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Chemotherapeutin des Tages: Julia Ruhs

Foto: Lindenthaler/IMAGO
Die verfolgende Unschuld: Julia Ruhs

Endlich klar sagen, was Sache ist – der Sound aller Zeloten. Es geht gerade nicht darum, Wirklichkeit abzubilden. Dann nämlich wäre man nicht klar, sondern adäquat. Jedes Thema wird komplex, sobald man sich wirklich darauf einlässt. Und in einfachen Sätzen dann auch nicht mehr abbildbar. Nun hat der BR die nächste Sendung seines Formats »Klar« annonciert. Moderatorin: Julia Ruhs. Die aufrechte Verfasserin des Buchs »Links-grüne Meinungsmacht«, die den linksgrün versifften Mainstream in der ARD bei der ARD bekämpft, war im September vom NDR abgesetzt worden, der BR hielt an ihr fest.

Migranten, Bauern, Corona. In den ersten Ausgaben hatte Ruhs geläufige rechte Narrative aufgerufen, die kommende heißt: »Wo Islamisten Deutschland unterwandern«. Sie strickt also weiter an ihren ganz speziellen Wahrheiten, während die ARD sich was auf ihre False balance zugute halten kann. Das muss diese Unterdrückung sein, von der rechterhand immer geredet wird.

Es gibt etwa 28.000 Islamisten in Deutschland, extrem rechte Aktivisten um die 50.000. Bis zu 224 Menschen sind seit 1990 durch Gewalt von rechts ums Leben gekommen, bei islamistisch motivierten Aktionen 15. Kaum zufällig werden im Titel Islamismus und Zuwanderung verknüpft. An Reportagen über islamistische Milieus herrscht bei der ARD kein Mangel, Zeloten wie Ruhs raten darüber hinaus an, quasi chemotherapeutisch eine ganze Bevölkerungsgruppe abzuschieben, um die wenigen Islamisten mitzutreffen. Nur so ergibt der Unsinn Sinn, denn dass moderate Abschottung oder selektive Abschiebung ein Durchrutschen von Islamisten nicht verhindern könnten, ist evident. Das herbeigerufene Mittel aber scheint der eigentliche Zweck: nicht die kleine Menge mit der großen, die große mit der kleinen will man treffen. Und kann so strikt fremdenfeindlich sein, ohne es offen sein zu müssen.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.04.2026, Seite 3, Ansichten

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