Hinter dem Mond
Per aspera ad lunam. Raumfahrt ist Menschheitsangelegenheit, das weiß seit Neil Armstrongs kleinem Sprung von 1969 jedes Kind. Astronauten auf ihrer Reise sehen einen Planeten Erde, nicht einen Flickenteppich von Staaten. So geht die idealistische Sicht. Raumfahrt ist teuer, ihr ziviler Nutzen fraglich, außerdem Leistungsschau technologischer wie ökonomischer Stärke einer Nation, die Konkurrenten und Rivalen die eigene Überlegenheit demonstriert und aus den Erfahrungen im Orbit militärischen Nutzen zu ziehen trachtet. Mit »Artemis 2« ist erstmals seit 50 Jahren eine bemannte Mission unterwegs zum Mond. Die Zeiten, in denen so etwas im großen Stile bejubelt worden wäre, sind passé.
Findet auch die FAZ, denn »die Weltlage bietet nicht gerade ideale Voraussetzungen, um sich für Mondflüge zu begeistern«. Mag zwar sein, aber entscheidend ist bei der »Zeitung für Deutschland« der Vorteil, den die eigene Nation daraus zu ziehen vermag. Erinnert sei an den »nicht unerheblichen europäischen Beitrag zur amerikanischen Mission«. Das hiesige Desinteresse an deutschen, zumal bayerischen Firmen, »die auch in der Musk-Liga des Weltraumgeschäfts ernst genommen werden«, – einfach fatal. »Auf den Mond zu fliegen ist teuer, aber hinter dem Mond zu leben, wird auf Dauer noch viel teurer.«
Wer mithalten will, muss halt mitmachen. Doch die Kollegen von El País sind hin- und hergerissen. »Artemis 2« dient der Vorbereitung auf »Artemis 4«, einer Landung am Südpol des Mondes im Jahr 2028, worauf sich allerdings Elon Musk und Jeff Bezos, unwürdige Nachfahren des Superschurken Hugo Drax, mit ihren jeweiligen Privatunternehmen vorbereiten. »Ein Geschäft im Wert Hunderter Milliarden Dollar, das, wie alle großen Geschäfte, die von der Trump-Regierung abhängig sind, gelinde gesagt undurchsichtig ist.« Aber Schwamm drüber. Der Weg in den Himmel ist mit bösen Absichten gepflastert. Mögen auch die Gründe für dieses Programm »nicht die edelsten sein«, in der Orion »fliegen auch die Hoffnungen all jener, die in ihr ein Symbol dafür sehen wollen, dass der Mensch nie aufgehört hat zu glauben, dass er eines Tages das tun kann, was heute unmöglich erscheint«.
Wohlfeiles Geschwätz. Nicht einen positiven Aspekt entdeckt nämlich die Süddeutsche Zeitung. »Die Mondreise der Nasa ist ein Akt des US-Nationalismus«; »dass hinter der staatlich geförderten Weltraumbegeisterung auch Rüstungsziele stecken, ist selbstredend«; »der Beitrag des Mondflugs ist so minimal, dass nicht einmal die Nasa versucht, ihn als Forschungsmission zu verkaufen«.
»Here am I sitting in a tin can / Far above the world / Planet earth is blue / And there’s nothing I can do.« (brat)
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