Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Gefährlicher Optimismus«
Zu jW vom 4./5.4.: »›Wir sind im Zeitalter der Atomenergie‹«
Was für einseitige Aussagen von Yousri Abushady, welch gefährlicher Optimismus am falschen Ort und wie viele unbelegte ökonomische Totschlagargumente, immer wenn etwas »sehr viel Geld« kostet oder so. In Wahrheit darf Photovoltaik längst als preisgünstiger gelten als Kernkraft, die ohne riesige öffentliche Förderung weltweit nirgends eingeführt worden wäre und deren dann auch wieder auf die Öffentlichkeit abgewälzte »Ewigkeitskosten« kein Versicherer zu übernehmen bereit wäre. Mit Recht stellt Interviewer Dieter Reinisch die Frage nach dem Atommüll, leider ohne auf eine wirkliche Antwort zu bestehen – als Abushady wie im übrigen Gespräch verwirrende Details einer Pseudoantwort äußert, ohne auf den Punkt zu kommen. Dass eine ausgeführte Zwischenlagerform »aber nicht für immer« funktioniert, gibt er sogar selbst zu – und lässt das dann im Raum stehen.
Haltlose Behauptungen, was erneuerbare Energien angeblich alles nicht können! Kein Wort, dass Norwegen, Österreich (nach Volksabstimmung), Italien und Griechenland gar nicht erst in die Hochrisikotechnologie Kernkraft eingestiegen sind und dass außer der BRD auch die Schweiz, Belgien und Spanien endlich wieder aussteigen wollen, wofür sich Schweden leider bislang nur mehrmals halbherzig entschieden hatte. Kaum ein Wort über militärische Aspekte – außer dass der Gesprächspartner in konkreten Beispielen (Kursk) GAU-Risiken zugibt (aufgrund der Tschernobyl-Technik), während er nicht glaubt (!), dass sich Tschernobyl »wiederholen« kann: Wäre eigentlich ein halb so schwerer GAU irgendwo anders soviel harmloser?!
Auch kein Wort darüber, dass Uran weder häufig noch leicht zugänglich noch risikofrei abbaubar ist – während Erneuerbare für den Betrieb keinerlei weitere Rohstoffe benötigen, allenfalls für den Bau, die Wartung und gegebenenfalls den Bau weiterer Speicherkapazitäten.
Nein! Zu diesem hochsensiblen Thema würde ich mir mindestens ein ebenso ausführliches, dabei weniger ausweichendes Interview mit einem ebenso hochkarätigen, dabei ökologisch denkenden Partner wünschen, der bereits in den zukunftsfähigen Kategorien regenerativer Energiequellen zu denken vermag! Wie wäre es mit Nina Scheer?
Bernhard May, Wuppertal
Kraft für den Kampf
Zu jW vom 13.4.: »›Aufgeben? Nein, das ist unmöglich‹«
Liebe Redaktion, es war ein sehr bewegender Tag im Kino Babylon. Dafür möchte ich Euch danken, herzlich danken. Dieses Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein, unter so vielen Menschen, die die Republik Kuba verteidigen, hat viel Kraft gegeben für diesen Kampf. Dieser Tag und die würdige Preisträgerin Aleida Guevara zeigen uns: Kuba ist nicht allein! Und Kuba wird diesen Kampf auch dank unserer Hilfe durchstehen.
Andreas Eichner, Schönefeld
Des Pudels Kern
Zu jW vom 10.4.: »Kein Aufatmen«
Die Lektüre des Artikels »Kein Aufatmen« von Susanne Knütter hat mich vor Fragen gestellt: So das versammelte Schweigen der Arabischen Halbinsel zum Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran. Staaten, die nun ja mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden zu den Opfern dieses Krieges zählen könnten. Oder ist auch für sie der Kampf um die Vormachtstellung gegenüber China als neuer Weltmacht das Ziel? Hört man eigentlich noch was von Taiwan? Und wer ist im Besitz der Macht: die Staaten oder weltweit interagierende Konzerne, »Joint Ventures«? Sabic, Aramco, »westliche Energiekonzerne« wie Dow und Exxon Mobil werden genannt. Interessant, was unsere Welt und uns im Innersten zusammenhält: Verpackung, Bauen, Autofahren. Erdölraffinerien, Petrochemikalien und Kunstdünger.
Monika Naggl, per E-Mail
Der neue deutsche Geist
Zu jW vom 13.4.: »Selbstverständlichkeit als ›Skandal‹«
Die unwürdige, menschenverachtende Begleitung der Gedenkfeiern zum Gedenken an die Selbstbefreiung des KZ Buchenwald durch deutsche Politik bedarf an sich keiner Worte. An den Taten sollt ihr sie erkennen, empfiehlt schon die Bibel.
Der jW-Leser Rainer Döhrer erinnert zu Recht daran, wie die faschistische Vergangenheit im Westteil Deutschlands aufgearbeitet wurde. Jene, die heute das Gedenken an den faschistischen Massenmord im Interesse herrschender deutscher Politik zu verunglimpfen, zu entstellen und in ihren politischen Kontext zu pressen versuchen, die wissen sehr genau darum, sie wissen, was sie tun. Es ist ihr politischer Auftrag. Der Auftritt des Kulturstaatsministers Weimer spricht Bände für den neuen deutschen Geist.
Deutsche Politik kann es nicht zulassen, dass ihre beanspruchte Hoheit über das Thema Antisemitismus angekratzt wird. Lehren, die uns allen, der Menschheit, dem gesamten deutschen Volk 1945 aufgegeben wurden, passen nicht in die deutsche Politik unserer Tage.
Völkermord heute darf nicht in historischen Zusammenhang gestellt werden. Das treibt sie um, die Geschichtsfälscher unserer Tage. Das Gedenken in und um Buchenwald, die faschistischen Verbrechen und grausamen Mordtaten, die Ermordung Ernst Thälmanns, zahlloser Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und sowjetischer Kriegsgefangener an diesem Ort bildeten vier Jahrzehnte ein bildungspolitisches antifaschistisches Thema in der DDR.
Als Kind und Jugendlicher war es auch für uns in den 50er und 60er Jahren schwer, das zu verarbeiten, das Geschehen an diesem Ort des Grauens zu verstehen. Bildungsarbeit und die Würdigung zahlloser ermordeter Antifaschisten, wie es in der DDR geschah, halfen, die Wurzeln des deutschen Faschismus zu verstehen. Genau das braucht ein deutscher Staat heute nicht, der das Feindbild Russland wieder prägt, der kriegstüchtig für den Feldzug gen Osten werden will. (…)
Roland Winkler, Aue
Zum hochsensiblen Thema Atomkraft würde ich mir mindestens ein ebenso ausführliches, dabei weniger ausweichendes Interview mit einem ebenso hochkarätigen, dabei ökologisch denkenden Partner wünschen.
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