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Imperien haben keine Verbündeten

Von Mumia Abu-Jamal
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Vor einigen Jahren verfassten mein Koautor Stephen Vittoria und ich eine dreiteilige Buchreihe mit dem Titel »Murder Incorporated. Empire, Genocide and Manifest Destiny«, in der wir uns mit der Geschichte der USA aus der Perspektive der einfachen Bevölkerung befassten. Wir schrieben diese Bücher im Geiste des großen, 2010 verstorbenen Historikers Howard Zinn, dessen Klassiker »A People’s History of the United States: 1492–Present« 1980 erstmals veröffentlicht und in mehreren Auflagen verbreitet wurde (auf deutsch unter dem Titel »Eine Geschichte des amerikanischen Volkes«, jW). Bereits im Jahr 2003 wurde das millionste Exemplar ausgeliefert. Das Buch inspirierte unzählige junge Menschen und tut dies bis heute.

Mit unserer Arbeit an »Murder Incorporated« wollten wir über die Korruption des Imperiums aufklären, die sich von Kolumbus’ ersten Schritten auf Hispaniola bis zu den jüngsten mörderischen Drohnenangriffen erstreckt. Sie richtet sich an junge Menschen und stellt eine alternative Geschichte zu dem dar, was ihnen in der Schule falsch beigebracht wurde.

Dabei haben wir großen Wert darauf gelegt, zwischen imperialer und nationaler Geschichte zu unterscheiden. Wir haben herausgearbeitet, dass Imperien keine Nationen sind, sondern imperiale Machtstrukturen, die danach streben, andere Nationen zu besitzen, zu dirigieren und zu führen. Daher vertreten wir die Auffassung, dass Imperien keine wirklichen Verbündeten haben können. Das Herrschaftskonzept eines Imperiums schließt gleichberechtigte Verbündete von vornherein aus. Ein Imperium hat bestenfalls Vasallen, denn nur ihnen kann es Befehle erteilen, und nur sie kann es kontrollieren.

Warum ist das wichtig? Schauen wir uns um! Betrachten wir allein, was innerhalb weniger Wochen in der Bolivarischen Republik Venezuela passiert ist. Oder schauen wir genau hin, was gleichzeitig gerade in den USA passiert. Hier führen bewaffnete Truppen der Einwanderungsbehörde ICE Krieg gegen US-Bürger und gegen Menschen, die mit dem Wunsch eingewandert sind, eines Tages offiziell Bürgerinnen und Bürger dieser Vereinigten Staaten zu werden.

Aber zurück zu der Frage, warum Imperien keine Verbündeten, sondern nur Vasallen haben. Wenn ein Imperium auf eine andere Nation Einfluss ausübt, wenn dieses Imperium die andere Nation mit militärischer Gewalt angreift und in das Land unter Missachtung seiner Grenzen einmarschiert, den Staatspräsidenten gefangennimmt, ihn und seine Frau gewaltsam außer Landes schafft, um beide auf dem Gebiet des Imperiums vor Gericht zu stellen, sodann eine Staatsführung einsetzt, die den Anweisungen der imperialen Macht gehorcht und ihr die eigenen Rohstoffe ausliefert, können wir dann noch von zwei souveränen Nationen sprechen? Oder handelt es sich dabei nicht eher um ein Imperium und einen Vasallenstaat? Wer eine Antwort auf diese Frage sucht, sollte dabei unbedingt ehrlich sein.

Als wir diese Gedanken vor Jahren für unsere Buchreihe aufschrieben, dachten wir dabei vor allem an die Länder Irak und Afghanistan. Sie wurden von US-Truppen überfallen, in ihnen wurden Marionettenregime eingesetzt, um – wohlgemerkt erfolglos! – diese beiden Nationen, die durch die ausländische Militärintervention zerstört worden waren, unter US-Diktat in funktionierende Staatsgebilde zu verwandeln. Was jedoch am Widerstand der irakischen und der afghanischen Bevölkerung scheiterte. Deshalb wissen wir heute einmal mehr: Selbst die mächtigsten Waffen der Welt können nichts ausrichten, wenn das Volk gegen die fremde Macht unentwegt Widerstand leistet.

Was wir heute sehen, hätten wir uns damals nicht vorstellen können. Wir hatten mehr recht, als wir selbst dachten. Deshalb empfehlen wir heute jeder und jedem, sich die Zeit zu nehmen, die Buchreihe »Murder Incorporated« zu lesen und über das, was gerade vor unseren Augen geschieht, nachzudenken. Danach könnt ihr selbst entscheiden, ob wir mit unseren Einschätzungen richtig lagen.

Übersetzung: Jürgen Heiser

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