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Aus: Ausgabe vom 11.04.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Atomkraft? Nein, danke

Zu jW vom 4./5.4.: »›Wir sind im Zeitalter der Atomenergie‹«

Was hat wohl die Redaktion geritten, mit einem so reißerischen Titel einem Atomkraftlobbyisten wie Yousry Abushady Gelegenheit zu geben, nicht nur die Vorteile der Atomenergie – nach Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima, Saporischschja – anzupreisen, sondern darüber hinaus die Leistungsfähigkeit vor allem von Wind- und Solarenergie in Frage zu stellen? Die Gefahren für die Sicherheit von AKW, die von Kriegen, auch dem gegenwärtigen Iran-Krieg, ausgehen, muss er zwar einräumen, ohne sich aber veranlasst zu sehen, Abstriche an seiner beschönigenden Beurteilung vorzunehmen.

Die Frage nach der Sicherheit von atomaren Endlagern kann er nur mit seinen Hoffnungen begründen: Nachdem er zuvor ständig von der Atomenergie als einer »sauberen« Energie gesprochen hat, lässt er die Katze aus dem Sack, indem er das finnische Atomlager als »Experiment« bezeichnet, das erst nach dessen Gelingen die Atomenergie »zu einer wirklich sauberen Energie machen kann«. Verantwortung für die Lebensbedingungen späterer Generationen sieht anders aus.

Ich kann das Motiv der jungen Welt, dieses Interview zu veröffentlichen, nur in einer versteckten Aufforderung an die Leserinnen und Leser vermuten, ideologiekritisch an die Auslassungen eines Lobbyisten heranzugehen. Glauben kann und will ich das aber nicht. Mein Befremden bleibt bestehen. Was war also das Motiv?

Lothar Zieske, Hamburg

Energiebedarf? Senken, bitte

Zu jW vom 4./5.4.: »›Wir sind im Zeitalter der Atomenergie‹«

Yousry Abushady vermittelt den Eindruck, dass die Atomenergie auf gutem Wege ist, doch noch zu einer »sauberen« und billigen Energie zu werden. Er behauptet, dass die Produktionskosten billiger als bei regenerativen Energien sind. Das mag vielleicht für die »nackten« Produktionskosten stimmen. Aber die Kosten von Unfällen und die jahrtausendelange Sicherheitsverwahrung sind hier nicht einkalkuliert. Das hat mich entsetzt, dass Dieter Reinisch diese Aussage so stehenließ. Weiterhin suggeriert Abushady, dass das Problem der Endlagerung bald gelöst sei – nur weil Finnland nun erste Versuche mit einem 1.000 Meter tiefen Lager macht. Das ist für mich Propaganda! Dass Herr Abushady als langjähriger Vertreter der IAEA diese Positionen vertritt, ist verständlich. Aber das darf doch nicht so unkommentiert stehenbleiben!

Meine Analyse ist, dass das Problem an der Wurzel gepackt werden muss. Der künftige Energiebedarf muss »gesenkt« werden, so dass die Welt in 25 Jahren überwiegend regenerativ versorgt werden kann. Herr Abushady suggeriert, dass die Energiebedarfsprognose bis 2050 unabänderlich in Stein gemeißelt ist. Man müsste z. B. intensiv diskutieren, wie viele Rechenzentren für KI-Anwendungen mit den Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind.

Thomas Bernard, Karlsruhe

Atomkraft? Ja, bitte

Zu jW vom 4./5.4.: »›Wir sind im Zeitalter der Atomenergie‹«

Das Gespräch mit Professor Abushady sollte innerhalb der politischen Linken zum Anlass genommen werden, die ökonomisch wie politisch fatale Unterstützung der sogenannten Energiewende deutscher Provenienz zu beenden und auf den energiepolitischen Kurs der erfolgreichsten linken Partei unserer Epoche, der chinesischen KPCh, einzuschwenken. Die deutsche »Energiewende« hat in ihrem bornierten Ansinnen, ausschließlich auf die Energieträger Wind und Sonne zu setzen, hierzulande eine fatale Deindustrialisierungsdynamik ausgelöst, die Energiekosten für Bürger und Unternehmen stark in die Höhe getrieben und sehr viele gutbezahlte Arbeitsplätze gekostet.

Die Volksrepublik China hingegen entwickelt alle vorhandenen Energieträger und setzt diese in einem ökonomisch sinnvollen Maß und Rahmen zur Energieversorgung des Landes ein: Der starke Ausbau regenerativer Energien steht dort nicht im Gegensatz zu den weiter stark genutzten fossilen Energieträgern und – worauf Abushady aufmerksam macht – dem Aufbau einer avancierten eigenen Nuklearindustrie. Der wirtschaftliche Erfolg bestätigt die chinesische Politik: China ist die führende Industrienation der Welt, immer mehr deutsche Unternehmen, die auf ausreichend günstige Energie in der Fertigung angewiesen sind, verlagern ihre Produktion nach Fernost. Soll Deutschland nicht mittelfristig als deindustrialisiertes Armenhaus enden, braucht es eine »Energiewende«-Wende.

Die durch den Krieg gegen den Iran ausgelöste Angebotskrise auf den Energiemärkten sollte erst recht Anreiz sein, sich um verstärkte wirtschaftliche und politische Kooperation mit den BRICS-Staaten zu bemühen: Mit russischem Gas und Öl sowie avancierter chinesischer (Nuklear-)Technik gibt es eine gute Chance, die ramponierte deutsche Industrie wieder flott zu bekommen. Schließlich gilt insbesondere in ökonomischen Fragen der Satz des legendären Deng Xiaoping: »Es spielt keine Rolle, ob eine Katze schwarz oder weiß ist, wenn sie eine Maus fängt, ist sie eine gute Katze.«

Frank Graf, Marburg

Kriegstreiber stoppen? Ja, unbedingt

Zu jW vom 7.4.: »Gehorsam verweigert«

Sicher sind die alljährlichen Ostermärsche gegen Aufrüstung und Krieg richtig und wichtig. Wenn es den Organisatoren dieser Proteste aber heute, anders als noch in den 1980er Jahren, nicht mehr gelingt, viele Menschen zu mobilisieren, dann liegt das verständlicherweise auch daran, dass diese Proteste bisher nichts ausrichten konnten. Dass viele Menschen resigniert haben. Unabhängig davon, ob Zehn- oder Hunderttausende (500.000 gegen den Irak-Krieg am 15. Februar 2003 in Berlin) Menschen auf die Straße gehen: Bisher haben sich die Kriegstreiber nicht davon beeindrucken lassen. Deshalb kann erst dann von Erfolg gesprochen werden, wenn es gelungen ist, die Kriegstreiber zu stoppen.

Joachim Becker, Eilenburg

Unabhängig davon, ob Zehn- oder Hunderttausende Menschen auf die Straße gehen: Bisher haben sich die Kriegstreiber nicht davon beeindrucken lassen.

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