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Konflikt in Südasien

Pakistan verübt Massaker in Kabul

Klinik für Suchtkranke in afghanischer Hauptstadt bombardiert. Chinas Aufruf zu Verhandlungen verhallt

Von Satyajeet Malik
Foto: Siddiqullah Alizai/AP/dpa
Fassungslosigkeit über die Zerstörung: Nach pakistanischen Angaben befand sich hier ein Waffenlager (Kabul, 17.3.2026)

Durch einen pakistanischen Luftangriff auf die afghanische Hauptstadt Kabul sind am Montag abend nach Angaben lokaler Behörden mehr als 400 Menschen getötet und weitere 265 verletzt worden. Den Berichten zufolge fand das Bombardement gegen 21 Uhr lokaler Zeit statt und traf das Omid-Krankenhaus, eine Spezialklinik für Drogenabhängige. Die scharfe Eskalation des Konflikts zwischen den beiden Ländern erfolgte, nachdem China erst wenige Stunden zuvor erklärt hatte, es sei weiterhin bereit, sich für eine Entspannung zwischen den beiden asiatischen islamischen Nationen einzusetzen – beide Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Der Sprecher der afghanischen, von den Taliban gestellten Regierung, Suhail Schahin, bezeichnete die Luftangriffe am Dienstag als »Verbrechen gegen die Menschheit« und warnte das Nachbarland, es werde eine »Antwort in seiner Sprache« erhalten.

Pakistan wies jedoch Vorwürfe, ein Krankenhaus angegriffen zu haben, als »falsch und irreführend« zurück und behauptete statt dessen, Präzisionsschläge gegen »militärische Einrichtungen und Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen« ausgeführt zu haben. Das pakistanische Ministerium für Information und Rundfunk erklärte weiter, eigene Angriffe würden »sorgfältig durchgeführt, um sicherzustellen, dass keine Kollateralschäden entstehen«. Um Vorwürfen gezielter Angriffe auf zivile Infrastruktur entgegenzuwirken, erklärte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar zudem auf X, dass »deutlich erkennbare Sekundärdetonationen nach den Angriffen eindeutig auf das Vorhandensein großer Munitionsdepots hindeuten«. Berichten zufolge war das Omid-Krankenhaus früher ein US-Militärstützpunkt, der nach Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 in ein Therapiezentrum umgewandelt worden sei. Auch sollen sich zum Zeitpunkt des Beschusses Familienangehörige der behandelten Personen vor der Rehabilitationsklinik versammelt haben, um Informationen über ihre Lieben zu erhalten.

Unterdessen mehren sich scharfe Verurteilungen der Angriffe. Die Kommunistische Partei Indiens (Marxisten-Leninisten) – Liberation hat die Bombardierung der Klinik als »Kriegsverbrechen« verurteilt. Sie wirft zudem die Frage auf, ob Pakistan »Israel und die Vereinigten Staaten imitiert, indem es Krankenhäuser und die Zivilbevölkerung in Afghanistan ins Visier nimmt«. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich »bestürzt« über das Blutbad an Zivilisten in Kabul und forderte die Konfliktparteien nachdrücklich auf, »die Lage zu deeskalieren, äußerste Zurückhaltung zu üben und das Völkerrecht zu achten«. Raschid Khan, ein bekannter Cricketspieler in Afghanistan, äußerte auf X seine Empörung und teilte mit, er sei »zutiefst betrübt über die jüngsten Berichte über zivile Opfer infolge pakistanischer Luftangriffe in Kabul«. Auch er bezeichnete Attacken auf zivile Infrastruktur als »Kriegsverbrechen«.

Seit Wochen befinden sich die beiden Seiten in einem Konflikt, den Pakistan als »offenen Krieg« bezeichnet – bereits der zweite innerhalb von nur fünf Monaten. Die jüngste Eskalation begann am 21. Februar, als Pakistan Angriffe auf afghanisches Gebiet startete, die sich nach eigenen Angaben gegen »Lager und Verstecke von Terroristen« richteten. Pakistan behauptete dabei, afghanisches Territorium sei zur Vorbereitung unmittelbar zuvor verübter Terroranschläge in Pakistan genutzt worden. Als Reaktion darauf griff Afghanistan in der Nacht auf den 26. Februar pakistanische Militärkontrollpunkte entlang der gemeinsamen Grenze an. Wenige Stunden später startete Pakistan im Rahmen der Operation »Ghasab Lil-Hak« (Gerechter Zorn) Luftangriffe, die sich gegen wichtige afghanische Städte wie Kabul und Kandahar sowie den Luftwaffenstützpunkt Bagram richteten. Beide Seiten behaupten, Hunderte gegnerische Kämpfer und Soldaten getötet und verwundet zu haben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 7, Ausland

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