Gegründet 1947 Sa. / So., 14. / 15. März 2026, Nr. 62
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: 31. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz, Beilage der jW vom 28.01.2026
31. Rosa-Luxemburg-Konferenz

Rückkehr zum Kolonialismus

Grußbotschaft von Mumia Abu-Jamal
Von Mumia Abu-Jamal
_TH_6752.JPG

Als ich auf der Suche nach einem Thema für die Rosa-Luxemburg-Konferenz über die aktuellen Ereignisse nachdachte, erreichte mich die Nachricht, dass die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und dessen Frau Celia Flores in einer Nacht- und Nebelaktion aus ihrem Haus und ihrem Land verschleppt haben. Natürlich denkt man sofort an die Monroe-Doktrin und die lange brutale und blutige Geschichte des US-Imperialismus in Lateinamerika, an eine Zeit, als Washington lateinamerikanische Führer wie Schachfiguren entfernte, um sie durch gefügige Marionetten zu ersetzen, die das US-Kapital bei der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ihrer Länder unterstützen.

Wir neigen dazu, Kolonialismus und Imperialismus einfach als Wirtschaftssysteme zu betrachten, die allgegenwärtig und in ihrer Allgegenwärtigkeit fast natürlich sind. Das liegt daran, dass sie uns aufgrund dieser Eigenschaft normal erscheinen. Aber weder Kolonialismus noch Imperialismus waren normal oder natürlich. Es handelt sich nicht um neutrale Wirtschaftssysteme. Es sind Systeme der Ausbeutung und der extremen Gewalt. Es geht darum, Rohstoffe aus den Kolonien und Halbkolonien zu gewinnen, die selbst Unterdrückungssysteme sind, die darauf abzielen, den Unterdrückten ihre Arbeitskraft und Lebenskraft zu rauben. Wer kann leugnen, dass die USA seit mehr als einem Jahrhundert die repressivsten Elemente in den lateinamerikanischen Gesellschaften unterstützt, ausgebildet und bezahlt haben, um diese Gesellschaften im Namen von Unternehmensinteressen, im Namen der kapitalistischen Interessen der amerikanischen Wirtschaft zu dominieren?

Was ist das Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika? Die Antwort ist einfach: Kapital. Warum sind die USA in Venezuela einmarschiert? Wegen der riesigen Ölvorkommen. Die Drogen waren nur ein Vorwand. Erinnern Sie sich an die Massenvernichtungswaffen, mit denen die USA den Krieg im Irak gerechtfertigt haben? Ein Vorwand. Denn Kolonialismus, Neokolonialismus und der damit verbundene Imperialismus sind nichts anderes als Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung. Es sind Systeme, die auf der Vermehrung von Kapital basieren. Und genau das sehen wir in Venezuela. Der brutale, völkerrechtswidrige Überfall durch das US-Militär, dient – Trump sagt es selbst – nur einem Zweck: Man will die Verfügungsgewalt über das Öl.

Liebe Freundinnen und Freunde auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz: Ich wünsche euch Liebe statt Angst. Hier spricht Mumia Abu-Jamal – aus dem Land der Gefangenen. Auf Wiedersehen.

Dieser Kommentar wurde von Prison Radio aufgezeichnet.

Mumia Abu-Jamal ist Journalist und Bürgerrechtler. Seit 1981 sitzt er wegen angeblichen Mordes an einem Polizisten in Haft. 2011 wurde die gegen ihn verhängte Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

Mehr Infos: freiheit-fuer-mumia.de

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Neujahrsfest auf einer chinesischen Messe in Caracas zur Stärkun...
    13.01.2026

    Risiko spielen

    Die USA versuchen mit staatsterroristischen Methoden, China aus Lateinamerika zu verdrängen. Das könnte sich als schwierig erweisen
  • »Uns geht es gut. Wir sind Kämpfer«: Der Sohn des entführten Prä...
    12.01.2026

    Imperialismus im Hyperantrieb

    Die gegenwärtige Situation in Venezuela: Eine verantwortungsbewusste Regierung, ein widerstandsfähiges Volk
  • Solidarität mit Venezuela: Tausende protestierten in Kuba gegen ...
    06.01.2026

    Cuba Sí – Yanqui No!

    Nach dem Überfall auf Venezuela verstärken die USA ihre Drohungen gegen die sozialistische Karibikinsel

Mehr aus: Ausland