junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Mittwoch, 22. April 2026, Nr. 93
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Aus: Ausgabe vom 22.04.2026, Seite 3 / Inland
Kampftag der Arbeiterklasse

Was hat sich an der Demo zum 1. Mai verändert?

Das Berliner Bündnis »Revolutionärer 1. Mai« setzt gegen Krieg und Sozialraub auf Inhalte statt auf Krawall, sagt Ada B.
Interview: Osa Udushesheri
2025-05-01T174006Z_837163005_RC259EAQQHUU_RTRMADP_3_MAY-DAY-GERM
Die revolutionäre 1.-Mai-Demo auf der Straße in Berlin (1.5.2025)

Der revolutionäre 1. Mai in Berlin gilt als eine der größten und traditionsreichsten Demonstrationen in Deutschland. Dieses Jahr ruft erneut ein Bündnis zum Protest auf. Was ist an dem Tag so besonders?

Der revolutionäre 1. Mai in Berlin ist geprägt durch verschiedene Teile der linken und revolutionären Bewegung. Wir blicken auf eine zersplitterte linke Bewegung und eine Stadt, in der fünf Demos zum gleichen Thema parallel laufen. Diesen Tendenzen wollen wir entgegenwirken. In Berlin treten wir in die Fußstapfen unserer Vorkämpfer. Wir erinnern an den Blutmai 1929, als 33 Arbeiterinnen und Arbeiter auf Kommando eines SPD-Polizeipräsidenten ermordet wurden. Ihre Forderungen nach niedrigeren Mieten, nach mehr Lohn und der Kampf gegen die drohende imperialistische Kriegsgefahr sind Losungen, die wir auch am diesjährigen 1. Mai vertreten.

Der revolutionäre 1. Mai in Berlin war nicht selten von Ausschreitungen geprägt. Das hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Was hat sich verändert?

Wir setzen bei der 1.-Mai-Demonstration auf politischen Inhalt. Manchmal sind Ausschreitungen unumgänglich und oft werden sie von der Polizei provoziert. Da wir unsere Demonstrationen gezielt in den Stadtteilen veranstalten, wo die Leute wohnen, die wir mit unseren Botschaften erreichen wollen, halten wir es nicht für angebracht, wenn man genau dort Schaufensterscheiben einwirft oder Autos anzündet.

Der 1. Mai ist in den letzten Jahren politischer geworden. Denn wir leben in Zeiten, in denen offensichtlicher wird, dass die herrschende Politik keine Antwort auf die Probleme der Welt liefert und ein sterbender Kapitalismus immer aggressiver und zerstörerischer wird. Wir lehnen Gewalt und Militanz grundsätzlich nicht ab und haben auch kein Bedürfnis, uns von solchen Aktionsformen zu distanzieren.

In den bürgerlichen Medien wird ein Bild von Randalierern und Terrorsympathisanten gezeichnet. Wie geht ihr damit um?

Diese Vorwürfe sind nicht neu. Wie soll man jedoch mit der Gewaltfrage umgehen in einer Zeit, die von Krieg, Aufrüstung und zunehmendem Militarismus geprägt ist? Über zwei Jahre Genozid in Palästina, völkerrechtswidrige Angriffe auf souveräne Staaten, Durchsetzung des Faustrechts auf allen Ebenen, Überwachung und Kürzung von Sozialleistungen, Inflation und Mietwucher für den arbeitenden und armen Teil der Bevölkerung bei gleichzeitigen Milliardengewinnen für Konzerne und Superreiche. Sozialen Einrichtungen werden die Gelder gestrichen und Rüstungskonzerne feiern Rekordumsätze. Im Grunde ist es doch ein Wunder, dass nicht viel mehr randaliert wird. Das Bild der zivilisierten und friedfertigen Welt des sogenannten Wertewestens ist eine Farce. Die Gewalt geht nicht von uns aus. Dieses System steckt selbst bis zum Hals in Gewalt und Zerstörung.

Das Motto der diesjährigen Demonstration ist: »Frieden, Freiheit, Solidarität«. Was wollt ihr damit sagen?

Frieden, weil diese Kriege nicht unsere sind. Es sind die Kriege der Herrschenden. Frieden bedeutet für uns ein gerechtes Leben in Würde für alle. Die Forderung nach Freiheit wirkt banal, denn man könnte meinen, die »freiheitlich-demokratische Grundordnung« oder internationales Völkerrecht würden unsere Freiheit sichern. Doch wie frei können wir in einem System sein, das uns auf Schritt und Tritt überwachen will, das uns grundlegende Arbeitsrechte wie den Achtstundentag streicht oder Jugendliche dazu verpflichtet, für Kriege an die Front zu marschieren? In einem Land, in dem mit Faschisten über die nächste große Abschiebewelle verhandelt wird, Migranten auf offener Straße von der Polizei ermordet werden und jeden Tag eine Frau durch die Hand eines Mannes ermordet wird, herrscht keine Freiheit. Und Solidarität bedeutet, sich mit unseren Geschwistern auf der ganzen Welt zu solidarisieren: von Kurdistan über Palästina, die Bevölkerung im Iran, bis zum venezolanischen und kubanischen Volk. Der Kampf für eine gerechte Welt ohne imperialistische Kriege lebt.

Demonstration: 1.5., 18 Uhr, Oranienplatz, Berlin-Kreuzberg

Ada B. spricht für das Revolutionäre-1.-Mai-Bündnis.

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

Regio: