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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Was tun? IV

→ Zu jW vom 21.5.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Ich bin zehn Jahre älter als der Leserbriefschreiber Joachim Becker, dessen Reaktion am 21. Mai an dieser Stelle mit »Was tun? III« veröffentlicht wurde. Die Nachkriegszeit in der DDR habe ich bewusst wahrgenommen, gerade auch, da mein Vater und mein Großvater nach zehnjähriger Haft als Antifaschisten und Kommunisten dank der Befreiung vom Faschismus durch die Sowjetsoldaten am 8. Mai 1945 überleben konnten – und ich die gesundheitlichen Folgen ihrer Haft unmittelbar miterlebt habe.

Geprägt von den Berichten, insbesondere meines Vaters (mein Großvater verstarb 1968 an den Folgen seiner KZ-Inhaftierung), habe auch ich mir zu eigen gemacht, alles mir Mögliche zu tun, damit Faschismus und Krieg ein für allemal keine Zukunft mehr haben.

In diesem Sinne sind meine drei Kinder aufgewachsen, und es musste uns kein Antifaschismus verordnet werden, da wir in einem Land lebten, dessen »Staatsräson« Antifaschismus war. Für meine vier erwachsenen Enkel, deren Zukunft immer mehr bedroht wird, sieht das schon anders aus: Aufgewachsen in einem kapitalistischen und nunmehr imperialistischen Land sind sie nicht nur den Zwängen dieses Systems, sondern auch den entsprechenden Einflüssen im Umgang mit Menschen außerhalb ihrer Familien ausgesetzt.

Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ausgestoßen zu werden und Kinder in die Welt zu setzen und vielleicht nicht so mutig zu sein, wie derzeit die Schüler, die trotz aller Schikanen gegen die Wehrpflicht auf die Straße gehen, bringt eine gewisse Gleichgültigkeit mit sich, solange man nicht selbst betroffen ist.

Es ist unsere verdammte Pflicht, auch wenn wir, die ältere Generation, wie der Leserbriefschreiber zu Recht hinweist, die Welt wohl nicht mehr ändern können, unseren bescheidenen Einfluss geltend zu machen, indem wir das tausendmal Wiederholte immer wieder ins Bewusstsein der jungen Leute rufen, sei es auf Familien- und Freundestreffen oder bei der Teilnahme am Schülerstreik!

Ja, auch ich habe Angst um die Zukunft meiner/unserer Enkel (…). Noch einmal: Tun wir alles uns Mögliche, dass es nicht soweit kommt!

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Monika Kauf, Berlin

Diktat ins Stammbuch

→ Zu jW vom 22.5.: »Verdienende Volksvertreterin des Tages: Angelika Niebler«

Eine Hand wäscht die andere. Die Verbandelung und Korruption innerhalb der EU-Gremien ist kein »Betriebsunfall«, sondern immanenter Bestandteil dieser Organisation. Systemisch also. Im Sinne Lenins: Ein vereinigtes Europa geht nur sozialistisch oder reaktionär. Das ist im übrigen auch unbedingt der Partei Die Linke ins Stammbuch zu diktieren!

Leo Pixa, per E-Mail

Willküraktionen

→ Zu jW vom 20.5.: »Amtliche Geschichtsklitterung«

Bekannte staatliche Willküraktionen können tatsächlich als Geschichtsklitterung bezeichnet werden. So vertuscht man vielfach auch gerne, dass nach Schätzungen etwa drei Millionen ­ukrainischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg unter dem roten Banner der UdSSR ihr ­Leben verloren. Es waren ja beileibe nicht alle Bandera-Faschisten und Kollaborateure mit den Deutschen in der damaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Ferner ist erstaunlich, na ja, in der BRD eigentlich nicht, dass die Anhänger des Milliarden deutscher Steuergelder verschlingenden, korrupten ­Selenskij-Regimes mit ihren Fahnen am Tag der Befreiung in Berlin selbstverständlich provozieren dürfen. Nicht nur die USA bestimmen innenpolitische Fragen Deutschlands mit, neuerdings halt auch Kiew.

Frank Lukaszewski, Oberhausen

Aktive Solidarität

→ Zu jW vom 12.5.: »›Energiemangel als Zwangsinstrument‹«

Ich besuchte die Insel Kuba zweimal. Das erste Mal 2024, per Rundreise im klimatisierten Bus, mit Aufenthalt in Hotelkomplexen. Das schöne Land wurde uns Touristen aus Ost- und Westdeutschland in den leuchtendsten Farben gemalt. Es war einfach umwerfend, das erleben zu dürfen. Viele kulturelle Angebote wie eine großartige Tanzveranstaltung in Havanna begeisterten alle. Besuche im Hemingway-­Museum, im Botanischen Garten, bei ­Kubanern auf einer kleinen Insel im See oder bei Tabakbauern im Viñales-Tal, des Nationalmuseums des Internationalisten Che Guevara wie auch der Besuch des Felsengemäldes »Prähistorische Wand« und zahlreiche weitere Höhepunkte trugen dazu bei, dass ich gewillt war, im November 2025 bis Januar 2026 mit den Kubanern unter ihrem Dach zu leben.

Ihre Gastfreundschaft war ehrlich, ungemein beeindruckend. So lernte ich das Leben der Bevölkerung in Puerto Esperanza, Viñales, Pinar del Río, Havanna, Trinidad, Sancti Spiritus, Holguin, Moa, Nibujón und Baracoa näher kennen, die Menschen lieben. Trotz Armut waren die Menschen hoffnungsvoll, die unmenschliche Blockade der USA zu überleben. Ein stolzes Volk wollte und will nicht mehr wie im Staat Kuba von vor 1959 unter Batista leben. (…)

Ich selbst übte aktiv Solidarität in Form von Finanztransfers, nachweislich Tausende Euro. Und jetzt im Rentenalter spende ich verschiedenen Bedürftigen von meiner Armutsrente 50 Euro pro Monat. Ich hoffe und wünsche, dass Kuba von der Geisel der US-Verbrechermafia befreit wird und seinen friedlichen Entwicklungsweg zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsformation fortsetzen kann. ¡Viva Cuba libre!

Frank Adam, Bautzen

Es musste uns kein Antifaschismus verordnet werden, da wir in einem Land lebten, dessen ›Staatsräson‹ Antifaschismus war. Für meine vier erwachsenen Enkel, deren Zukunft immer mehr bedroht wird, sieht das schon anders aus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.05.2026, Seite 14, Leserbriefe

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