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07.04.2026
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Revolution war gestern
Gedenken an Osteraufstand in Irland: Republikanische Politik setzt auf Wahlen, um Position gegenüber London zu stärken
Auf der irischen Insel ist am Wochenende an zahlreichen Orten an den Osteraufstand von 1916 erinnert worden. Alljährlich marschieren Menschen über das Wochenende in Hunderten Paraden zumeist zu den Friedhöfen oder anderen republikanischen Denkmälern, um der Gefallenen des irisch-republikanischen Freiheitskampfes zu gedenken. In der Vergangenheit war die Ostererklärung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) die wichtigste politische Stellungnahme der Bewegung. Heute geben die Reden der republikanischen Partei Sinn Féin (SF) die politische Marschroute vor, allerdings war von dieser Seite wenig Neues zu hören.
SF-Präsidentin Mary Lou McDonald und die Regierungschefin der Partei in Nordirland, Michelle O’Neill, traten gemeinsam in Dublin auf. In Derry sprach Séanna Walsh, der 2005 internationale Bekanntheit erlangt hatte, als der ehemalige politische Gefangene eine Erklärung der IRA verlas, die das Ende der Selbstbewaffnung der Organisation verkündete. In Belfast wurde die Hauptrede bei durchwachsenem Wetter von der Abgeordneten des nordirischen Regionalparlaments, Deirdre Hargey, gehalten. Während Sturm »Dave« den ganzen Vormittag hindurch starken Regen in die Stadt brachte, hinderte dies Tausende nicht daran, auf der Falls Road der Parade der Belfast National Graves Association beizuwohnen. Und es waren mehr Beteiligte als in den vergangenen Jahren. Auch am republikanischen Monument am Milltown-Friedhof, wo traditionell die Reden gehalten werden, fanden sich mehr Zuhörer als zuletzt ein.
Sie hörten dafür wenig Neues von Hargey. »Ich bin stolz, heute in meiner Heimatstadt Belfast zu sprechen. Wir sind die Stadt des Widerstands und des Antiimperialismus«, blitzte nur in wenigen Sätzen etwas Radikalismus auf. Der erste Teil der Rede war – wie üblich in diesem Rahmen – von historischen Ausführungen zu den »Männern und Frauen von 1916« und dem Kampf der Hungerstreikenden von 1981 um den Belfaster Bobby Sands geprägt, dessen Grab sich ebenfalls auf dem Millton-Friedhof befindet. Zu aktuellen politischen Entwicklungen war nichts zu hören, das nicht schon bekannt war: Wahlerfolge sind das Ziel von SF, machte Hargey deutlich. »Im Mai stehen hier die Regionalwahlen an, und auch in der Republik gibt es zwei wichtige Nachwahlen«, verkündete sie. Eine davon ist in Galway, wo nach der Wahl der bisherigen Abgeordneten Catherine Connolly zur Präsidentin Irlands deren Sitz nachbesetzt werden muss.
Die Chancen von SF sind dort gering, doch bei den anderen Abstimmungen möchte die Partei reüssieren. In Dublin führt die republikanische Partei die Umfragen an. »Sparmaßnahmen und Misswirtschaft aus London reichen uns nicht. Wir wollen ein vereintes Irland, ein neues Irland«, forderte Hargey: »Siege bei den Wahlen verleihen unserem Wunsch, dem Wunsch der Menschen in unserem Land, Nachdruck.« Wie SF jenseits von partiellen Erfolgen an der Wahlurne ein vereintes Irland erreichen will, verriet Hargey genausowenig wie alle anderen SF-Redner der vergangenen Jahre. Eine entsprechende Volksabstimmung kann nur von London angesetzt werden – und dort will dies niemand.
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