere Details zu konkreten Logistikfragen, Routen und Partnerorganisationen werden wir in den kommenden Tagen bekanntgeben. Die Ausweitung von einer Flottille zu einem umfassenden Konvoi spiegelt das Ausmaß der globalen Solidarität und die Notwendigkeit wider, Hilfe über mehrere Kanäle zu leisten. Der Konvoi wird genehmigte humanitäre Hilfsgüter liefern, darunter haltbare Lebensmittel, Medikamente, Erste-Hilfe-Materialien, Batterien und solarbetriebene Geräte. Diese Güter wurden gezielt ausgewählt, um akute Engpässe in Krankenhäusern, bei Familien und Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge zu lindern. Derzeit konzentrieren wir uns darauf, weltweit so viel Hilfe wie möglich zu mobilisieren. Sobald sich die Lage weiterentwickelt und die Lieferungen finalisiert sind, werden wir genauere Angaben zu Volumen und Wert machen können. Unsere Priorität ist, sicherzustellen, dass die Hilfsgüter diejenigen Gemeinden erreichen, die am stärksten von Treibstoffmangel, Störungen im öffentlichen Gesundheitssystem und Einschränkungen bei lebenswichtigen Importen betroffen sind.

Der Konvoi hat prominente Unterstützung erhalten. Was bedeutet diese internationale Unterstützung?

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie die US-Kongressabgeordnete Rashida Tlaib, die Klimaaktivistin Greta Thunberg, der britische Abgeordnete Jeremy Corbyn, die ehemalige Bürgermeisterin von Barcelona Ada Colau, die kolumbianische Abgeordnete María Fernanda Carrascal sowie David Adler, einer der Organisatoren der Mission, haben ihre Unterstützung bekundet. Auch Gewerkschaftsvertreter wie Euan Gibb von Public Services International sowie Megan Romer und Ashik Siddique von den Democratic Socialists of America unterstützen die Initiative. Gemeinsam betonen sie, dass Sanktionen und Blockaden unverhältnismäßig stark Familien, Krankenhäuser und verletzliche Gemeinschaften treffen. Ihre Stellungnahmen unterstreichen die humanitäre Dimension des Konvois und die Dringlichkeit, Lebensmittel, Medikamente und lebenswichtige Güter zu liefern. Die Mission knüpft an den Geist der »Global Sumud Flotilla« nach Gaza an und trägt eine breite Botschaft: dass Belagerungstaktiken weder normalisiert noch Schule machen dürfen.

Was ist für das Zusammenkommen am 21. März entlang des Malecón in Havanna geplant?

Dieses Zusammenkommen soll ein öffentlicher Akt der Solidarität mit dem kubanischen Volk werden. Vorbereitet werden kulturelle und politische Aktivitäten. Internationale Medien erhalten Zugang, um über die Ankunft und die begleitenden Veranstaltungen zu berichten. Weitere detaillierte Informationen zum Programm, zu Rednerinnen und Rednern sowie zur Logistik werden in den kommenden Tagen veröffentlicht.

Welche Botschaft soll von diesem Konvoi ausgehen?

Die Botschaft ist klar: Wir dürfen keine Zeit verlieren. Während sich die Einschränkungen verschärfen und die Engpässe die Not verschlimmern, organisieren sich Menschen auf der ganzen Welt, um Hilfe zu bringen, die Isolation zu durchbrechen und das Recht des kubanischen Volkes auf Selbstbestimmung zu bekräftigen. Der »Nuestra América Convoy to Cuba« ist nicht das Projekt einer einzelnen Organisation. Er ist eine kollektive Anstrengung, die im Internationalismus und in humanitären Prinzipien verwurzelt ist. Vor allem soll er zeigen, dass Solidarität nicht symbolisch ist – sie ist praktisch, organisiert und in der Lage, jede Grenze zu überwinden.

Wie können Menschen den »Nuestra América Convoy« unterstützen?

Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Unterstützerinnen und Unterstützer können eine Delegation planen und organisieren, um nach Kuba zu reisen, die Mission in den sozialen Medien teilen und verbreiten sowie Spenden bereitstellen, um die Beschaffung und den Transport lebenswichtiger humanitärer Güter zu ermöglichen. Zudem können Menschen Bildungsveranstaltungen in ihren Gemeinden organisieren, um auf die Auswirkungen der US-Blockade auf Kuba aufmerksam zu machen, lokale Solidaritätsnetzwerke für Kuba stärken oder gründen und Sammelaktionen für genehmigte Hilfsgüter koordinieren. Der Konvoi ist als offene internationale Mobilisierung konzipiert, und die Teilnahme ist nicht auf große Organisationen beschränkt. Auch Gemeinschaftsgruppen, Gewerkschaften, Studierendenvereinigungen, medizinisches Fachpersonal, Künstlerinnen und Künstler, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Kulturschaffende sind eingeladen, sich zu beteiligen und Teil dieses kollektiven Einsatzes internationaler Solidarität zu werden.

James Schneider ist Kommunikationsdirektor der Organisation Progressive International und Teil des »Nuestra América Convoy to Cuba«

Mehr Infos: nuestra­americaconvoy.org

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