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09.06.2026
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Scheue Rehe des Tages: Superreiche
Geld stinkt nicht, soll Vespasian gerufen haben, als sein Sohn die vom kaiserlichen Vater erhobene Urinsteuer kritisierte. Die Anekdote widerspiegelt zugleich das Verhältnis von Gebrauchswert und Wert. Geld, das allgemeine Äquivalent, ist ein Gleichmacher. Es liquidiert die besondere Qualität der brauchbaren Dinge in einem Maßsystem, worin Qualität sich nur noch in Quantität ausdrücken kann. So funktioniert das seit Jahrtausenden, es gibt nur ein Problem: Die Menschen haben eins damit.
So treibt man denn auch einigen Aufwand, die Herkunft von Reichtümern zu verschleiern. In Deutschland gibt es der Forbes-Liste zufolge etwas mehr als 200 Milliardäre, rund 5.000 Menschen besitzen nach dem »Global Wealth Report« der Boston Consulting Group mehr als 100 Millionen US-Dollar. Das oberste Prozent der Vermögensskala hält 35 Prozent des gesamten Nettovermögens, die untere Hälfte 1,5 Prozent. Wer wissen will, was Akkumulation bedeutet: das.
Reichtum indessen scheint nicht immer stolz zu machen. Eine auffällig große Gruppe in der Kohorte der Hochvermögenden kommt in der Öffentlichkeit nicht vor: mehr als ein Viertel. Privatsphäre ist ein nettes Gut, wer der Güter aber viele hat, hat größere Hebel in der Gesellschaft, die dürfte also ein Recht haben zu wissen, wer da wie schaltet. Emma Ischinsky vom Kölner Max-Planck-Institut ist der Frage nachgegangen, ob sich die unsichtbare Gruppe in der Kohorte gleichmäßig verteilt. Dazu sortierte sie die Vielbesitzenden nach Gründungsdatum ihrer Unternehmen. Wer konnte ahnen, dass Familien, deren Unternehmen zwischen 1918 und 1945 gegründet wurden, in den Medien vergleichsweise selten auftauchen? Profit aus der Zeit von Zwangsarbeit, Weltkriegsboom und Arisierung scheint erstaunlicherweise mit Scham verbunden. Immerhin weiß man jetzt, was man schon wusste.
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