Rückkehr zum Kolonialismus
Von Mumia Abu-Jamal
Als ich auf der Suche nach einem Thema für die Rosa-Luxemburg-Konferenz über die aktuellen Ereignisse nachdachte, erreichte mich die Nachricht, dass die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und dessen Frau Celia Flores in einer Nacht- und Nebelaktion aus ihrem Haus und ihrem Land verschleppt haben. Natürlich denkt man sofort an die Monroe-Doktrin und die lange brutale und blutige Geschichte des US-Imperialismus in Lateinamerika, an eine Zeit, als Washington lateinamerikanische Führer wie Schachfiguren entfernte, um sie durch gefügige Marionetten zu ersetzen, die das US-Kapital bei der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ihrer Länder unterstützen.
Wir neigen dazu, Kolonialismus und Imperialismus einfach als Wirtschaftssysteme zu betrachten, die allgegenwärtig und in ihrer Allgegenwärtigkeit fast natürlich sind. Das liegt daran, dass sie uns aufgrund dieser Eigenschaft normal erscheinen. Aber weder Kolonialismus noch Imperialismus waren normal oder natürlich. Es handelt sich nicht um neutrale Wirtschaftssysteme. Es sind Systeme der Ausbeutung und der extremen Gewalt. Es geht darum, Rohstoffe aus den Kolonien und Halbkolonien zu gewinnen, die selbst Unterdrückungssysteme sind, die darauf abzielen, den Unterdrückten ihre Arbeitskraft und Lebenskraft zu rauben. Wer kann leugnen, dass die USA seit mehr als einem Jahrhundert die repressivsten Elemente in den lateinamerikanischen Gesellschaften unterstützt, ausgebildet und bezahlt haben, um diese Gesellschaften im Namen von Unternehmensinteressen, im Namen der kapitalistischen Interessen der amerikanischen Wirtschaft zu dominieren?
Was ist das Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika? Die Antwort ist einfach: Kapital. Warum sind die USA in Venezuela einmarschiert? Wegen der riesigen Ölvorkommen. Die Drogen waren nur ein Vorwand. Erinnern Sie sich an die Massenvernichtungswaffen, mit denen die USA den Krieg im Irak gerechtfertigt haben? Ein Vorwand. Denn Kolonialismus, Neokolonialismus und der damit verbundene Imperialismus sind nichts anderes als Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung. Es sind Systeme, die auf der Vermehrung von Kapital basieren. Und genau das sehen wir in Venezuela. Der brutale, völkerrechtswidrige Überfall durch das US-Militär, dient – Trump sagt es selbst – nur einem Zweck: Man will die Verfügungsgewalt über das Öl.
Liebe Freundinnen und Freunde auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz: Ich wünsche euch Liebe statt Angst. Hier spricht Mumia Abu-Jamal – aus dem Land der Gefangenen. Auf Wiedersehen.
Dieser Kommentar wurde von Prison Radio aufgezeichnet.
Mumia Abu-Jamal ist Journalist und Bürgerrechtler. Seit 1981 sitzt er wegen angeblichen Mordes an einem Polizisten in Haft. 2011 wurde die gegen ihn verhängte Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.
Mehr Infos: freiheit-fuer-mumia.de
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
IMAGO/Anadolu Agency13.01.2026Risiko spielen
Matias Delacroix/AP/dpa12.01.2026Imperialismus im Hyperantrieb
Palacio de La Revolución06.01.2026Cuba Sí – Yanqui No!
Regio:
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 28.01.2026 -
Verharmlosen deutsche Medien Dschihadisten?
vom 28.01.2026 -
Friss oder stirb
vom 28.01.2026 -
Algier und Paris streiten wieder
vom 28.01.2026 -
Sorge vor Wiederaufleben des IS
vom 28.01.2026 -
Die stille Zerstörung
vom 28.01.2026 -
Ein kleiner Sieg im Sudan
vom 28.01.2026