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Aus: Ausgabe vom 31.03.2026, Seite 1 / Ansichten

US-Gesandter

Syriens Präsident im Kanzleramt
Von Arnold Schölzel
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Deutsch-Syrischer Wirtschaftsroundtabel am Montag im Auswärtigen Amt in Berlin mit Ahmed Al-Scharaa (r.)

Die Wandlung von Protesten gegen die syrische Regierung im Frühjahr 2011 in einen fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg geschah mit Hilfe und Anweisung aus Washington und unter begeisterter Zustimmung der NATO-Europäer. Die Offensive, die den Kopfabschneider Ahmed Al-Scharaa im Dezember 2024 an die Spitze ­Syriens brachte, setzten die USA durch. Das NATO-Mitglied Türkei wollte sie aufschieben, hatte aber das Nachsehen. Bis dahin hatte Ankara für den Regime-Change in Damaskus die Truppen Al-Scharaas gepäppelt. Der Mann, der jetzt von Bundespräsident und Kanzler empfangen wurde, ist ein von Blut triefender Rachefanatiker und ein Gesandter der USA. Sein für Januar geplanter Besuch wurde verschoben, weil er gerade mit den Kurden in Aleppo und im Nordosten des Landes abrechnete. Am Montag wies das Berliner Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit auf Berichte über ein Sammelgrab mit etwa 270 Leichen in der Nähe von Aleppo hin, das wahrscheinlich im Januar angelegt wurde. Das Zentrum nannte den Empfang durch deutsche Repräsentanten einen »Skandal«.

Gälten für die deutsche Politik einfache moralische Regeln oder gar Recht, wäre das Wort angebracht. Der Besuch ist aber Normalität: Al-Scharaa ist ein Mann deutscher Staatsräson – er lässt israelische Truppen, die völkerrechtswidrig im Süden Syriens operieren, in Ruhe. Was die nicht hindert, immer wieder – zuletzt am 20. März – Stellungen der syrischen Armee anzugreifen. Al-Scharaa darf eine neue Kolonie verwalten, solange er gefügig ist. Das macht ihn auch zum Gesprächspartner für Steinmeier, Merz und Wadephul. Er hat Glück, dass die Auswahl für »unseren« Schurken auf ihn fiel, sonst ginge es ihm wie den Staatschefs in Bagdad, in Belgrad, in Tripolis oder jüngst in Teheran. Staatsterror und Regime-Change ist ihr Geschäft. Und die gemeinsame Gesprächsgrundlage mit dem Syrer.

Außerdem soll Al-Scharaa gefälligst alle Landsleute aus der Bundesrepublik mit nach Hause nehmen, weil die AfD darauf besteht. Dann gibt’s auch Tauschgeschäftchen – Menschen gegen Waren. Alles übrige erledigt Donald Trump.

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