junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Donnerstag, 16. April 2026, Nr. 88
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Aus: Ausgabe vom 16.04.2026, Seite 2 / Ansichten

Leos Divisionen

Leo XIV. in Afrika(3) Kopie.jpg

Es ist ein Schlagabtausch der besonderen Art: Seit Papst Leo XIV. nach Trumps Vernichtungsdrohung gegen den Iran »Schluss mit dem Krieg« gefordert hat, schmäht der US-Präsident das geistliche Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken.

Trump habe die Frage, »wie viele Divisionen der Papst habe, offenbar in Stalins Sinne beantwortet: keine«, meint die FAZ in ihrem Leitkommentar und sieht den US-Präsidenten damit auf dem Irrweg. Denn »der Papst ist wohl der einzige Akteur auf der weltpolitischen Bühne, den Trump nicht unter Druck setzen kann, gegen den er nichts in der Hand hat«, so die FAZ. Da der Vatikan nur Sonderbriefmarken und Segensurkunden exportiere, müsse er sich nicht vor Strafzöllen fürchten. Manches spreche dafür, dass Trump sich seiner eigenen Machtlosigkeit in diesem Fall bewusst sei und deshalb um so wütender reagiere, verweist die konservative Zeitung darauf, dass jeder fünfte US-Amerikaner katholisch ist. »Wenden sich die Katholiken jetzt gegen den US-Präsidenten«, macht der liberale Tagesspiegel – ohne diese Frage abschließend zu beantworten – Katholiken bei einer US-Präsidentschaftswahl als wahlentscheindende Swing Group aus.

Einen möglichen Wendepunkt in Trumps Präsidentschaft sieht das Portal katholisch.de und zitiert dazu den italienischen Theologen Massimo Faggioli, der in den Verbalattacken auf den Papst »wahrscheinlich den Anfang vom politschen Ende« Trumps ausmacht. »Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, dürfte der US-Präsident eher auf ein himmlisches Wunder angewiesen sein – jenes, das er in seinem KI-generierten Bild selbst heraufbeschwört«, so das Portal unter Verweis auf ein KI-Bild, auf dem sich Trump als Jesus inszeniert hatte.

Trump sei nicht der Antichrist, er mache sich selbst zur Witzfigur, bleibt die Internationale Katholische Zeitschrift Communio mit Blick auf das inzwischen gelöschte Bild gelassen. Der Traum mancher Strategen in Washington von der rechten Internationale unter US-Führung mit Segen der katholischen Kirche sei zu Ende geträumt. »Herrscher kommen und gehen. Allianzen werden geschmiedet und zerbrechen. Reiche entstehen und verschwinden. Das Papsttum hat sie bisher noch alle überlebt«, triumphiert Communio. Zumindest mit einem »Antiimp-Papst« (Taz), der auf X Sätze postet wie »Die imperialistische Besatzung wird von innen heraus unterbrochen. Die Gewalt, die bis heute Gesetz ist, wird entlarvt«, erscheint das in vielem keineswegs fortschrittliche Reich des Vatikans derzeit als das kleinere Übel gegenüber einem niedergehenden US-Imperialismus, dessen Herrscher nicht zögert, die Welt in Brand zu setzen. (nb)

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Leo (r.) mit Israels Präsident Herzog: Der Vatikan will sich mit...
    23.12.2025

    Wieder alles beim alten im Vatikan

    Jahresrückblick 2025. Heute: Papst Leo. Der neue Pontifex schlägt bei Ukraine-Krieg und Genozid in Gaza andere Töne an – auch, weil er die Seligsprechung von Pius XII. erreichen will
  • Es wird gesegnet, was in den Weg kommt – dabei haben die Mensche...
    10.12.2025

    Geliebte Armut

    Jüngst verpasste Papst Leo XIV. mit seinem ersten Apostolischen Schreiben »Dilexi te« der katholischen Kapitalismuskritik ein Update
  • Die Kleriker beim Pflanzen eines Olivenbaums am Montag in Beirut
    04.12.2025

    Päpstliche Friedensmission im Libanon

    Leo XIV. zelebriert in Beirut religiöse Koexistenz. Hisbollah betont in einem Brief an den Patriarchen die Vielfalt als wesentlich für die Sicherheit des Landes

Mehr aus: Ansichten