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Kino

Sternenfutter

Ryan Gosling ist »Der Astronaut«

Foto: Landmark Media/IMAGO
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade: Ryan Gosling als Ryland Grace

Hunde, Affen und Schweine gab es schon im Weltall. Trugbilder, Orchideenzüchter, sprechende Bomben und sogar Rentner (vgl. »Space Cowboys« von und mit Clint Eastwood) gab es im Weltall, das ansonsten ausgesprochen still ist und beinahe leer, außer man fährt hin. Das tut Ryan Gosling in »Der Astronaut« von Phil Lord und Christopher Miller, dem Regieteam des »Lego Movie«, nach dem Roman »Project Hail Mary« von Andy Weir, der schon die Vorlage für »Der Marsianer« (Ridley Scott, 2015) geliefert hatte. Das war eine Robinsonade auf dem Mars. Diesmal geht es weiter weg, erst zur Venus und dann ganz weit weg, in eine andere Galaxie, wo dieser Robinson auch seinen Freitag trifft, also das ganz andere, das Alien, das hilfreich ist, edel und gut, alles in allem also ganz niedlich.

Allerdings ist Ryan Gosling wider Willen im Weltall, denn er weiß, dass das eine suizidale Mission ist, Reise ohne Wiederkehr, fraglos ein Himmelfahrtskommando (»Hail Mary«). Deshalb heißt die von ihm gespielte Astronautenfigur auch Ryland ­Grace (»Hail Mary, full of grace – Ave Maria, gratia plena«) und muss von Sandra Hüller in der Rolle einer Äbtissin der Wissenschaft schon mit mehr als sanftem Zwang da hingeschickt werden. Sandra Hüller duldet keine Widerrede.

Zunächst ist Grace zwar nur ein harmloser Mittelschulphysiklehrer und in Ungnade gefallener Molekularbiologe, bis er sich doch, nun ja, überreden/überwältigen lässt und zum Astronauten wird, Weltenretter und bester Freund des ganz anderen.

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Zum Abschied singt Sandra Hüller ihm (und der Menschheit) auf einer Karaokeparty noch ein Lied: »Sign of the Times« von Harry Styles. Das ist natürlich eine ideologische Anrufung par excellence (»Stellt euch nicht so an, kleine Himmelskommandeure, es ist nur zu unser aller Bestem …«). Aber kaum jemand dürfte noch so wenig abgebrüht sein, dass das so ohne weiteres funktioniert. Die Chose der Manipulation läuft nicht so leicht, das Stahlbad wird nicht so einfach zum Fun. Sandra Hüller muss das, ihrer Wirkung bewusst, abbrechen (»So, das reicht jetzt«), damit man Freude daran hat, manipuliert zu werden. Die ideologische Identifikation funktioniert besser mit einkalkulierter Distanz.

Gehen wir also zum Spaß davon aus, dass es im All sonnenfressende Mikroorganismen geben kann und interstellare Raumfahrt möglich ist. Sandra Hüller sagt korrekt: »Das Schiff ist nicht das Problem, Treibstoff ist das Problem.« Aber angenommen, das Treibstoffproblem ist gelöst und der Weg zum ganz anderen frei, bleibt noch das Problem der Begegnung.

Ist das ganz andere normalerweise nicht fremd und hat keinen Namen? In Weirs Prosa (und im Film) hört es auf den Namen Rocky, sieht aus wie eine Spinne aus Ziegelstein, nur ohne Augen und mit lediglich fünf Beinen, und ist ungefähr so groß wie ein Labrador. Mit ihm zusammen kann eine Art Dick und Doof im Weltall aufgeführt werden. Wir sind nicht allein, sondern mindestens zu zweit. Vielleicht aber führt das Rocky-Alien nur eine Show auf, um Ryan Gosling in seinem harmlosen Tran zu belassen. Das ganz andere ist höflich.

»Der Astronaut«, Regie: Phil Lord und Christopher Miller, USA 2025, 156 Min., bereits angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.03.2026, Seite 11, Feuilleton

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