Sterbende des Tages: FDP
Von Felix Bartels
Gelindnert gesagt steckt die FDP in einer Dürrperiode. Rufen die einen. Die Strack im Haus erspart den Zimmermann, bellen die andern. Die Gewissingkrise der Liberalen scheint mittlerweile kubickimetergroß. Das Wadenbeißen hat begonnen. Am Dienstag brachte Marie-Agnes Strack-Zimmermann sich selbst als neue Vorsitzende ins Gespräch. Am Mittwoch parierte der Vorsitzende Christian Dürr. Strack sei von der anderen Linie, eine »optimistische Reformkraft mit klar marktwirtschaftlichem Kurs« dagegen sein Ziel. Wenigstens der Rhetorikworkshop scheint sich gelohnt zu haben.
Ob Strack, ob Dürr – die FDP hat ein Problem, das durch Personal nicht zu lösen ist. Parteien sind keine Inseln, sie konstituieren ein Ensemble logisch möglicher Positionen in einem gegebenen ideologischen Rahmen. Eine Partei kann überflüssig werden, wenn die Profile der anderen um sie herum sich ändern. Was der FDP längst passiert. Verschwinden wird sie nicht, doch seltsam durchlässig wie der Herr Martin bei Paul Maar. Der erste Schlag war die Liberalisierung der Grünen. Das juste Milieu der FDP wanderte ab. Der nächste Schlag bestand in der Modernisierung der CDU unter Merkel. Als die Union nicht länger rigoros konservativ schien, gab es für viele FDP-Wähler keine Manschetten mehr, ihre wirtschaftlichen Interessen nicht einfach auch dort verfochten zu sehen. Dritter Schlag dann: das Erscheinen der AfD. Der missvergnügte Flügel der Liberalen, die Hugenbergianer, hatten endlich ein Zuhause.
Gegen diese drei Plagen gibt es keine Mittel. Auch nicht die indifferente Differenz des Dogmatikers Dürr, der die Schuldenbremse für heilig hält und Steuersenkungen am liebsten in die Charta der Menschenrechte aufnehmen möchte, und der Transatlantikerin Strack-Zimmermann, die das alles gleich sieht, solang es nicht um Militäretat und Sondervermögen geht.
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