Buckelnde des Tages: Walretter
Von Niki Uhlmann
Buckeln. Jeden Tag. Zu vielen ist das zuviel. Einfach mal abtauchen, das wär’s. Oder, wenn alle Hoffnung längst ersoffen ist: hinterher, ins Wasser gehen. Kein Wunder also, dass das Schicksal des nahe Timmendorfer Strand aufgelaufenen Buckelwals die BRD erregt. Man eilte zur Hilfe, mobilisierte für mindestens 40.000 Euro kurzerhand Polizei, Küstenwache und Co. Wenn dieser archaische Seesäuger es schafft, schaffen wir Landsäuger es irgendwie auch, so offenbar der landläufige – und seeschwimmige – Glaube. Am Freitag morgen siegte endlich die Nächstenliebe, kam der Wal durch eine Rinne frei. Manchmal hilft eben nur baggern.
Kaum war Buckli ins Schwimmen geraten, geriet er allerdings ins Schwimmen: über beziehungsweise unter Wasser bleiben, nur um nicht unter- beziehungsweise überzugehen nach Walhalla, wie mühevoll. Aber man hat ja keine Wal – oder? Trotz Eskorte durch mehrere Boote kehrte der Hoffnungsträger zurück zum Ausgangspunkt. Will er etwa auf Grund laufen? Aufgrund der Last aller projizierten Hoffnung womöglich? Auf den Grund ging dem reichlich meeresbiologischer Sachverstand, der feststellen musste, dass Buckli ein rüstiger Bulle mit einer schweren Hautkrankheit ist. Seine Überlebenschance: kleiner als ein Prozent.
Doch in der BRD wird nicht gestorben – nicht mal geruht, erst recht nicht an der Küste ohne Platzreservierung per Handtuch mindestens dreizehn Werktage im voraus. Wo kommen wir denn da hin? Buckli soll nach Dänemark, dessen Behörden über die Abschiebung schon informiert sind. Am Freitag nachmittag sträubte er sich noch und bog ab nach Meck-Pomm. Buckli, wenn du sterben willst, musst du nach Bayern! Festzuhalten bleibt, dass diesem Staat ein dahergeschwommener Buckelwal mehr Geld wert ist als ein durchschnittlicher buckelnder Bürger. Das Tamtam drumherum ist vor allem eins: orkastriert.
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