Weiße Kittel aus Kuba
Von Volker Hermsdorf
US-Präsident Donald Trump lässt seine Soldateska nicht nur Zivilisten, Schulen und Krankenhäuser bombardieren, er gefährdet zudem Gesundheit und Leben unzähliger Patienten in Regionen, die auf die Hilfe kubanischer Ärzte angewiesen sind. Doch während sich in Lateinamerika und in der Karibik mehrere Länder dem Druck der US-Regierung beugten und die medizinische Kooperation mit Kuba beendeten, kündigte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum am Mittwoch (Ortszeit) an, dass ihr Land die Zusammenarbeit fortsetzen werde. Auch die süditalienische Region Kalabrien, Barbados und weitere Länder trotzen Washingtons Erpressungsversuchen und erklärten: »Die weißen Kittel aus Kuba bleiben.«
Die mexikanische Regierung verwies vor allem auf die konkrete Notwendigkeit der Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Regionen. Sheinbaum betonte, das Abkommen mit Kuba sei »von großer Bedeutung« für ihr Land. Nur so habe man während der Covid-19-Pandemie Versorgungslücken des nationalen Gesundheitssystems schließen können. Derzeit sind mehr als 3.000 kubanische Mediziner in 570 Ortschaften Mexikos tätig, versorgen abgelegene ländliche Regionen und haben laut offiziellen Angaben das Leben von über 700.000 Patienten gerettet. Das Personal aus Kuba führte bisher 7,5 Millionen Untersuchungen, 114.000 Operationen und 280.000 Dialysebehandlungen durch.
Mexiko positioniert sich damit als entschiedenes Gegengewicht in einer Region, in der Honduras, Guatemala, Jamaika, Ecuador und weitere Länder ihre Abkommen mit Havanna beendet haben. Dennoch steht Sheinbaum mit ihrer Haltung nicht allein da. In der Karibik verteidigten mehrere Regierungen, darunter die von Barbados, die Zusammenarbeit mit Havanna als unverzichtbaren Bestandteil ihrer öffentlichen Gesundheitssysteme. »Wenn der Preis der Verlust meines US-Visums ist, dann sei es eben so«, reagierte Premierministerin Mia Amor Mottley auf entsprechende Drohungen der USA. In der italienischen Region Kalabrien erklärte deren rechte Regierung, ohne Mediziner aus Kuba würden Krankenhäuser und Notaufnahmen nicht funktionsfähig sein. Statt ihnen zu kündigen, soll die Kooperation ausgeweitet werden. Auch die Regierung von Giorgia Meloni betonte: »Ohne kubanische Ärzte würde Kalabriens Gesundheitssystem zusammenbrechen.«
Kubas medizinische Missionen gelten als einzigartiges Modell der Süd-Süd-Kooperation. Seit der ersten Entsendung nach Algerien im Jahr 1963 haben mehr als 600.000 Fachkräfte in 165 Nationen gearbeitet. Das Henry-Reeve-Kontingent leistet Katastrophenhilfe. Die Operación Milagro hat Hunderttausenden in Lateinamerika und in der Karibik ihr Augenlicht zurückgegeben. In Jamaika etwa profitierten 25.000 Patienten von dieser kostenlosen Behandlung. Auf dem Höhepunkt der Coronapandemie entsandte Kuba mehr medizinisches Personal in Länder mit niedrigem Einkommen als alle G7-Staaten zusammen.
Gerade diese Bedeutung macht das Programm zum Ziel der US-Politik. Ein internes Memorandum des US-Außenministeriums beschrieb im Februar eine umfassende Strategie, die kubanischen Ärztemissionen in der westlichen Hemisphäre innerhalb weniger Jahre zu beenden. Staaten, die ihre Verträge mit Kuba aufkündigen, wird Unterstützung beim Aufbau von Infrastruktur und bei der Rekrutierung von Personal aus anderen Ländern in Aussicht gestellt. Gleichzeitig soll das Unterbinden der Missionen eine wichtige Einnahmequelle Kubas kappen und den politischen Einfluss der sozialistischen Insel reduzieren.
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel kritisiert die »brutale Erpressung« gegenüber Ländern, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Seiner Ansicht nach trifft die Kampagne vor allem die ärmsten Bevölkerungsgruppen, die über Jahrzehnte von der Zusammenarbeit profitiert haben. Zugleich würde der Entzug der Einnahmen Kubas eigenes Gesundheitssystem schwächen. Die internationale Solidarität Kubas bleibt ungebrochen: Man werde weiterhin jedem Land medizinische Unterstützung anbieten, das zur Zusammenarbeit bereit sei, bekräftigte die kubanische Regierung.
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