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Aus: Ausgabe vom 03.02.2026, Seite 16 / Sport
Tennis

Glückliche Tage

Carlos Alcaraz gewann am Sonntag gegen Novak Djokovic seine ersten Australian Open – der letzte Majortitel, der ihm noch fehlte
Von Peer Schmitt
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Er hat ihn, den Career Grand Slam: Carlos Alcaraz am Sonntag in Melbourne

Unabhängig vom Ausgang sollte im Herrenfinale der Australian Open am Sonntag Geschichte geschrieben werden. Novak Djokovic hätte im Fall seines Sieges den 25. Majortitel feiern können, ein einsamer Rekord; und das vor den Augen der Australierin Margaret Court, mit der er sich den Rekord von 24 Majortiteln im Einzel noch teilt. Dazu kam es allerdings nicht. Der 38jährige musste im Duell zweier von ihren Halbfinalsiegen offenkundig noch leicht mitgenommenen Kontrahenten in seinem elften Australian-Open-Finale gegen den aktuellen Weltranglistenersten Carlos Alcaraz mit 6:2, 2:6, 3:6, 5:7 seine erste Niederlage hinnehmen. Dabei hatte er furios begonnen. Aus dem Defensivkünstler Djokovic ist im Spätherbst seiner Karriere ein ultraaggressiver Offensivspieler geworden, der von seinem Service und einer flachen schnellen Vorhand lebt. Alles oder nichts.

Bei seinem Fünfsatzsieg im Halbfinale gegen Titelverteidiger Jannik Sinner hatte das noch funktioniert, obwohl Sinner laut den Statistiken sogar noch aggressiver spielte. Entscheidend war die Nervenstärke: Djokovic wehrte 89 Prozent (18 von 20) von Sinners Breakchancen ab. Gegen Alcaraz hielt er das präzise aggressive Spiel einen Satz lang durch, danach wirkte er müde. Alcaraz konterte ihn aus. Nur für einen kurzen Augenblick hatte Djokovic den Hauch einer Siegmöglichkeit, eine einsame Breakchance bei 4:4 im vierten Satz, aber er verschlug eine Routinevorhand. Der vierte Satz blieb so ohne Aufschlagverlust bis zum zwölften Spiel. Aufschlag Djokovic, 15:15, danach drei Vorhandfehler des Serben in Folge.

Alcaraz gewann seine ersten Australian Open, der letzte Majortitel, der ihm noch fehlte. Mit 22 Jahren und 272 Tagen ist er nunmehr der jüngste Spieler in der Tennisgeschichte, der alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen hat. Eine beeindruckende Statistik, zumal es ohnehin nicht allzu viele Spieler mit einem sogenannten Career Grand Slam gibt. Große Spieler wie Björn Borg, Ivan Lendl oder Pete Sampras haben ihn nicht. Außer Alcaraz sind es bei den Herren noch acht: Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Andre Agassi, Rod Laver, Roy Emerson, Don Budge, Fred Perry. Das war’s in einem Jahrhundert Tennisgeschichte. Carlos Alcaraz kann sich gratulieren, zumal er in seinem Fünfstundenhalbfinale gegen Alexander Zverev (6:4, 7:6, 6:7 , 6:7, 7:5) schon kurz vor dem Aus stand, aber bewährten Dusel hatte. Zverev schlug bei 5:4 im fünften zum Matchgewinn auf und versagte wie gewohnt. Auch der Finaleinzug von Djokovic war teils fragwürdig. Im Achtelfinale konnte sein Gegner Jakub Menšík, der ihn im vergangenen Jahr im Finale von Miami noch besiegt hatte, nicht antreten, und im Viertelfinale lag er gegen Lorenzo Musetti schon 0:2 Sätze zurück, als der Italiener verletzungsbedingt aufgeben musste. Es waren (bei den Herren) die Australian Open der Glücksschweine.

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