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Paläontologie

Letzte Besatzung

Analyse von Mammutknochen belegt menschliche Präsenz während der Eiszeit in Mitteleuropa

Foto: (c) Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege/dpa
Ausgrabung eines zweieinhalb Meter langen Mammutstoßzahns (Riekofen, 18.3.2020)

Menschliche Frühgeschichte ist vieles: Faustkeil, Sammeln und Jagen, Beginn der Sesshaftigkeit durch Verteilung von Weideland und damit Ursprung des Gesetzes – nicht zufällig steckt im griechischen »Nomos« die ursprünglich Bedeutung »weiden«. Auch Völkerwanderungen gehören ins Starterkit der Kulturgeschichte. In Gang gesetzt von Naturkatastrophen oder einfallenden Horden, purzelten die Reiche wie Dominosteine, ganze Kontinente kamen in Bewegung. So im Frühmittelalter, so in der Mykenischen Zeit. Doch die Geschichte der Völkerwanderungen reicht deutlich weiter zurück, in Zeitabschnitte, als an größere staatliche Systeme noch nicht zu denken war.

Die letzte Eiszeit zum Beispiel zwang die Bewohner von Mittel- und Nordeuropa zum langen Marsch gen Süden, hinter den Wall, den die Alpen bilden. Nicht allein die langsam übers Land walzenden Gletschermassen machten den Norden unbewohnbar, auch die Kälte. In Europa lagen die winterlichen Durchschnittstemperaturen bei 20 Grad minus. Um so erstaunlicher nimmt sich die Untersuchung eines bei Regensburg gefundenen Mammutskeletts aus. Sie belegt eine menschliche Präsenz während der Eiszeit im Europa nördlich der Alpen.

Bislang ging die Forschung auf Grundlage archäologischer Funde davon aus, dass im Zeitraum von 25.000 bis 23.500 Jahren vor heute – ein Zeitabschnitt, der ins späte Gravettien fällt – keine Menschen im Raum des heutigen Süddeutschlands lebten. Eine Forschungsgruppe um Kerstin Pasda von der Universität Erlangen-Nürnberg hat mit ihrer Untersuchung erwähnter Mammutknochen dieses Wissen in Frage gestellt, nicht grundsätzlich allerdings. Die paläontologischen Spuren werden als Beleg einer letzten Präsenz von Steinzeitmenschen in der Region eingeordnet. Entdeckt wurden die Knochen 2020 bei Bauarbeiten im nahe Regensburg gelegenen Ort Taimering. 72 teils gut konservierte Fragmente, darunter einen 2,5 Meter langer Stoßzahn, legten die Forscher frei. Die feuchten Böden der Region sind förderlich für die Konservierung von Fossilien, da sie die Knochen vom Sauerstoff abschotten, ohne den aerobe Bakterien und Pilze biologische Stoffe nicht zersetzen können.

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Die Mammutfragmente befinden sich derzeit in den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, wo auch die Analyse stattfand. Bei den gefundenen Spuren handelt es sich um Einkerbungen und Einritzungen. Nach Berücksichtigung von Position und Muster können sie weder durch die Ausgrabung noch auf natürlichem Weg entstanden sein: Scharfe Ränder und ziemlich parallele Ausrichtung deuten auf ein mehrfach eng nebeneinander eingesetztes Werkzeug hin.

Bemerkenswert ist der Fund übrigens nicht nur bezogen auf die Kulturgeschichte. Neben dem Nachweis einer menschlichen Präsenz interessiert auch die Präsenz der Tierart. Mammutknochen sind vor allem in weiter östlich gelegenen Regionen Europas und in Asien gefunden worden. Im Raum des heutigen Deutschland sind sie äußerst selten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.06.2026, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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