Protest auf dem Kran
Von Carmela Negrete
Manuel Balber und Jesús Galván sind inzwischen ohne Kontakt zur Außenwelt. Denn die Sicherheitskräfte der Werft von Navantia in Cádiz hätten den Zugang zu ihnen verweigert, wie ihre Gewerkschaft Coordinadora de Trabajadores del Metal anprangert. Auch ihre Telefone hätten keinen Akku mehr. Seit einer Woche protestieren die zwei Metallarbeiter aus Cádiz auf einem 25 Meter hohen Kran. Sie lassen sich nicht unterkriegen und hätten viel Solidarität erfahren, teilte die Gewerkschaft am Dienstag auf ihrem Instagram-Konto mit.
Was sie tun, sei ein Grund, glücklich zu sein, denn in diesen Zeiten hätten »die Mächtigen uns unterdrückt, gespalten« und versucht, Angst einzujagen. »Deshalb sind zwei Mitarbeiter, die für die Rechte aller kämpfen, ein Grund zur Hoffnung.« Auf dem Foto sind Balber und Galván mit erhobener Faust zu sehen. Im Hintergrund erklingt die inoffizielle andalusische Hymne »Verde, Blanca Y Verde« von Carlos Cano.
Die beiden Metallarbeiter haben sich auf einem Kran der Werft verschanzt, um gegen »schwarze Listen«, die sie in der Metallindustrie der Bucht von Cádiz vermuten, zu protestieren. Nach Angaben der Arbeiter würden Beschäftigte, die sich gewerkschaftlich organisieren oder an Streiks teilnehmen, bei zukünftigen Aufträgen nicht mehr berücksichtigt. Diese Praxis solle dazu dienen, gewerkschaftliches Engagement zu bestrafen und andere Beschäftigte einzuschüchtern.
Auch Gewerkschafter von anderen Werften von Navantia haben ihre Solidarität erklärt. So zum Beispiel Arbeiter aus Ferrol in Galicien, die die vermuteten »schwarzen Listen« als »Praktiken« kritisierten, »die in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben«. In einer Erklärung von Freitag forderten sie ein Ende der Repressionen. Gleichzeitig legte ein Streik die Werft still.
Das staatliche Schiffbauunternehmen Navantia weist die Vorwürfe zurück. Der Werftdirektor Alberto Cervantes erklärte am Sonnabend: »Natürlich gibt es bei Navantia keine ›schwarzen Listen‹.« Gleichzeitig rief das Unternehmen zu »Besonnenheit und Vorsicht« auf und verwies auf die gute Auftragslage, für die qualifizierte Arbeitskräfte benötigt würden.
Unterstützung erhielten die Arbeiter von der Europaabgeordneten der Partei Podemos, Irene Montero. Sie besuchte die beiden Männer vor Ort und kritisierte deren Situation als »sehr heikel und schwierig«. Montero erklärte, dass die Arbeiter »auf Eisen schlafen ohne eine einfache Matte« und zeitweise weder Strom noch ausreichende Versorgung gehabt hätten. Ihr selbst sei nach eigenen Angaben zunächst der Zugang zu den Arbeitern verweigert worden, als sie Decken und Lebensmittel vorbeibringen wollte.
Die Region Cádiz ist eine der ärmsten in Spanien und von der Metall- und Schiffbauindustrie abhängig. Viele Arbeitsverhältnisse sind prekär; Beschäftigte sind oftmals bei Subunternehmen angestellt. Die Erwerbslosigkeit bei unter 35jährigen beträgt rund 25 Prozent. Insbesondere Beschäftigte der Zulieferfirmen in Cádiz spielten bei mehreren Streiks der vergangenen Jahre eine zentrale Rolle. Sie forderten unter anderem höhere Löhne, stabile Verträge und ein Ende von »schwarzen Listen« gegen kämpferische Arbeiter. Im November 2021 streikten rund 20.000 Metallarbeiter in der Bucht, errichteten Barrikaden und blockierten Straßen, Industrieanlagen und Häfen. Die Polizei der Koalitionsregierung von Pedro Sánchez reagierte mit massiver Gewalt, setzte Tränengas und Gummigeschosse ein, zeitweise sogar ein gepanzertes Fahrzeug, das ursprünglich für militärische Einsätze entwickelt worden war.
Zentral ist ein weiterer Aspekt in dem Konflikt: die Rolle der Werften bei militärischen Aufträgen. Navantia produziert nicht zuletzt Kriegsschiffe. Kunde ist unter anderem Saudi-Arabien. Ein Vertrag über den Bau von fünf Kriegsschiffen für das Königreich rief international Kritik hervor – vor allem wegen des Jemen-Krieges. Einige Arbeiter sehen sich deshalb in einem moralischen Konflikt: Sie wollen ihre Arbeitsplätze behalten, aber kritisieren die Produktion von Waffen, insbesondere für problematische militärische Einsätze. Ein handfester Konflikt, der gegenwärtig auch in anderen Ländern zur Lösung drängt.
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